Fast wie bestellt treten zwei Touristen aus Hannover durch die Tür. Sie sind auf ihrem Stadtrundgang am Bader-turm vorbeigekommen und schauen neugierig ins Innere. "Eine ordentliche Treppe rein, dann ist es gut", sagt einer.

Eine Treppe will auch Detlef Mohr in den hufeisenförmigen Schalenturm setzen. "Der Turm soll zugänglich gemacht werden", erklärt der Stadtbaumeister. Eine Stahlkonstruktion, die aus mehreren einzelnen Treppenläufen besteht, soll zu einem Aussichtspodest führen. Der Baderturm wäre dann nach dem Turm auf Schloss Saaleck und dem Mönchsturm der dritte Aussichtsort für Touristen. Das Landesamt für Denkmalpflege hat die Idee bereits grundsätzlich gebilligt. "Wir wollen noch in diesem Jahr mit dem Vorhaben so weit kommen, wie es möglich ist", erklärt Mohr.

16,66 Meter hoch

Er hat den Hubsteiger der Stadtwerke geordert und den sonst verschlossenen Turm geöffnet, um mit seinem Kollegen Klaus Keupp das Bauwerk vermessen zu können. Keupp steigt in den Hebekorb. Auf Höhe der Zinnenkrone entrollt er das Maßband: 16,66 Meter ist der Baderturm hoch. Keupp misst auch die Abstände zwischen den einzelnen Geschossen. Fünf Ebenen waren es einstmals, heute sind nur noch die Konsolsteine zu sehen.

Über dem ersten Geschoss gab es an der Außenseite des Turms außerdem einen Wehrgang. Auch von diesem sind nur noch die Kragsteine übrig geblieben, auf denen der Wehrgang lastete. Er wird laut Mohr nicht wieder rekonstruiert. Auch die offene Stirnseite wird nicht zugemauert. Mohr vermutet, dass sie aus Fachwerk bestand und während des Stadtbrands im Jahr 1854 zerstört wurde. Denn bereits auf einem Foto von 1915 fehlt dieser Teil des Turms.

Ähnlichkeit zum Mönchsturm

Stattdessen wird der erste Treppenlauf im Inneren des Baderturms eventuell aus Stein gebaut. "Wegen der Optik", wie der Stadtbaumeister erklärt. Besucher des Mönchsturms müssen schließlich auch zuerst steinerne Stufen emporsteigen. Mohr betont die Ähnlichkeit der beiden Bauwerke: "Der Baderturm ist baugleich mit dem Mönchsturm."

Wie viel die Stahlkonstruktion kosten wird, kann Mohr noch nicht genau sagen. Das hängt davon ab, wie viele Treppenläufe notwendig sind. Je nach der gewählten Steigung können es inklusive Steintreppe bis zu neun Aufgänge sein. Die Daten der Vermessung sollen bei den Überlegungen helfen. Vor einem Jahr, als die touristische Nutzung des Baderturms zum ersten Mal diskutiert wurde, stand zumindest als grobe Schätzung die Summe von 35 000 Euro im Raum. Den größten Teil der Kosten soll eine Erbschaft decken, die der Stadt für touristische und denkmalpflegerische Zwecke vermacht worden ist.