Es ist ein schöner Platz, um Rast zu machen. Bärbel Unger und Klaus Wagler aus dem Erzgebirge sitzen in der Sonne, das "Kapelli" im Rücken und Riedenberg zu ihren Füßen. "Wir kommen wieder!", sagen die beiden Urlauber aus Sachsen. Doch um ein Haar hätten sie dann nicht mehr ohne Weiteres am Riedenberger Kapelli Rast machen können. Das Gelände war als Kernzone vorgesehen und für Kernzonen gelten strenge Regeln.

Doch was sind Kernzonen überhaupt? Die Rhön trägt den Titel "Unesco-Biosphärenreservat" und mit dieser Marke wirbt die Region um Touristen. Nun müssen aber in jedem Biosphärenreservat drei Prozent als Kernzonen ausgewiesen sein. Aus diesen Flächen soll sich der Mensch zurückziehen, so dass sich die Natur in ihrer ursprünglichen Form entwickeln kann.

Im bayerischen Teil der Rhön fehlten noch einige Kernzonen. Außerdem soll das Biosphärenreservat in Zukunft erweitert werden. Wird das Gebiet aber größer, so müssen auch mehr Flächen als Kernzone erklärt werden. Die Suche nach geeigneten Gebieten sorgte im Altlandkreis für zum Teil heftige Diskussionen.

Überblick über die Kernzonen

Zeitlofs ist als einzige Gemeinde der Rhön-Allianz nicht von der Ausweisung von Kernzonen betroffen. In Schondra ist ein Gebiet am Schildecker Berg vorgemerkt. "Dort gibt es Teile einer alten Burgruine", sagt Bürgermeister Bernold Martin (CSU). Der Gemeinderat hat darum gebeten, dass der Zugang erhalten bleibt. In Geroda sollen Flächen im Staatsforst zwischen Platzer Kuppe und Würzburger Haus Kernzone werden. "Ein paar private Grundbesitzer sind mit ihren Zufahrtswegen betroffen", sagt Bürgermeister Manfred Emmert (FWG). Für die Gemeinde gebe es aber keine Einschränkungen.

Auf der Gemarkung Motten sollen mehrere Flächen als Kernzone ausgewiesen werden: Konkret geht es um Staatsforst in den Bereichen Hohe Kammer, Lachsgrund und bei der Grenzwaldbrücke. Die Diskussion um sei "soweit unkompliziert" gewesen, sagt Bürgermeister Jochen Vogel (CSU).

Anders ist es in Oberleichtersbach. Der Plan, Flächen am Dreistelz als Kernzone auszuweisen, sorgte im Gemeinderat für Zündstoff. Das Gebiet gehört dem Freistaat Bayern, so dass der Gemeinderat nichts gegen die Ausweisung unternehmen konnte. Der Rat lehnte es aber ab, zusätzlich eigene Flächen einzubringen.

Rat will Stadtwald behalten

Auch der Bad Brückenauer Stadtrat weigerte sich, 30 Hektar Stadtwald im Bereich Gänsrain einzubringen. "In diesem Wald gibt es wunderschöne Wanderwege und hochwertiges Nutzholz", erklärt Dieter Seban, dritter Bürgermeister (CSU), die Entscheidung. Allerdings werden im Gebiet von Brückenau trotzdem drei Kernzonen im Staatsforst ausgewiesen: im Römershager Forst West und anschließenden Fondsberg, um den Pilster herum und im Römershager Forst Nord zwischen der Autobahn und dem Truppenübungsplatz.

Am ärgsten hat es aber den Oberen Sinngrund erwischt. "Wir sind umzingelt von Kernzonen", sagt Robert Römmelt, Bürgermeister von Riedenberg (SPD). Nun ist es so, dass die Gemeinden Riedenberg und Wildflecken schon Kernzonen auf ihren Gemarkungen haben, die schon viele Jahre als solche ausgewiesen sind - zum Beispiel am Lösershag. So stimmten die beiden Gemeinderäte auch dagegen, eigene Flächen als neue Kernzonen zur Verfügung zu stellen. Für Verstimmung sorgte aber, dass im Bereich des Staatsforstes ungünstige Kernzonen vorgeschlagen wurden - etwa unmittelbar am Ortsrand von Oberwildflecken, bei der Rhönklub-Hütte Oberbach und eben am Riedenberger Kapelli.

Post ist auf dem Weg

In den vergangenen Monaten hatte die Regierung von Unterfranken alle Hände voll zu tun, um die Einwände der Kommunen zu bearbeiten. Laut der Pressestelle sind die Antwortschreiben in der vergangenen Woche verschickt worden. In Wildflecken ist der amtliche Brief schon angekommen. "Wir sind im Großen und Ganzen zufrieden", sagt Dieter Feller, Geschäftsleiter des Marktes Wildflecken. Den Forderungen in Oberwildflecken wurde weitgehend entsprochen, die Fläche wurde reduziert. Auch bei den Zufahrtswegen zur Rhönklub-Hütte Oberbach hat die Regierung reagiert und die Nutzung der Zufahrtswege zugesichert.

Und das Kapelli? Laut den Angaben der Pressestelle werden 1,7 Hektar rund um das kleine Gotteshaus aus der Kernzone herausgenommen. Bärbel Unger und Klaus Wagler können also wiederkommen.