Fünf Stufen, verschiedene Inzidenzwerte und viele Fragezeichen - seit Montag gilt in Bayern ein neuer Fahrplan für die Lockerungen in Zeiten von Corona. Im Landkreis Bad Kissingen liegt der Inzidenzwert laut RKI (Stand: 8. März 2020) derzeit bei 63,9. Erlaubt ist damit beispielsweise das Einkaufen oder der Museumsbesuch mit Termin. Bis Theater oder Kinos öffnen dürfen dauert es jedoch - mindestens bis zum 22. März. Die Redaktion hat beim Einzelhandel und Kulturschaffenden nachgefragt, wie sie mit dem neuen Corona-Fahrplan umgehen - und was derzeit erlaubt ist.

Handelsverband Bayern: Click and Meet als Retter in der Not

Möglich ist derzeit das Einkaufen im Einzelhandel mit vorher vereinbartem Termin. Ralf Ludewig, der Bezirksvorsitzende Unterfrankens vom Handelsverband Bayern aus Bad Kissingen, sagt: " Nach meinem Erachten haben sehr viele in der Stadt offen. Auch wenn - zum Beispiel Buchläden - inzidenzunabhängig offen haben dürfen." Er schätzt, dass etwa 80 Prozent der Kissinger Geschäfte geöffnet sind.

Auf das Einkaufsmodell Click and Meet setzt er große Hoffnungen. "Es ist eine Rettung in der Not und besser, als geschlossen zu haben." Dennoch sei es nur eine Notlösung, die es in Gebieten mit hohen Inzidenzzahlen möglich mache, sicher einkaufen zu gehen. Für ihn ist es in der Pandemie ein Weg hin zu einer Normalität mit Auflagen.

Click and Meet: Gibt es Probleme durch das Angebot?

Zu Problemen mit der staatlichen Überbrückungshilfe III käme es laut ihm durch das Angebot von Click and Meet nicht. Diese gelte unabhängig von sonstigen Verkaufsmodellen und richtet sich nach dem Umsatzrückgang.

Aus eigener Erfahrung weiß der Geschäftsmann zu berichten, dass die Kunden das Angebot nutzen. "Wir hatten schon in den vergangenen Tagen Anmeldungen gehabt. Es funktioniert gut." Ob der Umsatz auf diesem Weg die Kosten decke, hänge vom Geschäft selbst ab, meint Ludewig. "Ich denke, dass ein kleinerer Laden mit wenig Personal und wenig Technik im Vorteil ist." In Bad Kissingen gebe es vornehmlich kleinere Geschäfte. Ludewig vermutet: "Ich denke, die Einzelhändler kriegen das gut hin." Aber: "Ob sich das durchsetzt, hängt davon ab, ob der Kunde das Angebot annimmt."

Erleichterung schafft Click and Meet auch dem Spielwarenhaus Ahlert: "Die Leute nehmen es an." Dort dürfen zu jeder halben Stunde maximal acht Kunden das Geschäft für je 20 Minuten betreten. Nachdem diese das Geschäft verlassen haben, wird gelüftet, bevor neue Kunden eintreten dürfen. Manche Kunden hätten Bedenken, keinen Termin zu bekommen. Durch die Größe des Ladens sei das jedoch kein Problem. Theoretisch könnten dort aufgrund der Öffnungszeiten im Idealfall 144 Kunden pro Tag bedient werden.

Shoppen mit Kontaktnachverfolgung

Klaus Bollwein, Wirtschaftsförderer für die Kissinger Innenstadt und Geschäftsführer des Stadtmarketingvereins Pro Bad Kissingen, sieht die Lockerungen ebenfalls positiv. "Die Kernnachricht ist: Die Läden dürfen wieder geöffnet werden. Das ist nach drei Monaten Schließung ganz wichtig", sagt er. Er geht davon aus, dass die meisten Geschäftsleute in der Innenstadt die Chance wahrnehmen.

Ein Kunde pro 40 Quadratmeter Verkaufsfläche sind zulässig, außerdem müssen die Kunden nicht nur einen Termin vereinbaren, sondern auch angeben, wie sie im Fall einer Infektion mit dem Virus erreichbar sind. "Dem Gesetzgeber geht es vor allem um die Nachverfolgung", erklärt Bollwein. Das sei auch im Interesse der Händler. Eine weitere Schließung in wenigen Wochen wäre fatal, von daher sei es wichtig zu verhindern, dass die Infektionszahlen in der Region weiter steigen.

Dass die Kunden wieder zum Shoppen in den Laden können sieht Bollwein "als kleines Stück Normalität", das wiedergewonnen wurde. Kunden und Händler müssten pragmatisch mit der Situation umgehen - und zum Beispiel Termine nicht nur telefonisch vergeben, sondern auch durch Bemerkbarmachen am Schaufenster. "Da ist Flexibilität gefragt, natürlich unter Einhaltung der Schutzmaßnahmen", sagt Bollwein. "Grundsätzlich kann ich mir vorstellen, dass die Händler ihre Geschäft machen."

