Schuld - Vergebung - Neuanfang" - diese drei Schlagworte standen über dem Vortrag der Hammelburgerin Jutta Dünnebier, den sie beim monatlichen Treffen der Gruppierung "Christen im Beruf" der Region Rhön-Kreuzberg im Haus der Schwarzen Berge in Oberbach hielt. Es war ein sehr persönliches Lebenszeugnis, das berührte und anregte, die eigene Lebenssituation und vor allem das eigene Verhältnis zu Gott zu überdenken.
Jutta Dünnebier wurde mit 18 Jahren
schwanger und zu einer Abtreibung gedrängt. Wie sehr dieser Eingriff ihr Leben veränderte, schilderte sie eindringlich. Sie sprach über die seelischen und körperlichen Nöte, die sie jahrelang begleiteten, und die tiefe dunkle Traurigkeit und Schuldgefühle, die zu ihrem Leben dazugehörten.
Doch wie schon die drei über dem Vortrag stehenden Schlagworte deutlich machten, blieb sie nicht bei der Schuld stehen, sondern ging weiter, über die Vergebung in einen Neuanfang. Und diese Vergebung, die sie erfahren durfte und der daraufhin folgende Neuanfang in ihrem Leben, waren die Beweggründe für ihren Vortrag. "Wie toll Gott ist, wie unendlich groß, gnädig und barmherzig. Er kann aus dem größten Scherbenhaufen eines Lebens etwas Wunderbares machen. Nichts ist ihm unmöglich."
Sicher, nicht jeder habe eine Abtreibung zu verantworten, aber so mancher Lebenskarren stecke vielleicht aus anderen Gründen im Dreck, mancher Mensch sei an einem Punkt im Leben angekommen, an dem es nicht mehr weiterzugehen scheint, wünscht sich, noch einmal von vorne anfangen zu können. Vor 15 Jahren war Jutta Dünnebier genau an diesem Punkt, an dem sie sich eingestehen musste, dass sie am Ende war, sich mit 38 Jahren wie eine alte Frau fühlte. "Ich wollte abschließen."
Ganz unterschiedliche Gründe gebe es, warum Menschen sich einen Neuanfang wünschen. "Bei mir war es Schuld." Kein Mensch gehe schuldlos über diese Erde, in Beziehungen und Familien werden Menschen schuldig aneinander. Doch die wohl schlimmste Schuld sei die einer Abtreibung.
Ganz klar bezog Jutta Dünnebier Stellung, was Abtreibung bedeutet, nicht nur für das Kind, das getötet wird, und die Mutter, sondern für das ganze Umfeld. Mit ihrem Vortrag und ihrer klaren Stellungnahme wollte Jutta Dünnebier ein Tabu durchbrechen. Denn bei aller Routine, mit der Abtreibung seit über 30 Jahren zum Tagesgeschäft gehöre, sei Abtreibung eine "Riesentragödie".
"Da stirbt mehr als ,nur‘ das Kind. Abtreibung hat nichts mit Recht auf Selbstbestimmung zu tun. Abtreibung ist pure Zerstörung. Abtreibung ist Mord." Diese Zerstörung erlebte sie in ihrem Leben, trotz bestandenem Abitur - und obwohl sie entgegen der Prognosen der Ärzte später doch schwanger werden konnte und vier gesunde Kinder bekam. "Alles schien gut. Nur die Schuldgefühle, Traurigkeit und Selbstverdammnis wollten nicht weggehen." Sie suchte Hilfe in fernöstlichen Religionen, der Karmalehre und auch über eine Therapie. Aber nichts habe wirklich lange gehalten oder geholfen oder gar die Schuld von ihr genommen.
Die Wende kam, als eine Freundin ihr riet: "Dann bete halt mal." Ja, und in der Tat gebetet hatte sie in all den Jahren der Verzweiflung nicht. "Lieber Gott hilf mir", mit diesem einfachen Gebet begann der Wandel, nicht sofort, es fiel kein Wunder vom Himmel, aber nach und nach veränderte sich ihr Leben. Jutta Dünnebier lernte Christen kennen, sie kam in Kontakt mit der Evangelischen Freikirche "Lebendiges Wort" in Würzburg, und eine Dame sagte zu ihr: "Wenn du Jesus in dein Leben einlädst, bekommst du ein neues Leben, er vergibt dir alles, was du falsch gemacht hat."
Damit hatte die Dame bei Jutta Dünnebier voll ins Schwarze getroffen, ohne zu wissen, welch eine Belastung diese mit sich herumträgt. Und Jutta Dünnebier nahm die Einladung an. "Ich habe Jesus eingeladen und gebetet, vergib mir. An diesem Abend hat Gott mir die Hand gereicht, er hat mich aus dem Sumpf herausgezogen, in dem ich steckte. Ich habe in Jesus' Augen geschaut. Und da war keine Verurteilung, Verdammnis oder Abscheu, da waren Liebe, Mitgefühl und Trost. Und ich habe innerlich gewusst, mir ist vergeben, die Schuld war weg."
Von diesem Moment an änderte sich das Leben von Jutta Dünnebier. So, wie sie Vergebung erfahren hatte, lernte sie selbst, auch zu vergeben, allen Menschen, die in irgendeiner Weise mit der Abtreibung zu tun hatten. Sie konnte erfahren, dass Schuld nicht unter den Teppich gekehrt werden darf, dass zugleich Gott aber jedem die Möglichkeit gibt, die Schuld bei ihm loszuwerden. "Wenn ich heil werden wollte, musste ich bereit sein zu vergeben."
Fünf Jahre dauerte es, bis der Berg an Vorwürfen und Anschuldigungen abgebaut war. "Gott gibt die Kraft zur Vergebung und schenkt Heilung." Auch wenn es Jutta Dünnebier rückblickend als eine anstrengende Zeit voller Tränen bezeichnete, als eine Zeit, in der sie viel zum Kreuz zu bringen hatte, war es doch auch eine Zeit der Heilung, in der ihr Vertrauen in Gott immer mehr wachsen konnte und ihre Persönlichkeit wiederhergestellt wurde.
"Ich habe Jesus auf den Fahrersitz meines Lebens eingeladen, mein Leben voll in seine Hände gegeben. Denn ich wusste, wie Leben sich anfühlt, das ich in meine Hände nahm. Ich wollte das Leben haben, das Gott für mich bereithält." In den vergangenen drei Jahren absolvierte sie ein berufsbegleitendes Theologiestudium, leitet mittlerweile die Freie Christengemeinde Saaletal in Hammelburg und hat das Ziel vor Augen, zur Pastorin ordiniert zu werden. "Nie hätte ich gedacht, dass Gott so etwas aus dem Scherbenhaufen meines Lebens machen kann." Sie machte den Anwesenden Mut, sich diesem Jesus ebenfalls anzuvertrauen, mit all ihren Sorgen und Nöten, ihrer Schuld und ihren Belastungen, um das segnende und befreiende Wirken Jesus im eigenen Leben zu erfahren. "Denn für Gott ist nichts unmöglich, da gibt es keinen Karren, der zu tief feststeckt. Wir alle sind eingeladen zum Neuanfang mit Jesus."