Landkreis — Ein Aroma von Stachelbeeren erschnuppert und schmeckt Lorenz Neder (Ramsthal). Er hat eine Flasche Jahrgangssekt Scheurebe geöffnet. Der junge Winzer ist mit seinem Ergebnis sehr zufrieden. Schaumwein aus eigener Produktion ist heute eine wichtige Nische für die Winzer geworden. "Ein Weingut ohne Sekt kann man sich gar nicht mehr vorstellen", betont Volker Pfaff, Verkaufsleiter des Weinguts Baldauf in Ramsthal.
Denn immer häufiger wird auch mit fränkischem Sekt angestoßen. Darauf haben sich Winzer aus dem Landkreis Bad Kis singen eingestellt. Winzersekt ist eine Spezialität, die nach Meinung von Volker Pfaff mit Herzblut erzeugt wird und sich in ihrer Klasse auch international sehen lassen kann. "Wir wollen unseren Sekt über die Qualität absetzen", betont Lorenz Neder, der 25-jährige Juniorchef des Weinguts Neder.
Die Winzer im Landkreis verfolgen deshalb mit Verwunderung manches Schnäppchen in den Supermärkten. Dort werden Schaumweine bereits für unter drei Euro angeboten. Mit diesem Preis muss auch noch die Sektsteuer finanziert werden, die in Deutschland schon alleine bei 1,02 Euro pro Flasche liegt. "Man fragt sich, wie das funktionieren kann", sagt Lorenz Neder.

Lange Gärung

Die Winzer können und wollen auch nicht für diesen Preis produzieren. Ein guter Sekt braucht die besten Trauben, erläutert Volker Pfaff. Auch Ulrike Lange vom Weingut "Schloss Saaleck" sagt, dass die Grundlage für einen guten Sekt schon im Weinberg gelegt wird. Sekt brauche zudem Zeit, um in der Kellerei zu reifen, erklärt Lange. Ein erst kürzlich international Prämierter des Hammelburger Gutes lag 26 Monate auf Hefe, hatte also so lange Zeit in der Kellerei heranzureifen. "Man sieht, dass es sich lohnt", sagt Ulrike Lange.
Individuell wie die Weine sind auch die Sekte der Winzerbetriebe. Das drückt sich in der Wahl der Rebsorten aus, aus denen Wein für die Versektung gekeltert wird. Auch die Lage spielt eine Rolle. Man wolle, dass sich der "Terroir-Charakter" im Getränk wiederfindet, so Pfaff.
Produziert wird der Winzersekt im traditionellen Flaschengärungsverfahren (auch bekannt als Champagnermethode). In den Winzerbetrieben ist dazu aber oft kein Platz und auch die technische Ausstattung nicht vorhanden. Deshalb ist es üblich, dass die Winzer ihren Wein in Sektkellereien versekten lassen, beispielsweise bei Höfer in Würzburg. Auch die großen Winzergenossenschaften in Franken handhaben das nicht anders. Die Erfahrungen mit der Lohnversektung sind gut. "Das sind Spezialisten, und das ist wichtig", betont Ulrike Lange.
Eine beliebte spritzige Alternative zum Sekt ist der Secco geworden. Er ist ein Perlwein, der mit Kohlensäure versetzt worden ist. Secco lässt sich günstiger erzeugen, weil die lange Reifezeit entfällt und weil er nicht der Schaumweinsteuer unterliegt. Ob man nun Sekt oder Secco in den Händen hält, erkennt man nicht nur am Etikett, sondern auch beim Öffnen einer Flasche. Nur Sekt trägt die Agraffe, das Drahtgestell zum Halten des Korkens. Der Secco hat viel weniger Druck auf der Flasche. Die Agraffe ist nicht nötig.
"Die Seccos laufen sehr gut", betont Ulrike Lange. Das bestätigen auch die Winzer-Kollegen. Secco kostet nicht so viel wie ein edler Sekt, hat weniger Alkohol, ist meist etwas fruchtiger ausgebaut und wird gerne zu Mixgetränken verwendet, wie dem beliebten Hugo. Preisgünstiger heißt aber nicht, dass hier die Qualität eine geringere Rolle spielt. "Alles ist aus eigener Produktion", betont Ulrike Lange.



Info rund um den Sekt


Weltmeister Deutschland gilt als der weltweit größte Schaumweinmarkt; von den rund zwei Milliarden Flaschen Sekt, die in der Welt erzeugt werden, wurden 2009 ca. 423 Millionen Flaschen in Deutschland getrunken. Laut Deutscher Weinstatistik 2014/ 2015 trinkt jeder Deutsche pro Jahr 4,2 Liter Schaumwein. Im Vergleich: Beim Wein liegt der Pro-Kopf-Verbrauch bei 21,1 Litern, bei Bier bei 106,6 Litern.

Historie 1826 wurde in Deutschland die erste Sektkellerei gegründet. Bis 1970 gab es ein staatliches Monopol, welches nur Kellereien die Sekt herstellung erlaubte. Erst in den 1970er Jahren erhielten auch Winzergenossenschaften und Winzer das Recht zur Versektung ihrer Weine.

Winzersekt Winzersekt ist das deutsche Pendant zum Champagner oder Cremant, der mit der klassischen Flaschengärung (2. Gärung) hergestellt wird. Er wird vom Winzer selbst oder in dessen Auftrag erzeugt. Er stammt aus bestimmten Anbaugebieten (b.A.). Einmal erworben, sollte Sekt nicht zu lange zu Hause gelagert werden. Wenn eine Sektflasche die Kellerei verlässt, befindet sich der Sekt auf dem Höhepunkt seiner Reife. Sekt altert schneller als Wein. Gelagert wird er im Idealfall dunkel, kühl und stehend.

Secco Secco ist kein Sekt, sondern Perlwein, dem Kohlensäure zugesetzt wird.