Beim Blick auf die Inzidenzkurven könnte es einem wie in der Achterbahn schwindlig werden, so schnell, wie die sich gerade nach unten bewegt. Für eine Personengruppe sind die Folgen der immer geringer werdenden Ansteckungen mit dem Covid-Virus besonders überraschend: die Künstler. Standen sie monatelang vor leeren Terminkalender, sind die nun mit einem Schlag wieder voll. Wie bei Matthias Egersdörfer. Der mufflige Mittelfranke, bekannt aus dem Nürnberger "Tatort", steht am 25. Juni in Münnerstadt auf der Bühne. Und auch am Kissinger Sommer wird gebastelt - mit einer Überraschung.

"Herr Söder hat ja überwiesen"

"Nachrichten aus dem Hinterhaus" nennt sich Matthias Egersdörfers Programm. Wenn er aus seinen eigenen Erfahrungen schöpfen sollte, dann dürfte sich auch sein Leben in den letzten Monaten eher in Hinterhäusern und sehr zurückgezogen dargestellt haben. Auftritte? So gut wie keine. Matthias Egersdörfer: "Die Pause war so lang, dass ich vollkommen überrascht bin, wieder arbeiten zu dürfen. Ich fühle mich wie nach einem ganz langen Urlaub." Wobei Urlaub bei den meisten Menschen bedeutet, dass der Lohn weitergezahlt wird. Natürlich läuft das bei Selbständigen anders. "Ich bin über die Runden gekommen. Die Frau hat einen Job angefangen, sie kriegt immer Geld überwiesen. Und Herr Söder hat mir ja auch großzügigerweise etwas überwiesen." Ob er sich beim Ministerpräsidenten bedanken möchte? "Die Frage würde ich gern unbeantwortet lassen", sagt der 51-Jährige.

"Das macht mürbe"

Die Corona-Zeit war für alle Künstler eine Hängepartie, auch für den Mann, der im Franken-Tatort so herrlich unverstellt als Pathologe fränkelt. "Jetzt ist der Terminkalender wieder voll, aber davor konnte es sogar sein, dass eine Woche vor dem Auftritt doch wieder alles abgesagt worden ist." Diese ständige Hängepartie, dieses Nichtwissen, ob im nächsten Monat Geld reinkommt, "das macht mürbe".

Und auch die Feststellung, dass Unterhaltung der Gesellschaft in der Krise nicht zählt. "Für die Politik waren wir überflüssig. Wir waren wie die Kirsche auf der Sahne eines Eisbechers - auf die Kirsche haben sie verzichtet." Die Künstler als Fallobst, "wir hatten keine Priorität".

Für viele Bürgermeister oder Kulturverantwortliche im Landkreis war das ein bekanntes Problem, nur: Viele wussten nicht, wie sie es lösen sollten. Darunter Michael Kastl, Münnerstadts Bürgermeister. Der hatte im vergangenen Jahr schon Großes vor - und dann kam die Pandemie. "Unsere Kulturverantwortlichen, Kilian Düring und Nicolas Zenzen, haben die in den 1980er Jahren beliebte ,akzente"-Kulturveranstaltung wiederbelebt." Das hieß, zumindest Ende letzten Jahres: Die Münnerstädter hätten sich auf ein wirklich reichhaltiges Programm für 2021 freuen können. Die Kabarettisten Michael Altinger, Bernd Regenauer, Wolfgang Krebs, Matthias Egersdörfer, das Duo Suchtpotenzial - sie und noch mehr wären in Münnerstadt aufgetreten. Wegen der Pandemie und den Auflagen, mit denen sie eingedämmt wurde, musste einigen Künstlern abgesagt werden, andere konnten in den Herbst verschoben werden. "Dass Matthias Egersdörfer jetzt ,akzente21" verspätet eröffnet, macht mich glücklich."

Zu gerne hätte er als Bürgermeister den Kabarett-Fans aus dem Landkreis mehr geboten, "aber mit Corona ging das einfach nicht. Und das hat mir nicht nur für die Menschen leid getan, die keine Unterhaltung mehr hatten, sondern auch für die Künstlerinnen und Künstler. Es muss sehr schwer für jeden einzelnen gewesen sein, diese Monate der Unsicherheit - und das ohne geregeltes Einkommen - durchzustehen."

"Rakozyfest wird ruhiger"

Auch für Bad Kissingen war und ist die Pandemie eine Herausforderung - und zwar eine, der sie sich gestellt hat. Oberbürgermeister Dirk Vogel (SPD): "Was haben Städte wie Aichach, Bad Mergentheim, Memmingen oder Duisburg gemeinsam? Sie haben ihr Stadtfest für 2021 schon abgesagt. Wir haben es uns nicht so einfach gemacht. Das Rakozyfest wird ruhiger und bescheidener als ,Historische Begegnungen am Rakozyfestwochende' stattfinden. Kein Gassenfest, aber eine würdige Hommage an unser großes Fest."

Live-Übertragung im Luitpoldbad

Den Kissinger-Sommer hat die Stadt schon letztes Jahr coronafest konzipiert. "Wir legen unter dem Motto Sommerfrische eine Schippe drauf: Wir übertragen den Kissinger Sommer erstmals in den öffentlichen Raum in den Innenhof des Luitpoldbads. Für ein geringes Eintrittsgeld können alle an der frischen Luft im einzigartigen Ambiente live aus dem Konzertsaal den Weltstars beiwohnen." Der Multimedia-Brunnen werde auch eine Rolle spielen. "Im idyllischen Ambiente des Rosengartens werden Konzertauszüge präsentiert. So können mehr Menschen denn je an diesem kulturellen Hochereignis teilhaben.

Karten für Matthias Egersdörfer: Touristen-Information Münnerstadt, Tel. 09733 787 482, info@muennerstadt.de