Eine Show braucht einen großen Vorhang und eine große Treppe. Dass der Rossini-Saal Ersteren hat, hatte man fast vergessen, aber er macht was her, wenn er so langsam aufgeht. Und die Treppe - na ja - sie war ein bisschen schmal. Sie reichte aber, um mit langer Schleppe hinaufzuschreiten auf die Bühne und Ausflüge in den Zuschauerraum zu machen. Oder um einem der Herren in den ersten Reihen Hand oder Kopf zu kraulen oder einer Dame Angenehmes ins Ohr zu flüstern. Und so zu erinnern an die Revue-Theater Berlins und Paris'. Das taten "Les Accordés" (die aufeinander Abgestimmten) mit der Chansonrevue "Drei in einer großen Stadt".


Yvonne Grünwald im Mittelpunkt

Nicht ganz zufällig ist wohl der Name des Trios aus Berlin, denn im Zentrum ihrer Musik steht Yvonne Grünwald mit ihrem Akkordeon. Sie setzt sich aber auch mal ans Klavier, ebenso wie die Sopranistin der Gruppe, Teresa Hoerl. Als Chanson-Bariton gehört Christophe Villa zu dem Trio, der eigentlich Countertenor ist, aber mit Hingabe die Chansons seines Heimatlandes und die frechen Couplets seines Nachbarlandes Deutschland singt. Alle drei sind Absolventen der renommierten Berliner Hochschule für Musik Hanns Eisler und treten auch als Klassik-Trio auf, was man ihnen nicht selten anhört. Ihre exzellent ausgebildeten Stimmen konnten Teresa Hoerl in allen Sopranlagen und Christophe Villa vor allem als Counter immer wieder zeigen in ihrem vor allem dem Thema "Liebe" gewidmeten Programm.


Von den Zwanzigern bis heute

Die Auswahl war groß, aber das Trio wollte noch mehr: Sein Programm erinnerte auch an die berühmtesten französischen und deutschen Chansons und Schlager von den Zwanzigern bis in unsere Tage, vom witzigen Foxtrott "Es geht die Lou lila", bis Françoise Hardys "Tout les garçons et les filles" oder Charles Aznavours "La Bohème" bis zu Patrick Bruels "Mon amant de Saint Jean". Und sie trafen punktgenau die Erwartungen ihres Publikums. Meist fröhlich ging es im ersten Teil zu. Natürlich gehörten dazu die Hits der "Comedian Harmonists". Auch Marlene Dietrichs "Ich bin von Kopf bis Fuß auf Liebe eingestellt" sang Hoerl im passenden Kostüm sehr viel vollendeter, vielleicht nicht ganz so sexy wie weiland Marlene. Beide Sänger mimten mit viel Gusto ein kleines Eifersuchtsdrama, das mit Villas Huldigung der wilden "Isabella von Kastilien" begann und in einem Tango der Sänger eskalierte. Edith Piafs "Je ne regrette rien" beschloss den turbulenten ersten Teil; im zweiten spielten Paris und französische Chansons eine noch gewichtigere Rolle.


Schwingende Melodien

Und Grünwald konnte mit einer solistisch gespielten spritzigen Musette, der Akkordeonmusik, die man mit Paris verbindet, zeigen, wie schwer diese so leicht klingenden und schwingenden Melodien zu spielen sind. Um immer mal daran zu erinnern, dass nicht alles, was mit "Liebe" zu tun hat, eitel Glück und Sonnenschein und harmlos und nett ist, streute Teresa Hoerl in all das Gejauchze von Anfang an kleine Sprechszenen. Sie rezitierte wie ihre sonstigen Einlagen mit viel schauspielerischem Talent, toller Sprechkultur und großer Überzeugungskraft. So kurz vor Schluss waren diese realistisch-unromantischen Blicke auf die schwierige Beziehung genannt Liebe mutig und mit Jacques Prels "Ne me quitte pas", erinnerte Villa in seinem Vortrag mit großer innerer Beteiligung an die Leiden der Liebeslust.


Leander-Klassiker

Bevor die Stimmung jedoch kippen konnte, reanimierte Mireille Mathieus "Die Welt ist schön, Milord" die Zuschauer zum Mitklatschen und dem Eintritt in die Schlussrunde mit Zarah Leanders "Sag nicht Adieu, sag nur Auf Wiedersehn!"


Hommage an Kurgast Rossini

Mit der dritten und letzten Zugabe erinnerten sie an Gioachino Rossini, der ja als Kurgast in Bad Kissingen geweilt habe, mit dessen Katzenduett auf den schönen Text: "Miau". Das rundum begeisterte Publikum feierte das Trio mit viel Applaus und vielen Bravos.