Seine "nachhaltige Tourismus-Tour" mit Bahn und Fahrrad führte Christian Zwanziger, den Sprecher für Landesentwicklung und Tourismus der Grünen im Bayerischen Landtag, in diesem Jahr durch Franken. Eines der Ziele war Bad Bocklet. Dort informierte sich Christian Zwanziger über die aktuelle Lage und die zukünftigen Chancen, wie in einer Pressemitteilung des Kreisvorstands Bundnis 90/Die Grünen, Kreisverband Bad Kissingen, deutlich wurde. Begleitet wurde der Erlanger Abgeordnete Zwanziger von seiner unterfränkischen Landtagskollegin Kerstin Celina, der Bad Kissinger Kreisvorsitzenden Petra Winter sowie Antje Kopp, Martin Eisenmann und Martina Faber, die die Grünen im Marktgemeinderat Bad Bocklet vertreten.

Die Anreise erfolgte mit dem Zug nach Bad Kissingen und von dort aus mit dem Fahrrad nach Bad Bocklet. Eine Anreise mit Bus und Bahn wäre aber auch nicht einfacher gewesen, kommentierte die Grünen-Kreisvorsitzende Petra Winter. Für die Landtagsabgeordneten war die Anreise mit Fahrrädern im Zug der Erfurter Bahn problemlos und komfortabel, aber um das zu nutzen, bräuchte man ein wesentlich besseres Busangebot zum Bahnhof in Bad Kissingen, als auch sichere Radabstellmöglichkeiten, sagte Celina. Entscheidend für die persönliche Wahl zwischen Zug und Auto für die gesamte Reise seien schließlich meist die letzten zehn Kilometer.

"Die wenigsten Hotels bieten Shuttleservice an, und es ist auch nicht Aufgabe der Hotels in einem Ort mit einem Staatsbad, das zu tun, sondern der ÖPNV muss in der Region insgesamt gut aufgestellt sein und zwar für Einheimische und Touristen gleichermaßen", stellte die sozialpolitische Sprecherin der Grünen-Landtagsfraktion fest. "Dann profitieren alle, auch diejenigen, die durch den An- und Abreiseverkehr durch ihre Wohnorte und Straßen genervt sind."

Das Thema "fehlender öffentlicher Nahverkehr" ist eine der zentralen Herausforderungen für Bad Bocklet, von denen Kurdirektor Thomas Beck im Gespräch mit den Grünen berichtete. Die Kurgäste wollten vor Ort mobil sein, das Kulturangebot von Bad Kissingen nutzen oder in die Hochrhön fahren. Der Busverkehr in der Region sei allerdings so mangelhaft, dass man etwa von einem abendlichen Konzert in Bad Kissingen nicht mehr problemlos zurück nach Bad Bocklet komme. Um die Gäste ganzjährig begeistern zu können, seien ein besserer ÖPNV und ein besseres Radwegenetz dringend notwendig, so Beck.

Bad Bocklet könne als kleinstes bayerisches Staatsbad, - ein "Dorf mit Kurgarten" wie ein Einheimischer scherzte - nur im Verbund unter der Marke "Bäderlandkreis" mit den anderen Kurorten der Region Bad Kissingen und Bad Brückenau bestehen. Ein Ergebnis dieser engen Kooperation sei das Gästeticket, mit dem die Kurgäste kostenfrei im ganzen Landkreis die Busse nutzen können. "Ein tolles Beispiel, wie Kooperation statt Kirchturmdenken den regionalen Tourismus weiterbringt", freute sich Christian Zwanziger.

Als Herausforderung beschreiben sowohl Thomas Beck, als auch der Geschäftsführer des Kurhaushotels, Bastian Graber die strukturellen Veränderungen: Es werde zunehmend auf Präventionsangebote gesetzt, die der Gast selbst zahlt. Die Aufenthaltsdauer der Gäste und auch das Angebot hätten sich geändert - während früher die Gäste bis zu sechs Wochen blieben, seien mittlerweile Kurzaufenthalte von zwei bis drei Tagen üblich.

Es sei in den letzten Jahren einiges investiert worden , sodass Bad Bocklet und der Bäderlandkreis gut aufgestellt seien, erklärte Beck. Im Bereich Marketing setze man zunehmend und professioneller auf das Internet und Social Media, um neue Zielgruppen zu erschließen.