Wie hat das angefangen mit der CSU-Frauen-Union Bad Kissingen, die jetzt ihr 40-jähriges Bestehen gefeiert hat? Eine einfache Frage, aber die Antwort ist etwas komplizierter. "Eigentlich hat das alles schon viel eher angefangen", sagt Christa Nürnberger, heute Ehrenvorsitzende der FU. "Ich hatte ja nix am Hut mit der Partei, mein Mann war CSU-Mitglied. Aber im Frühjahr 1972, noch vor der Stadtratswahl, kam Georg Straus auf sie zu: "Der suchte noch jemanden mit den Kriterien Frau und evangelisch. Ich sollte als Parteilose auf der CSU-Liste kandidieren."

Für den Einzug in den Stadtrat hat's damals noch nicht gereicht (erst sechs Jahre später). Christa Nürnberger schaffte es immerhin bis zur dritten Nachrückerin. Und als die Wahl vorbei war, trat sie auch in die CSU ein. Und wieder war es Georg Straus, der sie im Frühjahr 1973 aufforderte, etwas für die Kissinger Frauen in Richtung einer FU-Gründung zu tun: "Ich hatte damals überhaupt keine Ahnung, was da auf mich zukam." Aber als für den 28. Februar 1973 die Gründungsversammlung angekündigt war, folgten 20 Frauen dem Aufruf - und zwei Männer: Kurt Federer und Hans Weiß jun. "Warum die auch gekommen sind, weiß niemand."

Bis 1999 hat Christa Nürnberger die Kissinger Frauen-Union geführt. Dann war sie der Meinung, dass Jüngere mit neuen Ideen die Verantwortung übernehmen sollten und übergab den Vorsitz an Nikola Renner-Knopp. Außerdem hatte sie noch genügend andere öffentliche Ämter, die sie forderten. Hinter ihr lagen 26 Jahre, die viel Arbeit gemacht haben, aber auch viel gebracht haben. Christa Nürnberger richtete das Monatstreffen ein, initiierte Besuche im Altenheim St. Gertrudis, organisierte den Austausch mit befreundeten Frauen-Unionen und Firmenbesuche. Die städtischen Einrichtungen wurden regelmäßig besucht ("Das habe ich später auf den Seniorenbeirat übertragen").

Politikprominenz zu Gast

Und Christa Nürnberger lud prominente Politikerinnen ein wie Mathilde Berghofer-Weichner, Ursula Männle, Barbara Stamm, Michaela Geiger oder Gerda Hasselfeldt. "Heute kann man das nicht mehr machen, weil nicht genügend Leute kommen", bedauert sie. Nicht zuletzt, weil die Mitgliederzahl wieder unter die 50 gerutscht ist.
Die auffälligste Neuerung führte Christa Nürnberger 1979, im "Jahr des Kindes", ein - und hat sie auch geleitet: das städtische Ferienprogramm mit erstmals fünf Veranstaltungen. "Du spinnst", hat Oberbürgermeister Hans Weiß damals zu ihr gesagt. Der Erfolg der Aktion hat ihm deutlich Unrecht gegeben.

Auch wenn sie die erste Frau in der Stadtratsfraktion der CSU wart: Belächelt gefühlt hat sich Christa Nürnberger in der Männerwelt der Politik eigentlich nie: "Wir waren den Männern schon recht. Schließlich ging die Politik uns auch an. Und sie haben uns doch gebraucht, mindestens zum Plakate kleben. Und ich erinnere mich, wie ich vor Wahlen mit der Gertrud Hubert und einem VW-Bus durch den Landkreis gefahren bin und per Lautsprecher Werbung für die CSU gemacht habe."

Arbeit mit Wirkungskraft

An der politischen Wirksamkeit der Arbeit in der Frauen-Union hat Christa Nürnberger nie Zweifel gehabt. "Wir haben viele wichtige Themen diskutiert. Die Ergebnisse gingen an den Landesverband, der daraus Anträge an die Abgeordneten in Bund und Land gemacht hat." Nicht zuletzt deshalb bedauert sie, dass junge Frauen heute nur schwer zu einer Mitgliedschaft zu bewegen sind.

Wie ergänzt Christa Nürnberger den Satzanfang: "Wenn ich den Begriff Weltfrauentag höre, dann denke ich an ..."? "Ach Gottchen!", sagt sie. "Der war mir von früher her gar kein Begriff. Für mich hat er immer den Geschmack von DDR gehabt, auch wenn Welt drinsteckt." Vielleicht ist der Tag deshalb bei der Frauen-Union in Bad Kissingen auch nie gefeiert worden.


Die Frauen-Union

Gründungsvorstand Erste Vorsitzende der Frauen-Union Bad Kissingen war Christa Nürnberger, ihre Stellvertreterin Johanna Zach. Zur Schriftführerin wurde Luise Becker gewählt, zur Schatzmeisterin Brigitte Wöhning. Beisitzerinnen waren Hildegard Ellwardt und Elfriede Hiebel.

Aktueller Vorstand Vorsitzende ist heute Dr.Gudrun Heil-Franke. Ihre Stellvertreterinnen sind Ursula Kriener, Brigitte Wolf und Elisabeth Betz. Schriftführerin Doris Vogel, Schatzmeisterin Waltraud Jüngst. Beisitzerinnen sind Christa Spahn, Roswitha Kast, Hannelore Langer, Brigitte Ascherl und Martha Müller. Die Kasse prüfen Marianne Hartmann und Klara Meder.

Gründungsmitglieder Fünf Gründungsmitglieder leben heute noch: Marianne Hartmann, Elfriede Hiebel, Erika Lang, Christa Nürnberger und Brigitte Wöhning.