Traditionell ist das Adventskonzert der Kissinger Sängervereinigung am 1. Adventssonntag. Und eine kleine Tradition ist auch schon, dass deren Vorsitzender Wolfgang Russ dem Publikum ein paar Gedanken mitgibt für die bevorstehende Advents- und Weihnachtszeit. In diesem Jahr erinnerte er die zahlreichen Zuschauer daran, dass die Deutschen das große Glück hatten, seit 1945 in ihrem Land ohne Krieg leben zu können.
Auch schon Tradition ist das dichte und abwechslungsreiche Programm, mit dem die Sänger und ihr Leiter Hermann Freibott aufwarten. Da Freibott an der Musikhochschule Würzburg unterrichtet, kann er sowohl bei seinem Orchester, der 2005 von ihm gegründeten "sinfonietta franconica", einem Ad-hoc-Orchester mit wechselnden Besetzungen , als auch bei den Solisten aus dem Vollen schöpfen, vier der Sänger und die Harfenistin studierten dort.
In Vorspielen, Überleitungen, als Verstärkung des Continuo und des Chores musizierte ein leider im Programm nicht namentlich gewürdigter Organist mit großer Leidenschaft am Orgelpositiv auf der Orchestergrabenabdeckung (was die Geräusche der Pedale manchmal unangenehm verstärkte).
Mit dergestalt großem Aufwand schlug das Konzert den Bogen vom großen deutschen Kirchenmusiker Johann Sebastian Bach über zwei Werke des französischen Romantikers Gabriel Fauré bis hin zum berühmten "Weihnachtsoratorium" seines Landsmannes und Zeitgenossen Camille Saint-Saëns.
Den Anfang machte Johann Sebastian Bachs Kantate zum 1. Advent, "Nun komm, der Heiden Heiland". Klang der Chor im Einleitungschoral "Nun komm, der Heiden Heiland" noch etwas zaghaft und konnte sich nur schwer gegen das forsch aufspielende Orchester durchsetzen, behaupteten sich die Sängerinnen und Sänger beim feierlichen Schlusschoral "Amen! Komm du schöne Freudenkrone" mit mehr Selbstvertrauen.


Stimmmächtig und präzise

Drei der fünf Gesangssolisten konnten sich im Mittelteil der Kantate vorstellen. Schon bei seinem kleinen Rezitativ zeigte sich der Bariton Sven Fürst stimmmächtig und präzise, die Sopranistin Maximiliane Schweda ging mit Bachs Verzierungen nicht ganz so sorgfältig um und der Tenor Julian Freibott mit seinem Secco-Rezitativ und der berühmten Arie "Komm, Jesu, komm zu deiner Kirche" konnte nach Anfangsschwierigkeiten in der tiefen Lagen seine klare, höhensichere Stimme zeigen. Die Continuogruppe des Kammerorchesters bewies in der fast swingenden Begleitung dieser Arie und auch insgesamt in diesem Konzert sehr viel Spiellust.
Zu einem spannenden solistischen Intermezzo machte die französische Harfenistin Sonia Bize ihre Interpretation von Gabriel Faurés "Impromptu op. 86", indem sie dessen sehr unterschiedliche Themen klar herausarbeitete. Einen Auftritt für Chor und Orchester ohne Solisten gab es mit Gabriel Faurés Frühwerk "Cantique de Jean Racine".


Gut vorbereiteter Chor

Das Hauptwerk des Konzerts, für das neben gemischtem Chor und Streichorchester die fünf Gesangssolisten, eine Harfe und die Orgel benötigt wurden, war Camille Saint-Saëns romantische Antwort auf Bachs berühmtes "Weihnachtsoratorium", sein "Oratorio de Noël". Das Orchester stimmte ein auf die neun lateinischen Texte aus der Bibel und der katholischen Weihnachtsliturgie.
Das Solistenquartett Maximiliane Schweda (Sopran), Katrin Edelmann (Alt), Julian Freibott (Tenor) und Sven Fürst (Bariton) sang das "Récit", die Engelsbotschaft, wozu sich der in Rhythmus und Intonation gut vorbereitete Chor mit "Gloria in altissimis Deo" gesellte. Als sehr überlegte und stimmlich sichere Solistin zeigte sich Judith Bergmann in ihrer Mezzosopranarie "Expectans, expectavi". Nun auch in den tieferen Lagen absolut überzeugend und mit sehr schöner Gestaltung und klarer Intonation gestaltete Julian Freibott die Tenorarie "Domine ego credidi/ Quid in hunc mundum venisti" im Wechsel mit dem Chor, der ihm nicht immer ganz überzeugend, etwa beim eigentlich vehementen Einwurf "Christus!", antwortete. Im Duett des "Benedictus" hatte Maximiliane Schwenda zu ihrer Stimme und Intonation gefunden und sang mit dem ausgezeichneten Sven Fürst im Verein mit der Orgel diesen Lobpreis lustvoll-fröhlich, wobei die Harfe fast unterging. Der Chor konnte sich im dramatischen Beginn von "Quare fremuerunt gentes" nicht so ganz in den Tumult von Orchester und Orgel einschwingen, sang aber die Anrufung der Dreifaltigkeit am Ende sehr innig. Beim Terzett "Tecum principium" gelang mit Sonia Bizes Harfenbegleitung eine sehr feierliche Interpretation . Hier wie auch im folgenden Solistenquartett des "Alleluja" musste man wieder nur beim Sopran ein paar Abstriche machen, ansonsten sangen Schweda, Freibott, Edelmann und Fürst diesen Ohrwurm sehr mitreißend. Das Publikum war von Programm und der Leistung aller Beteiligten begeistert.