Museum Obere Saline öffnet am Mittwoch, Öffnungstermin für Klaushof steht noch nicht fest

Das Museum Obere Saline in Bad Kissingen empfängt ab Mittwoch, 9. März, zu den regulären Öffnungszeiten (Mittwoch bis Sonntag, 14 bis 17 Uhr) wieder Besucher. Die Entwicklung des Infektionsgeschehens im Landkreis bestimme, ob eine Voranmeldung nötig ist oder nicht, heißt es in einer Pressemitteilung der Stadt Bad Kissingen. Liegt die Inzidenz unter 50, dann dürfen Kulturfans das Museum spontan besuchen. Liegt der Wert über 50, muss vorab ein Termin vereinbart werden.

Die Zahl der Besucher, die sich gleichzeitig im Museum aufhalten dürfen, ist bis auf Weiteres auf 25 Personen begrenzt. Führungen und Gruppenbesuche sind noch nicht möglich. "Mit der Öffnung unseres Museums unter Einhaltung der gültigen Bestimmungen können wir dazu beitragen, dass die Bürger und Gäste unserer Stadt wieder Kultur erleben können. Das bedeutet Lebensqualität, Abwechslung und Freude", heißt es von Annette Späth, der Museumsleiterin, und Peter Weidisch, dem Kulturreferenten der Stadt.

Tierpark: Wann öffnet der Klaushof?

Unklar ist dagegen noch, wann der städtische Wildpark Klaushof öffnet. Grundsätzlich darf die Einrichtung Besucher einlassen, aber ebenfalls nur mit Termin. Wie das Rathaus mitteilt, steht noch nicht fest, wie die Schutzvorgaben technisch umgesetzt werden. "Um die gesetzlichen Vorgaben einzuhalten, sind organisatorische Vorarbeiten notwendig", heißt es von der Stadt Bad Kissingen. Darunter fallen beispielsweise die Anmeldung oder die Kontakt-Nachverfolgung. An diesen Punkten arbeite die Stadt derzeit. Wenn das geschehen ist, soll der Wild-Park unter den gegebenen Bedingungen öffnen.

Tiergehege in Bad Brückenau: Fehlende Kontrollen am Einlass

Im Staatsbad darf das Tiergehege noch nicht öffnen, teilt Kurdirektorin Andrea Schallenkammer mit. "Wegen fehlender Eingangskontrolle dürfen leider gar keine Besucher rein, ganz im Gegensatz zum Tierpark Klaushof", fügt sie hinzu. Im Kurpark dürfen wie bisher nur Gästeservice und Außenzapfanlage genutzt werden. Dort gilt weiterhin die Maskenpflicht, auch wenn unter freiem Himmel gezapft wird."

Theater Bad Kissingen: Zu gegebenem Zeitpunkt kurzfristig handeln

Wann und wie das Bad Kissinger Theater öffnet - darüber lasse sich aktuell noch keine Aussage treffen, heißt es von Bruno Heynen, dem Leiter der Veranstaltungsabteilung der Bayerischen Staatsbad Bad Kissingen GmbH. Erst wenn Rahmenkonzepte seitens des Staates erarbeitet, bekanntgemacht und erforderliche Hygieneauflagen festgelegt sind, würden sich mit Blick aufs Infektionsgeschehen Veranstaltungen planen lassen. "Wir werden alles bestmöglich vorbereiten, um zu gegebenem Zeitpunkt kurzfristig handeln zu können. Es bleibt weiterhin so, dass wir auf Sicht fahren", sagt Heynen.

Hammelburg: Bibliothek öffnet diese Woche

Die Stadt Hammelburg öffnet in dieser Woche am Donnerstag, 11. März, zumindest ihre öffentliche Bibliothek wieder. Das Hygiene-Konzept sieht FFP2-Masken und Abstandsmarkierungen vor. Das Museum "Herrenmühle" dagegen wird laut Stadtverwaltung vorerst nicht öffnen. "Wir warten die weitere Entwicklung der Infektionszahlen im Landkreis ab", hieß es dazu aus dem Rathaus. Geplant sei, das Museum ab der Karwoche zugänglich zu machen. Bis dahin gebe es Onlineführungen, die nächste sei für Freitag, 26. März, geplant. Regulär geöffnet sind in Hammelburg aber die Aussichtstürme, also der Turm von Schloss Saaleck und der Baderturm im Tal. Die Kurse der Volkshochschule finden zunächst nur online statt.

