Die Bewohner im größten Ortsteil des Marktes Burkardroth sind unzufrieden. Anlass dazu gibt die aktuelle Baupolitik im Rathaus. Das möchte in der Großgemeinde keinen neuen Baugebiete schaffen. Als Alternative erhalten Bauwillige Förderungen, um alte Häuser in den Dörfern zu kaufen und zu sanieren. Damit soll das Sterben der Ortskerne verhindert werden.

Doch der Premicher Martin Franz hält das für falsch.
"Die Jungen wollen hierbleiben und neu bauen", sagte er in der Bürgerversammlung im Pfarrheim, zu der rund 40 Bewohner gekommen waren. Doch da es kaum noch freie Bauplätze gebe, würden junge Leute lieber abwandern, als sich mit einem alten Haus zu belasten. "Wir müssen den Jungen eine Alternative bieten", fügte Franz hinzu.

Die sieht er in der Erweiterung des Premicher Baugebietes Bocksäcker. Weitere 17 Bauplätze seien dort ursprünglich einmal geplant gewesen. "Wann wird dieser zweite Bauabschnitt angegangen?", fragte er nach.
Bürgermeister Waldemar Bug (ödp) verteidigte die Baupolitik des Rathauses. "Der Gemeinderat der vergangenen Legislaturperiode hat beschlossen, keine Baugebiete neu zu erschließen", sagt er. Daran halte man sich. Denn jedes Haus, das auf der grünen Wiese neu gebaut würde, bringe Leerstand im Innerort. "Ich hab's ja in den 1980er-Jahren selber so gemacht", gesteht Bug ein. Zudem zeige der Blick auf die Bevölkerungsprognosen, dass der Markt immer mehr schrumpfe. Bis 2050 werden 700 Einwohner weniger hier leben. "Das ist ein ganzer Ortsteil", so der Bürgermeister. Zudem berief er sich auf das Gleichheitsprinzip: "Wenn wir hier in Premich neue Bauplätze schaffen, dann müssen wir es in anderen Ortsteilen auch." Denn in Waldfenster, Wollbach und Lauter gebe es ebenfalls keine gemeindlichen Bauplätze mehr.


Altbauten kein Allheilmittel

Der örtliche Gemeinderat Frank Voll wollte Bugs Argumentation so nicht stehen lassen. Er teilt vielmehr die Ansicht der Premicher. Zwar gebe es einige Bauplätze in privater Hand, deren Eigentümer aber aus verschiedenen Gründen nicht verkaufen wollen. "Doch die, die zum Verkauf stehen, haben oft unattraktive Lagen, sind beispielsweise für den Betrieb von Solar- und Photovoltaikanlagen ungeeignet", betonte Voll. Die Sanierung von alten Häusern im Dorfkern hält er auch nicht für das Allheilmittel. Nicht selten seien diese von allerhand Nebengebäuden und Scheunen umbaut und böten somit nur wenig Platz außen herum. "Ich plädiere dafür, dass ein Teil des Baugebietes Bocksäcker in Angriff genommen wird", sagte er.

Die Gemeinde müsse zweigleisig fahren. Zudem könne der alte Gemeinderatsbeschluss geändert werden. "Dann sollen die Premicher Gemeinderäte das mal in Angriff nehmen", fügte Martin Franz hinzu, der die Diskussion angestoßen hatte.

Außerdem wies Franz darauf hin, dass das Fünf-Wunden-Kreuz stark vermoost sei. Bug sicherte zu, das zu prüfen und gegebenenfalls zu handeln. Alois Stürzenberger fragte nach, warum die Brücke am Wöllersbach entfernt worden ist. Das Ortsoberhaupt erklärte, dass das Bauwerk so marode gewesen sei, dass man es abgerissen habe. Einen Ersatz werde es schon bald geben, sagte er zu den Premichern. "Die Arbeiten sind bereits ausgeschrieben."


Einwände des Naturschutzes

Noch eine ganze Weile dauern werde hingegen die Sanierung des Verbindungsweges von der Kirchstraße zur Steinbergstraße. Denn die Untere Naturschutzbehörde habe Einwände zu den Plänen erhoben. "Sie möchte zunächst untersuchen, was da kreucht und fleucht", so Bug. Die Premicher konnten sich ein Schmunzeln nicht verkneifen. Die Gemeinde müsse nun einen Landschaftsplaner hinzuziehen. "Es kann noch ein Jahr dauern, bis wir den Weg machen können", betonte Bug.

Schließlich informierte der Bürgermeister auch über den aktuellen Planungsstand zum Premicher Dorfladen. Dieser könnte in dem ehemaligen Raiffeisengebäude in der Kirchstraße entstehen. "Es hat sich eine Projektgruppe gebildet, die sich in Kürze trifft", so der Bürgermeister. Die Bewohner werden außerdem schon bald Fragebögen zu dem Vorhaben in ihrem Briefkasten finden.

Ortsreferent Mario Krebs gab in der Bürgerversammlung außerdem bekannt, dass 2018 das 500-jährige Bestehen Premichs gefeiert werden kann. Nach Recherchen im Gemeindearchiv sei die Ortschaft 1518 erstmals erwähnt worden. Wie man das Jubiläum begehen will, steht aber laut Krebs noch nicht fest. Die Planungen dafür sollen die örtlichen Vereine gemeinschaftlich in Angriff nehmen.