Der Doktor mit dem Händchen für Menschen

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Auch mit 72 Jahren ist Dr. med. Wolfgang Dachrodt noch mit viel Freude als Allgemeinmediziner tätig. Fotos: Björn Hein
Auch mit 72 Jahren ist Dr. med. Wolfgang Dachrodt noch mit viel Freude als Allgemeinmediziner tätig. Fotos: Björn Hein
Team: Christiane Tetzlaff, Janine Schoch, Tina Benisch, Dr. med. Wolfgang Dachrodt, Isabell Janke, Victoria Schaub, Edith Janotta
Team: Christiane Tetzlaff, Janine Schoch, Tina Benisch, Dr. med. Wolfgang Dachrodt, Isabell Janke, Victoria Schaub, Edith Janotta
 

Seit 40 Jahren ist Dr. Wolfgang Dachrodt Hausarzt. Das Interesse am Menschen kam mit der Liebe zur Musik.

Dr. med. Wolfgang Dachrodt kann sich noch ganz genau erinnern: Es war vor 40 Jahren am 16. Mai 1978, als er die Praxis von Dr. med. Richard Kirchner in Burkardroth übernahm. 1980 wechselte er dann in das Gebäude der Vereinsbank, wo er bis heute praktiziert. "Ich bin nach wie vor gerne Arzt, für mich gibt es nichts Schöneres, als Menschen helfen zu können", so Dachrodt, der auch mit 72 Jahren noch lange nicht daran denkt, die Praxis zu schließen. 40 Jahre sind eine lange Zeit, in der sich zahlreiche Kontakte entwickelt haben. Und immer noch ist er unermüdlich zu Hausbesuchen unterwegs.

Geboren wurde er am 8. November 1945 in Marne (Kreis Süderdithmarschen) in Schleswig-Holstein. Seine Mutter war ausgebildete Pianistin, sein Vater Jurist. Sehr früh schon fühlte sich Dachrodt zur Kunst und zur klassischen Musik hingezogen. 1951 ging er mit seinen Eltern nach Frankfurt, wo er das humanistische Heinrich-von-Gagern-Gymnasium besuchte und dort sein Abitur ablegte. Dann folgte die Zeit in der Bundeswehr, welche er als Leutnant verließ. "Eigentlich wollte ich Mikrobiologe oder Architekt werden. Allerdings fehlte mir bei diesen Berufen der Kontakt zu Menschen", so Dachrodt, der sehr künstlerisch und musikalisch erzogen wurde und Klavier und Kontrabass erlernte. 1#googleAds#100x100

Sehr sensibel und offen zeigte er sich auch für die Malerei. Und irgendwann war ihm klar, dass dies eine gute Voraussetzung ist, um Allgemeinmediziner zu werden. Denn schließlich kommt es hier auch darauf ein, sich in sein Gegenüber einzufinden. "In Gießen wurde ich dann zum Studium angenommen, von 2000 Bewerbern gelang dies nur 65", erinnert sich Dachrodt nicht ohne Stolz zurück. Seinem Professor imponierte vor allem das musische Talent und das Einfühlungsvermögen des angehenden Studenten, das ihn für den Beruf des Arztes prädestinierte. "Klar war für mich, dass ich Humanmedizin studieren wollte, da mir der Umgang mit Menschen sehr wichtig ist", sagt er.

Dabei hatte er aber auch immer ein Händchen für seine Haustiere, er züchtete als Kind Tauben und hatte sich der Aquaristik verschrieben. Seine Doktorarbeit hatte übrigens das Thema "Rheumaerkrankungen" zum Inhalt, das Medizinstudium erstreckte sich von 1967 bis 1974.
Seine erste Stelle als Assistenzarzt trat er in Bad Nauheim an, wo er auch die Doktorarbeit schrieb. Weitere Assistenzarztstellen führten ihn nach Bad Neustadt, ins Kreiskrankenhaus nach Leutkirch ins Allgäu, bis er im Elisabeth-Krankenhaus in Bad Kissingen seine Facharztprüfung für Allgemeinmedizin ablegte. "Mir war von Anfang an klar, dass ich einmal in einem Dorf leben will", so Dachrodt, weshalb er auch die Praxis von Richard Kirchner in Burkardroth übernahm. Seinen Traum vom Dorfleben hat er sich wahr gemacht, er wohnt in Zahlbach und schätzt das ländliche Umfeld hier sehr. "Jeder ist für jeden da, alle sind freundlich und sehr hilfsbereit", schwärmt er. "Ich könnte mir nicht mehr vorstellen, in eine Großstadt zu ziehen".

Natürlich ist der Beruf als Allgemeinmediziner oft mit Stress verbunden. Zum Ausgleich entspannt sich Dr. Dachrodt deshalb sehr gerne in seinem Garten, wobei es ihm ihm vor allem die Blumen angetan haben. Mit Leidenschaft widmet er sich aber auch seinen Flugzeugmodellen und seiner Miniatureisenbahn - wenn er nicht gerade Klavier spielt. Die Liebe zur klassischen Musik hat er sich bis heute erhalten.

"Mein Beruf macht mir immer noch sehr viel Freude", schwärmt er. Sechs Arzthelferinnen bilden sein Team, wobei eine von ihnen bereits seit 21 Jahren in der Praxis mitarbeitet. "Wir sind ein sehr harmonisches Team, wodurch die Arbeit umso angenehmer ist", sagt Dachrodt.

Doch es gibt auch einige Dinge, die dem Hausarzt nicht so sehr gefallen. So nimmt seiner Meinung nach der Bürokratismus überhand - die Zeit, die hier vergeudet wird, wäre in seinen Augen bei der Behandlung der Patienten besser angelegt. "Sehr froh bin ich, dass ich seit ich 65 Jahre alt geworden bin, keinen Bereitschaftsdienst mehr machen muss. So kann ich mich mehr um meine Hobbys kümmern", sagt er.

Das Einzugsgebiet seiner Praxis geht von Bad Kissingen bis in die tiefe Rhön, über einen Mangel an Patienten kann er sich nicht beklagen. "Die Patienten schätzen neben der guten Behandlung auch die nette und zuvorkommende Atmosphäre sowie den freundlichen Umgang", hat er die Erfahrung gemacht.

Zur Feier des 40-jährigen Praxisjubiläums waren natürlich zahlreiche Gratulanten vor Ort. Auch Gemeinderäte und Bürgermeister Waldemar Bug hatten sich an diesem Tag in der Praxis eingefunden. Nach all den Jahren denkt Wolfgang Dachrodt immer noch nicht ans Aufhören. "Ich bin stolz auf mein nettes Team, das mir stets freundlich und hilfsbereit zur Seite steht. Die Arbeit als Allgemeinmediziner macht mir immer noch sehr viel Spaß. Ich will so lange weitermachen, wie es geht", so Dachrodt, für den sein Beruf eine echte Berufung ist.