Landesbühne Maßbach und Henneberg-Museum Münnerstadt starten im April

Im Theater Schloss Maßbach laufen die Vorbereitungen für die neue Saison unabhängig von den neuen Öffnungsklauseln. "Wir fangen am 16. April wieder an und wir werden das auch nicht ändern", sagt Theaterleiterin Anne Maar. So einfach wäre ein vorheriger Start auch nicht. Wiederaufnahmeproben, Gäste - es gibt eine Vielzahl von Dingen zu beachten. "Das wäre für uns ein zu großer Aufwand." Mit dem Schauspiel "Der Schimmelreiter" startet das Theater Schloss Maßbach am 16. April in die Saison, am 17. April wird "glaub ich nicht" - ein Theaterstück für Jugendliche ab 13 Jahren aufgeführt. "Ich hoffe, dass das dann auch so stattfinden kann, wie wir es geplant haben", sagt Anne Maar.

Das Henneberg-Museum im Münnerstädter Deutschordensschloss ist noch in der Winterpause, also noch nicht akut von den Problemen betroffen. "Ich möchte das Museum ab 1. April wieder öffnen, soweit das halt möglich ist", sagt Museumsleiter Nicolas Zenzen. Das richtet sich nach den geltenden Regelungen. Wenn jemand schon vorher ins Museum möchte, sollte er sich telefonisch mit der Touristeninformation im Deutschordensschloss in Verbindung setzen.

Münnerstadt: Kritik am Vorgehen bei Schnelltests

Sehr schwierig ist es, Aussagen bezüglich der geplanten kulturellen Veranstaltungen zu machen. "Ich finde das sehr verwirrend", sagt die Kreativkraft für Stadtmarketing und Tourismus, Kilian Düring. Er könne doch nicht wissen, dass negative Selbsttests tatsächlich von der Person sind, die sie vorlegt. Zumindest bei ihm seien wichtige Informationen noch nicht angekommen, sagt er, auch was beispielsweise die Schnelltests betrifft. Kilian Düring weiß auch nicht, wie er mit dem Kartenvorverkauf umgehen soll. Am 26. März ist ein Auftritt von Sebastian Reich mit seiner Amanda in der Alten Aula geplant. Erst am Montag hat er mit dem Kabarettisten telefoniert. Da wird es eine kurzfristige Entscheidung geben. "Was passiert mit den Karten, wenn der Inzidenzwert plötzlich steigt und Veranstaltungen wieder verboten sind?", fragt er. Im Moment haben die Verantwortlichen mehr Fragen als Antworten.

Bad Brückenau: Wie darf ein Museum öffnen?

Ivan Sojc möchte sein Deutsches Fahrradmuseum im Staatsbad Brückenau an diesem Dienstag wieder öffnen. Er weiß nur noch nicht, unter welchen Bedingungen. Eine Richtlinie dazu von der Landesstelle für nichtstaatliche Museum lag dem Betreiber noch nicht vor. Und so weiß Sojc nicht, ob und wie zum Beispiel eine Anmeldung vonstatten gehen könnte: ob durch Klopfen an der Eingangstür oder Online.

Das Fahrradmuseum generiere seine Besucher vor allem aus den Kurgästen, die meist von weit her ins Staatsbad kämen. Ob die durch eine Online-Terminvergabe motiviert würden, ins Museum zu kommen, bezweifelt Sojc. Eine verstärkte Corona-Ansteckungsgefahr sieht der Fahrradexperte in seinem Haus nicht. "Wir werden nicht überfüllt sein." Bei den zwei Rundgängen und auf der Treppe begegneten sich Besucher in der Regel selten bis gar nicht.

Bayerisches Kammerorchester Bad Brückenau plant trotz Ungewissheit

"Wir müssen flexibel bleiben, aber es ist echt schwer", sagt Pavol Tkac, Geschäftsführer des Bayerischen Kammerorchesters Bad Brückenau. Das Orchester habe Ende März zwei Gastspiele, berichtet er. Eines sei bereits abgesagt, bei dem anderen stehe man mit dem Veranstalter in Kontakt. Diese bräuchten mindestens zwei bis drei Wochen Vorlauf. Mit Blick auf die für den 22. März in Aussicht gestellte Öffnung der Konzerthäuser sei das "gerade so" noch im Zeitrahmen.

In Bad Brückenau steht das erste Konzert des Kammerorchesters für den 24. April im Kalender. "Uns bleibt nichts anderes übrig als planen", sagt Tkac. Und man müsse hoffen, dass der Inzidenzwert unter 50 liege. Bei einem Wert zwischen 50 und 100 sind aktuell Schnelltests vorgegeben. In wessen Zuständigkeit fällt die Kontrolle? Tkac überlegt kurz: "Wir müssen wohl dafür sorgen. Wer sonst?"

Vieles sei aktuell noch unklar. Der Geschäftsführer des Kammerorchesters erhofft sich von einer Videokonferenz aller nicht staatlichen Orchester in Bayern in Kürze mehr Klarheit. Tkac sagt aber auch: "Ich möchte nicht in der Haut der Politiker stecken." Es sei eine Gratwanderung zwischen den einzelnen Forderungen - dem Öffnen und dem Schutz der Bevölkerung.

Ein Artikel von Benedikt Borst, Johannes Schlereth, Rebecca Vogt, Thomas Malz, Steffen Standke, Julia Raab und Ralf Ruppert.