"Ich erwarte mir von ihm gute Themen für 2013, auch für die Wahl im September, eine gute Rede und eine gute Vorstellung. Ich bin gekommen, weil ich Christian Ude sympathisch finde", meinte Josef Plener (Kleinbrach), seit vielen Jahren SPD-Mitglied, der zum Neujahrsempfang der Bad Kissinger Sozialdemokraten in den Tattersall gekommen war. "Ich erwarte mir von Christian Ude eine unterhaltsame Rede mit pointierten Formulierungen. Aber wahlentscheidend wird sie sicher nicht sein", sagte Simone Bastian (Ebern), die keiner Partei angehört. Und Armin Fischer, der Kissinger SPD-Ortsvorsitzende, war gespannt, ob und wie Christian Ude als Sympathieträger rüberkommen würde: "Ich erwarte von ihm nicht, dass er sagt, dass die anderen schlecht und wir besser sind. Ich wünsche mir von ihm, dass er zeigt, dass wir gut sind."

Einige Erwartungen an den Spitzenkandidaten der SPD für die bayerische Landtagswahl im September.
Und die Stimmung war auch erwartungsvoll, als das Rotkreuzorchester pünktlich um 11 Uhr den Hoffnungsträger der bayerischen Sozialdemokratie in den Saal spielte. Ein bisschen Zeit blieb noch zum Beäugen, als Sabine Dittmar MdL ("So gut ozapf'n wie er kann kein Zweiter") und Oberbürgermeister Kay Blankenburg den Gast dem Anlass angemessen launig begrüßten, aber auch bereits einige politische Forderungen stellten, insbesondere im Bereich der Gesundheit.

Der Beifall war stark, als Christian Ude schließlich ans Rednerpult trat. "Was haben wir Sozialdemokraten zu bieten?" fragte er ohne jedes Vorgeplänkel. Und er nannte zwei wichtige Themen, die für ihn im Vordergrund stehen, allen voran die internationale Finanzkrise. Die letzten 20 Jahre sei eine neoliberale Zeit wirtschaftsradikaler Irrlehren gewesen und seien mit dem Zusammenbruch von Leman Bros. in eine Krise gemündet, "wie wir sie seit 80 Jahren nicht mehr erlebt haben." Versuche der Staaten, ein Übergreifen auf die Realwirtschaft zu verhindern hätten die Steuerzahler bisher 1600 Milliarden Euro für Rettungsschirme und 2000 Milliarden Euro für das In-Gang-Halten der Wirtschaft gekostet. Die demokratischen Gesellschaften dürften nicht länger Spielball der Finanzjongleure sein. "Es war wohl richtig, alle Hebel in Bewegung zu setzen, um die Wirtschaft zu schützen, aber wir müssen diese Fehlentwicklung stoppen und in den Griff bekommen.


Verursacher zur Kasse bitten

Ude forderte die Einführung einer Finanztransaktionssteuer, um die Verursacher an den Kosten zu beteiligen. Und er zog aus der Beobachtung, das die amerikanischen Ratingagenturen zwar über Europa den Daumen senken, die aberwitzig hohe Verschuldung der USA aber ignorieren, die Schaffung einer europäischen Agentur.
Er wolle sich aber nicht mit fremden Federn schmücken, erklärte Ude: "Alle diese Ideen sind nicht von mir, sondern von Peer Steinbrück. Er hat die richtigen Antworten." Einen Anpfiff konnte er sich aber nicht verkneifen: "Er sollte sich darauf konzentrieren und Gehaltsfragen wieder den Gewerkschaften überlassen."

Der andere wesentliche Punkt ist für den seit 20 Jahren amtierenden Münchner Oberbürgermeister die soziale Schere, die auch in Deutschland immer weiter aufgeht: "Das sehe ich nicht als Lobbyarbeit für die Hartz-IV-Empfänger, sondern für die ganze Gesellschaft." Denn die müsse für die Folgekosten dieser gesellschaftlichen Auseinanderdividierung aufkommen. Ude forderte die Einführung von flächendeckenden Mindestlöhnen und Beschäftigungsverhältnissen, die jungen Menschen Planungssicherheit für ihre Zukunft geben.

Auf die Landespolitik bezogen forderte Ude eine bessere Entwicklungsbalance der bayerischen Regionen: "Es kann nicht sein, dass wenige Wachstumskerne aus allen Nähten platzen, während sich andere Landstriche entvölkern: "Patentlösungen gibt es da nicht, aber die CSU sollte aufhören zu leugnen, dass es Regionen mit Zukunftssorgen gibt." Höchste Zeit sei es auch für ein Präventionsgesetz, Reha und Prävention kosten zwar Geld, aber weniger als die Folgenbeseitigung, wenn man sie nicht betreibt.


Werbung für den Volksentscheid

Im Bereich Kultur und Bildung forderte Ude die Rücknahme des Betreuungsgeldes zugunsten des Kita-Ausbaus, die Einrichtung von mehr Ganztagsschulen, um auch Kinder aus bildungsfernen Schichten fördern zu können, den Erhalt von wohnortnahen Schulen und die Abschaffung der Studien- und Meisterprüfungsgebühren. Die 180 Millionen Euro müssen über den hoheitlichen Haushalt finanziert werden."

Und dann lieferte Christian Ude doch noch, worauf wohl die meisten gewartet hatten: ein paar geradezu kabarettistische Spitzen gegen seinen Kontrahenten Horst Seehofer und seine Neigungen, je nach politischer Wetterlage seine unumstößlichen Meinungen zu ändern: "Es gibt kaum noch Fragen, zu denen Seehofer heute das sagt, was er gestern gesagt hat. Das Verfallsdatum seiner Meinungen ist in die nächste Zukunft gerückt." Direkte Wahlwerbung machte Ude nicht. Aber: "Es geht im September um Ihre ureigensten Interessen. Und wenn Sie meinen, dass manches noch verbessert werden kann, dann mischen Sie sich ein."