Diesen Rucksack trägt keiner. Er darf bei Terminen auf dem Beifahrersitz des Landratsamtpersonals mitfahren. Doch das hat einen Grund: Er ist ausgestattet mit drei Handys, die im Landkreis den Empfang messen sollen, sowie einem mobilen Akku. Eines der Handys hat eine Telekom-Simkarte, eines die von Vodafone und das dritte empfängt das O2-Netz von Telefónica.

Hartmut Vierle hat den Rucksack zusammengestellt und plant, bei welchem Kollegen er wohin mitfährt . Der Fachinformatiker arbeitete zuvor im Zentrum für Telemedizin (Bad Kissingen) und hat Anfang des Jahres seine Arbeit im Landratsamt begonnen. Die Stelle, die der Auraer dort besetzt, soll den Ausbau der Breitband- und der Mobilfunkversorgung im Landkreis vorantreiben. Dabei steht er den Kommunen und Städten als fachliche Beratung zur Seite.

Vierle hat im Auftrag der Kommunen "bereits mehrere Standorte in Zusammenarbeit mit den Netzbetreibern erkundet und für den weiteren Ausbau festgelegt." Am 17. Juli hatte Vierle den Bürgermeistern den Mobilfunk-Messrucksack vorgestellt. Die drei Handys darin erfassen permanent die Netzverfügbarkeit und Signalqualität aller drei großen Anbieter und zeichnen sie auf.

Empfang messen per App

"Er fährt bei Dienstfahrten der Beschäftigten des Landkreises als ‘stiller Kollege' auf dem Beifahrersitz mit." So bekommen die drei Mobiltelefone ohne zusätzlichen Aufwand oder Kosten eine große Flächenabdeckung. Die gewonnenen Messdaten sind auf www.cellmapper.net dargestellt und für jeden einsehbar (siehe Infokasten).

Wer mit seinem Handy selbst Empfang messen und damit die Karte erweitern möchte, kann die App auf sein Android-Gerät herunterladen und bei Spaziergängen oder kurzen Fahrten anschalten. So könne jeder seinen Beitrag dazu leisten.

Der Rucksack liefert die praktisch erhobenen und sehr fein gegliederten Daten über die Empfangssituation, wie sie die Bevölkerung ebenso auf ihrem Handy empfängt. Denn die Netzkarten der Betreiber hätten ein gröberes Raster und seien sehr theoretisch. "Ich habe so eine konkrete Datenbasis, mit der ich arbeiten kann", sagt der Fachinformatiker. "Damit kann ich zu den Netzbetreibern gehen. So lassen sich Standorte für neue Funkzellen besser auswählen."

Große Unterschiede

Allgemein bezeichnet Vierle die Mobilfunkversorgung im Landkreis größtenteils gut bis sehr gut. Ob Handynutzer in der Region Empfang hätten, sei zum einen aber vom Gelände abhängig, in dem sie sich befinden, und ob sie von Gebäuden umgeben sind. Zum anderen sei es der Netzbetreiber. Zwischen denen sieht er große Qualitätsunterschiede. "Jeder kann sich auf der Karte ein Bild machen, wie die Versorgung am eigenen Wohnort ist und danach dann seinen Anbieter auswählen."

Laut Vierle seien das Stadtgebiet von Bad Kissingen, Bad Brückenau und Hammelburg am besten versorgt, ebenso wie die Gemeinden entlang der Autobahnen. Dort sei 4G der dominante Standard. "3G wird nach und nach technologisch "in Rente geschickt" und dessen Frequenzbereich durch 4G und 5G weiter genutzt. 2G bleibt als Rückfalloption bei allen Sendeanlagen bestehen", sagt Vierle weiter.

Ein Netzbetreiber habe schon an mehreren Standorten 5G aktiviert, ein weiterer Anbieter folge damit in Kürze und ein dritter erweitere ebenso noch in 2020 sein 2G/3G-Netz um 4G/5G-Dienste. Zudem sollen bald Glasfaserkabel die Funkzellen versorgen, was die Datenübertragung erhöht und beschleunigt.

Große Investitionen

Aus Vierles Sicht geht es Netztechnisch bergauf: "Zur Zeit gibt es im Kreis große Investitionen aller Netzbetreiber, welche eigenwirtschaftlich mehrere Dutzend Bestandsstandorte aufrüsten oder neue Masten errichten." Die Anzahl an Bauvorhaben sei in den letzten Monaten stark angewachsen.

"Sogar Heiligkreuz und Heckmühle, kleine Ortsteile der Gemeinde Wartmannsroth , bekommen in absehbarer Zeit eine Funknetzversorgung durch mindestens einen Anbieter" sagt Vierle weiter. Die Ortschaften waren wegen ihrer eingeschnittenen Tallage seit jeher sogenannte weiße Flecken. Den Ausbau ermögliche das bayerische Mobilfunk-Förderprogramm.

Standorte für Masten zu finden und zu genehmigen laufe in der Regel ohne Probleme ab. Er kritisiert jedoch: "Leider ist in der Bevölkerung die Annahme noch weit verbreitet, dass ein Mobilfunkmast nur dann gut ist, wenn dieser möglichst weit weg von Orten und Verkehrswegen errichtet wird." Genau das Gegenteil sei richtig: Bei schlechtem Empfang müsse ein Mobiltelefon viel mehr Sendeleistung aufwenden, um die Verbindung zum Mast aufrecht zu erhalten. Und dennoch würden Telefonate unterbrochen und Daten nur schlecht übertragen. "Nahe gelegene Antennen kann das Handy im energiesparenden minimalen Sendemodus bei hoher Sprachqualität und hoher Bandbreite erreichen."

Was die Bürgermeister der Gemeinden über den Netzausbau sagen, lesen Sie auf Seite xx