Es ist ein Experiment, das neugierig macht. Oder anders gesagt: Mehr musikalische Romantik geht nicht. Wobei Romantik hier nicht überzuckerte Liebestümelei meint, sondern die Begegnung von Musik und Natur, von Liturgischem und Weltlichem. Nach den vielen Absagen und Unabwägbarkeiten durch die Coronakrise kann der Gesangverein Garitz endlich wieder durchstarten. Am Samstag, 29. Oktober, lädt er um 19.30 Uhr zu einem Konzert mit einem ebenso überraschenden wie spannenden Programm in den Max-Littmann-Saal.

Dabei sind auch die Parforcehorngruppe des Jägervereins Bad Kissingen unter der Leitung von Hornmeister Reiner Kloss, die Mezzosopranistin Larissa Desch und die Pianistin Dora Kalikhman. Die musikalische Gesamtleitung und Moderation übernimmt der Chef des Chores, Kammersänger Guy Ramon.

Schubert und die Hubertusmesse

Das Konzert gliedert sich in zwei Teile. Im ersten erklingen die Deutsche Messe D 872 von Franz Schubert in der Fassung für Männerchor und Klavier im Wechsel mit einer Hubertusmesse für Parforcehörner. Dieser Teil endet mit dem gemeinsamen Lied "Großer Gott, wir loben dich". Der zweite Teil des Konzerts schlägt im Bereich Chor- und Solo-Lied einen Bogen von der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts.

Natürlich kann man sich auf den zweiten Teil des Konzerts freuen. Aber wirklich spannend und durchaus überraschend ist der erste, weil hier in ungewohnter Weise zwei typische Werke der Romantik zusammengespannt werden, die auch für sich alleine nur sehr selten zu hören sind. Franz Schuberts Deutsche Messe trägt den Originaltitel "Gesänge zur Feier des heiligen Opfers der Messe". Dass sie den Beinamen "Deutsche Messe" trägt, ist dem Umstand geschuldet, dass das Werk zwar den Strukturen der traditionellen lateinischen Messen folgt. Aber der Text ist eigenständig, ist keine Übersetzung der lateinischen Originale. Hier hat Schubert 1826 einen Kompositionsauftrag des Böhmen Johann Philipp Neumann, Physikprofessor an der Technischen Hochschule in Wien und Nebenerwerbsdichter, umgesetzt. Der orientierte sich zwar an der lateinischen Vorlage, lieferte aber eine sehr freie, romantisierende Interpretation.

Von der Deutschen Messe gibt es zahlreiche Fassungen. Von Schubert selbst stammen zwei: eine für vierstimmigen gemischten Chor mit Orgel und eine, die neben der Orgel auch 13 Bläser und Kontrabass fordert. Schuberts Bruder Ferdinand gab eine Version für drei Knabenstimmen mit Orgel und eine für Männerchor a cappella heraus. Aber auch andere Bearbeitungen haben das Werk populär gemacht, denn die Pfarrgemeinden konnten bei der Besetzung flexibel sein. Guy Ramon hat sich für die Aufführung der Garitzer für die Version für vierstimmigen Männerchor und Klavier entschieden - schon deshalb, weil der Max-Littmann-Saal keine Orgel hat.

Rund, warm und füllig

Schuberts Deutsche Messe mit einer Hubertusmesse zu kombinieren, ist keineswegs eine abwegige Idee, sondern macht Sinn. Denn die Hubertusmesse ist nichts anderes als eine Möglichkeit, eine Messe beziehungsweise einen Gottesdienst aus der Kirche ins Freie zu verlegen - bevorzugt in den Wald. Denn der heilige Hubertus ist schließlich der Schutzpatron der Jäger, der seinen Namenstag übrigens sehr zeitnah am 3. November feiert.

Und für Guy Ramon lag diese Kombination schon deshalb nahe, weil ihre Umsetzung kein Problem ist. Denn schließlich gibt es in Bad Kissingen nicht nur seit 1964 eine Bläsergruppe des Jägervereins, sondern seit 2015 auch eine heute 14-köpfige Parforcehorngruppe, die sich der konzertanten Jagdmusik verschrieben hat. Was gar nicht so einfach ist, denn die Zahl der Töne, die sich mit einem solchen Horn erzeugen lassen, beschränken sich, wie bei den historischen Naturhörnern, auf die Naturtonreihe von 18 Tönen in drei Oktaven, allerdings jeweils in den Tonarten Es-dur oder B-dur. Dafür ist der Ton außerordentlich, rund, warm und füllig.

Und so werden in der Aufführung die beiden Messen verzahnend kombiniert. Zum Eingang wird der Introitus geblasen, dann singt der Chor "Wohin soll ich mich wenden". Das "Gloria" teilen sich der "Hirschmarsch" und der Choral "Ehre, Ehre sei Gott". Oder zum Sanctus erklingen die "St. Eustachius-Hymne" und das gesungene "Heilig, heilig, heilig". Zum Auszug blasen die Parforcehornisten die "Sortie de Messe".

Im zweiten Teil kommt der Gemischte Chor zum Einsatz, der sich mit Freunden aus Steinach und vom Landkreis-Männerchor ein bisschen verstärkt hat. Da geht es nicht um das Thema "Liebe und Tod", sondern um Musik in der Natur und Natur in der Musik der Romantik. Da stehen berühmte Volkslieder von Sicher ("Im schönsten Wiesengrunde" und Ännchen von Tharau"), Mendelssohn-Bartholdy ("O Täler weit, o Höhen" und "Des Jägers Abschied") oder Schulz ("Der Mond ist aufgegangen") ebenso auf die Programm wie Solistisches mit der Mezzosopranistin Larissa Desch (zwei Volkslieder von Brahms und Strauss' "Zueignung").