Die Wallfahrt zum Kreuzberg hat eine lange Tradition. Bereits Mitte des 17. Jahrhunderts waren die ersten Pilgergruppen unterwegs, um am "Heiligen Berg der Franken" um Fürsprache für ihre Sorgen und Nöte zu bitten. Dieser Trend hat sich in den darauffolgenden Jahrhunderten in veränderter Intensität fortgesetzt, im Moment kann man sogar davon sprechen, dass die Wallfahrten eine Renaissance ungeahnten Ausmaßes erleben.
Verantwortlich dafür scheint zu sein, dass man in einer immer schnelleren Welt, die oft nur dem Konsum und schnellen Vergnügen frönt, nach einer tief-frommen Alternative zu suchen, die Antwort auf die wirklich wichtigen Fragen des Lebens gibt.

Regelmäßig zum Kreuzberg unterwegs ist auch die "Bruderschaft vom Heiligen Kreuz" aus Würzburg. Dabei kommt sie zweimal in Burkardroth vorbei - einmal auf dem Hinweg, einmal auf dem Rückweg. Am Mittwoch machte sie bereits hier Rast und wurde dabei vom Pfarrgemeinderat im Pfarrheim verköstigt. Am Donnerstag Abend kamen die Pilger auf dem Rückweg erneut vorbei. Die rund 530 Wallfahrer besuchten kurz die Kirche in Burkardroth, um dann ihre Quartiere zu beziehen.


Mit Freude dabei

Seit zehn Jahren betreut Alfred Saam aus Zahlbach die Wallfahrer bei ihrer Rast und kümmert sich darum, dass Quartiere in ausreichender Zahl zur Verfügung stehen. "Hier bei uns in Burkardroth treffen sich viele Wallfahrer, die zum Kreuzberg unterwegs sind. Kommen sie nun aus Aura, Oberthulba, Poppenroth oder von weiter her - meistens sind sie hier bei uns und machen Rast oder übernachten auch hier", sagt Saam. Ihm macht die Arbeit sehr viel Freude, auch wenn dies bedeutet, dass es immer etwas zu tun gibt. "Man muss im Vorfeld die Bewohner des Marktes fragen, ob sie wieder Pilger aufnehmen. Dies ist meist kein Problem, da die meisten schon seit vielen Jahren regelmäßig die Wallfahrer bei sich daheim übernachten lassen", freut sich Saam.

In Zukunft könnte dies allerdings schwieriger werden. "Die Jüngeren haben oft kleinere Häuser, so dass sich die Unterkunftfrage in Zukunft wohl verschärfen wird", fürchtet Saam. Ein Problem sei auch, dass es in Burkardroth keine Gastwirtschaften mehr gebe - wichtige Quartiere fielen so weg.

Da trifft es sich in diesem Jahr gut, dass viele Pilger auch an der Kissinger Hütte eine Unterkunft gefunden haben. Mit Bussen wurden sie dorthin gebracht, am nächsten Tag wieder abgeholt. "Am Freitag morgen findet dann um 5 Uhr ein Gottesdienst statt, um 6 Uhr macht man sich dann auf die Rückreise nach Würzburg, weiß Saam zu berichten. Auch Pfarrvikar Tobias Fuchs kam auf der Wallfahrt von Würzburg erstmals mit Burkardroth in Kontakt und war über die Gastfreundlichkeit der Burkardröther schon damals begeistert.


Es gehört einfach dazu

Lioba Schmitt aus Burkardroth ist eine von vielen, die die Pilger seit Jahren aufnimmt. Sie macht es gerne, der Aufwand dabei halte sich in Grenzen. "Seit 15 bis 20 Jahren nehme ich regelmäßig zwischen drei und vier Wallfahrer auf", sagt Lioba Schmitt. Für sie gehört es einfach dazu, mitzuhelfen, dass die Wallfahrer sich hier wohlfühlen. Rund ein Vierteljahr vor der Wallfahrt wird sie von Alfred Saam kontaktiert, ob sie wieder Pilger aufnimmt - Lioba Schmitt sagt dann natürlich ja. Für sie und ihre Familie hat das schon Tradition. Auch ihre Mutter und ihre Schwester bieten Unterkünfte an. "Diese Tradition wird in der Familie weitergegeben", meint sie. Dabei ist das Quartier kostenlos, die Pilger lassen aber immer etwas Geld da. Diskret wird beim Frühstück etwas unter den Teller gelegt.

So erhalten die Hausherrn auch einen kleinen Ausgleich, der aber für sie nicht im Vordergrund steht. "Wir freuen uns einfach, Wallfahrer aufnehmen zu können" teilt Schmitt die Meinung vieler Gastfamilien. Auch im nächsten Jahr will sie wieder Pilger bei sich aufnehmen - im Markt Burkardroth gehört dies einfach dazu. Alle Ortsteile helfen dabei mit. Und so ist die Unterkunft für die Würzburger Wallfahrer auch in Zukunft gesichert.