Eine kurze Tagesordnung und viele Diskussionen gab es bei der jüngsten Sitzung des Burkardrother Gemeinderats. Der Fokus lag auf diversen Bauprojekten. Besonders zwei Voranfragen sorgten für Redebedarf im Gremium.

Ein Landwirt möchte ins Tierwohl investieren. Dafür will er eine Halle und mehrere überdachte Laufhöfe für seine Schweine an dem bereits bestehenden Maststall in der Zahlbacher Gemarkung bauen. Dabei handelt es sich um ein privilegiertes Vorhaben. Die Halle soll für die interne Strohverteilung verwendet werden. Ein Fördersystem verteilt von dort aus kleingehäckseltes Stroh und wirft das Material dort ab, wo Bedarf ist. Das Stroh landet letztlich in der 1000 Kubikmeter großen Güllegrube. Nur beim Rühren oder Ausbringen auf die eigenen Felder könne es laut dem Landwirt zeitweise stinken.

Schweinestall und der Geruch

Bedenken wegen des Geruchs hatten die Gemeinderäte bereits bei einem Ortstermin geäußert. Johannes Schlereth (zufällige Namensgleichheit mit dem Autor), der Ortssprecher von Zahlbach, hatte diesbezüglich bereits ein Telefonat mit Einwohnern: "Die Medaille hat zwei Seiten. Das Tierwohl ist wichtig, aber es gibt auch eine soziale Komponente dabei. Die Zahlbacher würden es begrüßen, wenn gewisse Reinigungselemente für die Abluft verbaut werden."

Marion Zehe schloss sich der Meinung Schlereths an: "Es ist gut, wenn jemand ins Tierwohl investiert. Aber wenn der Landwirt baut, könnte er gleich etwas für die Luftreinigung einbauen?" Ihr Gedanke: "Lässt sich das vielleicht zu einer Auflage machen?" Laut Bürgermeister Daniel Wehner (CSU) ist das jedoch nicht möglich. "Der Gesetzgeber fordert das nicht. Wir können im Beschluss aber darauf hinweisen, dass die Bevölkerung von Zahlbach es als wünschenswert erachtet." Für die Gemeinderäte war das in Ordnung - sie erteilten der Voranfrage einstimmig ihre Zustimmung.

Debatten um Pferdestall im Marktgemeinderat Burkardroth

Redebedarf gab es auch bei der zweiten Bauvoranfrage. Diese lehnte das Gremium ab. Eine Frau möchte im Außenbereich Stangenroths oberhalb des Gewerbegebietes einen Stall mit Heulager, Sattelkammer, Reit- und Putzplatz sowie Koppel bauen. Hier will sie zwei Pferde für Reitpädagogik unterbringen. In der Zukunft möchte die Frau jedoch mehr Pferde dort halten. "Sie ist nicht Eigentümerin der Fläche, kann sie aber langfristig pachten", sagte Wehner. Eine Erschließung mit Wasser und Strom soll laut der Antragstellerin nicht erfolgen.

Klare Leitlinien bei der Entscheidung des Gremiums gab das Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten vor. Das Vorhaben gilt laut Behörde nicht als privilegiert. Und: Reitpädagogik stellt keine landwirtschaftliche Tätigkeit dar. Ähnlich gelagerte Vorhaben hat die Kommune in der Vergangenheit abgelehnt. Zwar öffne sich das Landratsamt grundsätzlich für die Pferdehaltung, aber nur im Einvernehmen mit der jeweiligen Gemeinde.

Hätte der Marktgemeinderat der Voranfrage zugestimmt, wäre ein neuer Bezugsfall entstanden. Darauf verwies insbesondere Christian Metz, der Ortsreferent von Katzenbach: "Wir schaffen hier einen Präzedenzfall. Wir schlagen ein Tor auf, das wir nicht mehr zu kriegen." Hinzu käme noch die Verkehrsbelastung. "Beim therapeutischen Reiten ist ja nicht nur der Besitzer vor Ort." Kathrin Kupka-Hahn schloss sich der Meinung Metz an.

Vergleiche aus dem Umland

Zehe verwies darauf, dass es sich lediglich um eine Bauvoranfrage handle. Und: "Es kann ja wohl kein riesiger Akt sein, den bestehenden Weg beispielsweise für Anlieger frei zu machen." Ein hohes Verkehrsaufkommen erwartet sie aufgrund der Größe des Vorhabens nicht. "Ich finde es gut, wenn jemand so etwas machen möchte. Das erhält die Landschaft und vielleicht sind die Pferde eine Möglichkeit für Reitunterricht." Ihr Fazit: "Es wertet auf und sollte deshalb genehmigt werden." Marktgemeinderat Matthias Nürnberger aus Lauter schloss sich Zehes Ansicht an und verwies auf das Bad Brückenauer Umland. "Dort gab es eine ähnliche Situation und es ist trotzdem genehmigt worden."

Ein weiteres angesprochenes Problemfeld war, was nach einem Beenden des Betriebs mit dem Gebäude geschieht. Schlereth verwies noch auf die Wasser-Versorgung der Tiere. Die Bauherrin möchte das Trinkwasser für die Pferde mit Wasserfässern gestalten. "Die Tiere sind beim Futter und Wasser empfindlich", betonte Schlereth. Das Wasser im Fass könne kippen. Zehe und Nürnberger sahen solche Bedenken nicht. Weil die Mehrheit im Gremium aufgrund möglicher Folgen dennoch gegen das Vorhaben in dieser Form war, wurde die Bauvoranfrage abgelehnt.

Grünes Licht gab es hingegen für den Bauantrag eines Landwirtes, der eine Halle im Außenbereich Stangenroths errichten will. Hierbei handelt es sich um ein privilegiertes Vorhaben. Auch den Bauantrag für einen Kleingeflügelstall auf dem gleichen Grundstück genehmigte das Gremium. Ein weiterer genehmigter Bauantrag stammte aus Waldfenster. Ein Einwohner möchte dort ein Nebengebäude zwischen dem bestehenden Haus und der Doppelgarage bauen.

Den Bauantrag zur alten Schule in Wollbach bewertete Wehner als "sehr begrüßenswert". Dort sollen fünf Wohnungen entstehen. Die Optik des Gebäudes soll sich nicht ändern. "Es ist vornehmlich eine Sanierung im Inneren", betonte Wehner. "Es passt in unser Konzept zur Revitalisierung." Positiv bewerteten die Gemeinderäte auch die Lösung für das Parkplatzproblem. Im Bereich der Rhönstraße gibt es keine Möglichkeit, sein Auto abzustellen, ohne den Verkehr zu behindern. Beim Bauvorhaben kommen die Parkplätze aufs Grundstück, so dass kein Autofahrer in der Rhönstraße Slalom fahren muss. Das Gremium wies den Bauherren, trotz der geplanten Entlastung durch die Kanalarbeiten in der Brunnengasse, noch darauf hin, hier an den Eigenschutz zu denken. Dies sei beispielsweise mit Rückstauklappen zu bewerkstelligen.