Gerd Kleinhenz ist mittlerweile der dritte Bürgermeister, der sich mit der Suche nach einem Standort für einen weiteren Zeltplatz des Landkreises herumschlagen muss. "Das ist der letzte Versuch", ist für ihn klar, dass er nur noch eine Möglichkeit hat. Wenn auch die scheitert, wird die Gemeinde Wildflecken den Zeltplatz wohl endgültig in den Wind schreiben. Klar ist bereits jetzt, dass der seit langem erhoffte fünfte Zeltplatz in der aktuellen Leader-Förderperiode nicht mehr gebaut wird. "Da hätten wir ja schon am 30. Juni fertig sein müssen", sagt Jürgen Metz, der Sprecher des Landkreises. "Das ist zu knapp, die Fördergelder müssen wir definitiv laufen lassen."

Bereits 80 000 Euro investiert

Neben vielen Jahren der Planung hat der Landkreis auch bereits Geld in das Projekt investiert: Für rund 40 000 Euro wurde das Grundstück von der Immobilienanstalt des Bundes gekauft, eine ähnliche Summe ging für Voruntersuchungen und erste Arbeiten drauf. Vor gut einem Jahr kam dann die böse Überraschung: Trotz optimistischen Boden-Gutachtens kam Munition ans Tageslicht, der Bau wurde eingestellt.
"Wildflecken muss jetzt zu Potte kommen", hofft Metz auf einen besseren Vorschlag aus dem Norden des Landkreises. Nach dem Munitionsfund hatte Bürgermeister Gerd Kleinhenz einen Standort nahe des Oberbacher Sportheimes ins Spiel gebracht. "Für uns wäre das eigentlich gut gewesen, aber den Jugendverbänden war es zu nahe an der Wohnbebauung." Die Suche sei nicht einfach: Möglichst eben und geschützt soll der Platz sein, und abgelegen, aber doch auch leicht erschließbar, denn: Die Kosten für Wasser- und Kanalanschluss muss die Gemeinde übernehmen.

Warten auf den Eigentümer

"Ich habe jetzt noch einen Standort, den ich aber noch nicht nennen kann", berichtet Kleinhenz. Mit dem Grundstückseigentümer habe er vereinbart, dass er sich bis Anfang März entscheidet. Dann könnten die Verhandlungen mit dem Landkreis und den Jugendverbänden beginnen, vielleicht könnte der Kreisjugendring bereits in seiner Frühjahrs-Vollversammlung beraten.
Die große Frage ist aber, ob es für einen neuen Platz wieder Zuschüsse gibt. "Wir hoffen jetzt erst einmal, dass wir ins neue Leader-Programm kommen", berichtet Metz. Die Entscheidung falle demnächst und die Signale seien bislang positiv. Wenn ja, müsste ein neuer Antrag gestellt werden. Metz hofft, dass der Platz dann sogar anstelle von 50 Prozent der Netto-Kosten, sogar mit 60 Prozent der Brutto-Kosten gefördert werden könnte.

"Politische Frage"

An der Zusage, dass der Zeltplatz im Gebiet der Gemeinde Wildflecken entsteht, werde vermutlich vorerst nicht gerüttelt. "Aber das ist eine politische Frage", legt sich Metz nicht fest. Das aktuelle Konzept sah eine Kooperation mit dem Landkreis Rhön-Grabfeld vor, deshalb sei zumindest ein Standort im Norden oder Nordosten des Landkreises wichtig.
Die anderen Gemeinden halten indes vorerst still: "Wir warten ab, ob Wildflecken einen neuen Vorschlag bringt", sagt etwa der Burkardrother Bürgermeister Waldemar Bug. Schließlich habe seine Gemeinde mit dem Gelände am Totnansberg bereits einen kreiseigenen Jugendzeltplatz. Aber: "Der Bedarf ist natürlich da", würde Bug durchaus in die Bresche springen, falls Wildflecken keinen geeigneten Standort findet.

Bestand Der Landkreis hat aktuell vier Zeltplätze: Oberhalb von Schloss Saaleck bei Hammelburg ist 1983 ein 12 000 Quadratmeter großer Platz entstanden, der bis zu 140 Personen fasst. Mitten im Wald bei Stangenroth befindet sich der Zeltplatz Totnansberg mit 6000 Quadratmetern und für bis zu 80 Camper. 20 000 Quadratmeter umfasst der Jugendzeltplatz am Farnsberg bei Riedenberg mit möblierten Hütten für 92 Personen plus Zeltfläche für 100 Camper. Die Anlage An der Zent (Münnerstadt) bietet auf 9000 Quadratmetern Raum für 120 Camper.

Bedarf Weil die vier Zeltplätze so gut ausgelastet sind, entstand bereits Mitte der 1990er Jahre die Idee, einen fünften Zeltplatz zu bauen. Festgelegt wurde damals, dass der Platz im Gebiet der Gemeinde Wildflecken entstehen soll. Nach jahrelangen Bemühungen einigten sich die Kommune und der Landkreis 2012 endlich auf einen Standort im ehemaligen Standortübungsplatz bei Oberwildflecken. Dort sollte ein Platz mit 80 Übernachtungsplätzen sowie ein eingeschossiges Sanitär- und Versorgungsgebäude mit Aufenthaltsraum entstehen. Auf dem Gelände waren zudem eine Spiel- und Sportfläche sowie ein naturnaher Bereich geplant, der vor allem für Bildungsangebote genutzt werden sollte. Gerechnet wurde mit 5000 Übernachtungen im Jahr.

Kosten Das Projekt war auf 470 000 Euro veranschlagt. Rund 200 000 Euro wären aus dem Leader-Programm der Europäischen Union geflossen. Den Rest wollten sich die Landkreise Bad Kissingen (250 000 Euro) und Rhön-Grabfeld (20 000 Euro) teilen.

Scheitern Kurz nach Beginn der Bauarbeiten wurden im März 2014 Munitionsreste gefunden, was zu einem sofortigen Baustopp führte. Der Landkreis hatte bereits rund 80 000 Euro investiert, davon etwa die Hälfte in den Kauf des Grundstückes.