Er brachte es auf den Punkt. Vizepräsident Bernd Müller-Strauß sagte zur Begrüßung: "Die Heidelsteinfeier hat eine große Tradition und gehört zu den Höhepunkten im Veranstaltungskalender des Vereins." Allerdings werde die Gedenkfeier zur Erinnerung an verstorbene Rhönklub-Mitglieder immer wieder als "altbacken und nicht mehr zeitgemäß" bezeichnet. Die Teilnehmerzahlen nehmen ab, die Jugend fehle. Für ihn selbst jedoch und viele andere Wanderfreunde, so bekräftigte Müller-Strauß, bedeute die Heidelsteinfeier vor allem eines: Gelebte Begegnung. Und diese Erfahrung müsse der Rhönklub weitergeben.
Die Rhönklub-Mitglieder aus Wildflecken und Oberbach geben ein gutes Beispiel. Auch heuer machten sie sich wieder auf den Weg zum Heidelstein mit ihren Wanderführern Ottmar Bohn aus Wildflecken und Hellmut Rüttiger aus Oberbach. Bohn kommt seit mindestens 30 Jahren zur Heidelsteinfeier. "Ich kann mich nicht erinnern, bei einer Heidelsteinfeier gefehlt zu haben. Es ist das Zugehörigkeitsgefühl und das Gedenken für die Verstorbenen", begründet Bohn, warum er schon so lange dabei ist.

Neue Aufgaben warten


Josef Gründl aus Oberelsbach blickt schon auf 54 Wanderungen zur Gedenkfeier zurück. Jedes Jahr führt er Gruppen über den Basaltsee hinauf zum Heidelstein. "Ich hoffe, dass ich im nächsten Jahr die 55 voll mache", sagt Gründl. Er nennt die Heidelsteinfeier seine persönliche Tradition. "Hier treffe ich Rhönklub-Freunde aus der Umgebung. Das ist für mich das Wichtigste."
Rhönklub-Präsident Ewald Klüber und Vizepräsident Bernd Müller-Strauß legten zum Totengedenken einen Kranz nieder. 266 verstorbene Rhönklub-Mitglieder kamen seit der Heidelsteinfeier im vergangenen Jahr hinzu, um die nun getrauert wird. Rhönklub-Präsident Klüber verwies auf ein bekanntes Zitat: "Tradition bedeutet nicht Bewahren der Asche, sondern Weitergeben des Feuers." Doch weitergegeben werden könne nur das, was persönlich wertvoll und wichtig sei. Und noch etwas hob Klüber hervor, nämlich dass es beides brauche, die "Weitergeber" genauso wie die "Empfänger" der Tradition. Der Rhönklub jedenfalls trage dazu bei, dass Heimatpflege, Wahrung und Förderung der heimatlichen Kultur in der Gesellschaft als wichtig und erhaltenswert erachtet werden.
"Tradition ist das kulturelle Erbe, das von einer Generation zur nächsten weiter gegeben wird", drückte es der Hauptkulturwart Jürgen Reinhardt aus. Während der Gründungsauftrag des Rhönklubs lautete, das unwegsame Gebirge zu erschließen, stehe heute der Umweltschutz im Mittelpunkt. "Unser Bestreben soll ein sich Hinwenden und Öffnen für diese neuen Aufgaben sein", sagte Reinhard und zitierte abschließend George Bernard Shaw: "Tradition ist eine Laterne. Der Dumme hält sich daran fest, aber dem Klugen leuchtet sie den Weg."