Ein gutes Dutzend Bürger aus Arnshausen, Eltingshausen und Reiterswiesen warteten gestern im Regen vor dem CSU-Bürgerbüro auf Staatssekretärin Dorothee Bär (CSU). "Uns geht es darum, dass sich endlich was tut", sagt Andreas Kukuk von der Bürgerinitiative Eltingshausen. "Der Lärm ist oft unerträglich", ergänzt Dieter Sliwa, der in Arnshausen unweit der B 286 wohnt, "und man kann Kinder gar nicht alleine über die Straße lassen." CSU-Stadträtin Martina Greubel vertrat die Interessensgemeinschaft Arnshausen, ihre Fraktionskollegin Gudrun Heil-Franke kommt aus Reiterswiesen. "Wir sind dort noch nicht organisiert, aber wir sind dran", berichtet sie. Die aktuelle Umleitung durch Reiterswiesent habe die Anwohner mobilisiert. Einig seien sie sich alle: "Wir brauchen die B 286 neu."
"Für mich ist das auch ein großes Anliegen", sagte Staatssekretärin Bär. Schon als Abgeordnete habe sie sich für die B 286 neu eingesetzt. "Aber als Staatssekretärin hat man noch mal ganz andere Möglichkeiten." Von Bundesverkehrsminister Dobrindt bis zum Referatsleiter für Bayern kenne jeder die Problematik. Aus Bärs Sicht liegt der Ball jetzt beim Staatlichen Bauamt und dem Landkreis Bad Kissingen: "Sobald die Pläne in Berlin sind, können wir den ,Gesehen'-Vermerk erteilen", sagte die Wahlkreisabgeordnete und erweckte damit den Eindruck, dass die Genehmigung nur noch Formsache sei.

Gespräch im Verkehrsministerium

Bär ermunterte die Demonstranten, sich auch beim Staatlichen Bauamt für das Projekt einzusetzen: "Je mehr Nachdruck da ist, desto schneller geht es." Das gelte auch für die beteiligten Kommunen: Der Oerlenbacher Bürgermeister Franz Kuhn (CSU) kündigte spontan an, am 20. April gemeinsam mit Landrat Thomas Bold (CSU) nach Berlin zu einem Gespräch im Verkehrsministerium zu fahren. Kritik äußerten Bad Kissinger CSU-Stadträte am SPD-Oberbürgermeister Kay Blankenburg. Sein Sprecher Thomas Hack stellte jedoch klar: "Der OB persönlich und die Stadt sind kontinuierlich am Ball."
"Wir tun sehr viel dafür, dass die B 286 neu möglichst bald kommt", betont auch Landrat Bold. Bei der Planung der Ortsumgehung Eltingshausen sei darauf geachtet worden, dass sie später zur Bundesstraße umgebaut werden könnte. Bold erinnerte auch an die Vergangenheit: Die ersten Pläne seien aus Berlin zurückgeschickt worden mit der Auflage, die Straße kreuzungsfrei und zum Teil dreispurig zu planen. Aktuell sei die Ortsumgehung sieben Meter breit angelegt, eine Bundesstraße wäre 8,50 Meter breit. "Wenn es gelingt, dass der Bund einsteigt, müssten einfach die Pläne geändert werden." Das Verfahren verzögere sich dadurch "höchstens um ein paar Monate".

Stillstand seit Februar 2013

"Das Planfeststellungsverfahren ist gleich, aber die technischen Parameter sind natürlich anders", sagt der Leiter des Staatlichen Bauamtes, Holger Bothe, auf Nachfrage. Er verweist darauf, dass der "abgespeckte" Entwurf für die B 286 neu im Februar 2013 unter Auflagen genehmigt worden sei. Änderungen und die artenschutzrechtliche Prüfung, ob von der geplanten Trasse die streng geschützte Wiesenweihe betroffen ist, seien aber zeit- und kostenintensiv, "weshalb wir eine Beauftragung bis zum Abschluss des laufenden Bewertungsverfahrens im Rahmen der Fortschreibung des Bundesverkehrswegeplans zurück gestellt haben", so Bothe.
Also tut sich derzeit nichts, weil zunächst geprüft werden muss, ob noch ein "vordringlicher Bedarf" für die B 286 neu besteht. Dabei müsse auch der Bevölkerungsrückgang im Landkreis berücksichtigt werden. "Für uns in der Verwaltung ist noch kein neuer Sachstand erkennbar", kommentiert Bothe die Äußerungen von Dorothee Bär. Genau deshalb habe das Staatliche Bauamt die Ortsumgehung Eltingshausen befürwortet: "Das ist der schnellste Weg, um die Anwohner dort zu entlasten." Wenn es jetzt zu keiner Entscheidung in Berlin komme, könnte die Kreisstraße auch später noch zur Bundesstraße erweitert werden.

Auf vier Seiten haben Vertreter aus Eltingshausen, Reiterswiesen und Arnshausen ihre Argumente für den Bau der B 286 neu zusammgeschrieben und Staatssekretärin Dorothee Bär überreicht (siehe Titelseite der heutigen Ausgabe). "Die Bürger leiden unter dem ständigen Verkehr, besonders von Lkw, durch die Dörfer", heißt es darin. Eine Entlastung sei seit Jahrzehnten versprochen, aber: "Dem Gesundheits- und Wirtschaftsstandort Bad Kissingen fehlt als einziger Stadt der Region eine unmittelbare leistungsfähige Anbindung an die A 71."

Naturschutz und Unfallgefahr

Die meisten Faktoren kommen aus Sicht der Bürger in Arnshausen zusammen: Zum einen führt die jetzige Bundesstraße südlich von Arnshausen durch die Zone eins des Trinkwasserschutzgebietes Arnshausen, aus dem knapp 20 Prozent des Bad Kissinger Trinkwassers stammen. Zudem laufe entlang der Bundesstraße das Landschaftsschutzgebiet Höret/Zückberg.
Für die B 286 neu spreche bei Arnshausen auch die Unfallgefahr auf der kurvenreichen Strecke in Richtung Oerlenbach. Ein neuralgischer Punkt sei die Einmündung zur Dammstraße: "Kinder müssen auf ihrem Weg zur Schule die B 286 überqueren und setzen sich dabei großen Gefahren aus." Die Autoren des Appells befürchten durch die Tieferlegung der Bahnunterführung in Oerlenbach bis Mitte des Jahres sogar noch mehr Verkehr und damit noch mehr Lärm und Staub. Verwiesen wird auf die geplante Dorferneuerung in Arnshausen: Die Lebensqualität könne nur steigen, wenn der Verkehr abnehme.

"Seit Oktober 2005 überfällig"

Die Reiterswiesener befürchten durch den Bau der Umgehungsstraße Eltingshausen zusätzlichen Verkehr. "Eine schnelle Anbindung an die Autobahn hilft den Pendlern, fördert die Wirtschaft und erleichtert den Gästen den Weg nach Bad Kissingen", heißt es im Appell an Dorothee Bär.
Eltingshausen warte seit 30 Jahren auf die Eltingshäuser Spange. "Die B 286 neu ist seit Oktober 2005 überfällig", schreibt Ortssprecher Andreas Kukuk. Der Oerlenbacher Gemeindeteil sei sehr dankbar, dass der Landkreis nun in Vorleistung gehe. "Dies kann jedoch nur ein erster Schritt sein. Denn der neue Verkehrsfluss endet dann abrupt am nördlichen Rand des Ortes, was fehlt, ist die konsequente Weiterführung nach Bad Kissingen."