Die roten Plakate im Fenster des Hammelburger IhrPlatzes am Marktplatz verkünden es: "Wir schließen. Vielen Dank für ihre langjährige Treue." Als Dank für die Kunden gibt es ab sofort in 358 XL-Schlecker- und 367 IhrPlatz-Märkten 30 Prozent auf das gesamte Sortiment, auf Einzelartikel sogar 50 Prozent.
Wann der IhrPlatz genau schließt, wissen die sieben Mitarbeiterinnen nicht und auch nicht, was mit ihnen geschieht. Phillip Kübber, Pressevertreter bei Schlecker, geht auf Anfrage der Saale-Zeitung sogar soweit: "Ich kann nicht sagen, ob der Markt überhaupt schließt". Zwar sei sicher, dass die Marke IhrPlatz verschwindet. Aber eventuell übernehme ein neuer Interessent die Hammelburger Filiale. Es gebe eine Handvoll Interessenten, darunter seit neuestem auch die dm-Drogeriekette, für verschiedene Standorte. Ob Hammelburg dazu zählt, kann er nicht sagen. "Aber wenn dm sich nicht hier ansiedelt gibt es wahrscheinlich keinen Drogeriemarkt mehr", sagt er. Das gilt dann zumindest für die Innenstadt.
Den Mitarbeitern von IhrPlatz wurde noch nicht gekündigt, in der Hoffnung, dass sie von einem Interessenten übernommen werden. Mit Ausnahme von Rossmann hat jedoch keiner der Käufer oder Interessenten angekündigt, vorhandene Warenbestände aus den IhrPlatz-Märkten zu übernehmen. Deshalb hat Insolvenzverwalter Werner Schneider entschieden, den Ausverkauf flächendeckend zu starten. So steht es in der offiziellen Pressemitteilung.
Derzeit werden die IhrPlatz-Mitarbeiter laut Kübber voll bezahlt - auch die Überstunden, die im Moment anfallen. "Im schlimmsten Fall kümmert sich der Insolvenzverwalter um eine sozialverträgliche Lösung", beteuert Kübber. Kübber versichert, dass man "die Interessen der Mitarbeiter und der Gläubiger befriedigen" wolle. Die XL-Schlecker-Märkte schließen im August. Kübber geht davon aus, dass die Regale sich im August so leeren, dass am Monatsende auch IhrPlatz schließt.
Das Haus am Marktplatz 2 in Hammelburg war das "braune Haus" der Stadt von 1928 - 1945: Parteizentrale der NSDAP seit Ostern 1928 (Quelle: Hammelburger Zeitung, 19. April 1928) bis 7. April 1945. Die "reinarische" und überzeugt nationalsozialistische Firma E. Pfeiffer erwarb 1936 das "braune Haus" am Marktplatz 2, nachdem E. Pfeiffer die Lager- und Warenbestände der zwangsarisierten jüdischen Geschäfte der Baubranche, Adolf Nussbaum und Siegfried Schuster, übernommen hatte. Ein ziemlich dunkles Kapitel der lokalen NS-Zeit verbirgt sich im Haus am Marktplatz 2 in Hammelburg.