Den Kreuzberg einmal anders erleben, fernab vom Trubel im Biergarten und der Klosterschänke: besinnlich, ausgerichtet auf die Wahrnehmung der Schöpfung und als Berg zum Innehalten, zum Nachdenken, zum Träumen und zum Beten. So präsentierten Regina Rinke und Pater Stanislaus Wentowski den Kreuzberg während einer gut zweistündigen Führung.

18 Stationen

"Es gibt kaum jemand, der den Kreuzberg so gut kennt wie Regina Rinke", sagte Pater Stanislaus den Teilnehmern, denen sich auch der Guardian des Klosters, Pater Martin Domogalla, angeschlossen hatte. "Ich war 1955 das erste Mal auf dem Kreuzberg - und ich kenne noch immer nicht alles, ich finde noch immer neue Ecken und Fleckchen. Man kann den Berg nie ganz erobern", sagte Rinke.

18 besondere Stationen haben Regina Rinke und Pater Stanislaus ausgewählt, Stationen, die zum Verweilen und zum Nachsinnen einladen. "Ich möchte ihnen den Kreuzberg mal aus ganz anderer Sicht zeigen." Viel sei die heutige Ehrenpräsidentin des Rhönklubs in der Rhön herumgekommen. Und immer wieder habe sie sich Negatives über den Kreuzberg anhören müssen, dass es nur ums Bier und ums Vergnügen gehe.

"Das hat mich auf die Idee gebracht, den Kreuzberg mal ganz anders zu erwandern, aus weltlicher und spiritueller Sicht. Es ist eine Wanderung, um zur Ruhe zu kommen, um sich selbst zu bremsen und auf die kleinen Dinge am Wegesrand zu achten, die sonst unbeachtet bleiben würden." Für jede Station hatte Regina Rinke ein Gebet vorbereitet, das jeweils von einem der Teilnehmer vorgetragen wurde. Die Tour begann an der Mariengrotte oberhalb des heutigen Café Elisäus.

"Sie legt Zeugnis ab von der tief verwurzelten Volksfrömmigkeit der Rhöner Bevölkerung." Der Weg führte steil durch den Wald. Fast 900 Meter über dem Meeresspiegel trotzen die Bäume allen Wettern, die der Rhön den Titel "raue Rhön" einbrachten. Kaum aus dem Wald heraus, tauchte links vom Weg eine Basaltblockschutthalde auf.

Solche Halden gehören zu den geologischen Besonderheiten der Rhön. Entstanden sind sie vor 23 Millionen Jahren. Dann endlich war die weite Hochfläche erreicht. "Gipfelfrieden" nannte Regina Rinke diesen Platz abseits vom Wanderweg. "Obwohl der Kreuzberg jährlich von bis zu 800.000 Gästen besucht wird, ist es durchaus möglich, hier auf dem Plateau streckenweise ganz allein wandern zu können."

Zentraler Punkt auf dem Kreuzberg ist die Kreuzigungsgruppe, das wohl am meisten fotografierte Motiv, nicht nur auf dem Heiligen Berg der Franken, sondern in der gesamten Rhön. Kündet das Kreuz vom christlichen Glauben der Rhöner Bevölkerung, so steht der Sender für Kommunikation zwischen den Menschen der modernen Zeit. Der 208 Meter hohe Sendemast stammt aus dem Jahr 1986/87.

Der frühere Name "Asenberg" (Götterberg) weise bereits darauf hin, dass der Kreuzberg in alter Zeit eine vorchristliche Kultstätte war. Auf dem Gipfel ist noch heute der Rest einer keltischen Ringwallanlage (Durchmesser 300 Meter) erkennbar. In unmittelbarer Nähe befindet sich der über 300 Jahre alte Kreuzweg, der den Leidensweg Jesus nachzeichnet.

Die Entfernungen zwischen den einzelnen Stationen sind dem Weg Jesu durch Jerusalem genau nachgemessen. Von der Verurteilung durch Pilatus bis zum Tod am Kreuz sind es genau 1361 Schritte.