Seit er es kann, ist David Hillenbrand ein begeisterter Leser. Fantasy und Action sind seine Lieblings-Genres. "Hauptsächlich Bücher, die mit Magie zu tun haben", sagt er. Gerne dürfen es auch ganze Serien sein, die Harry-Potter-Bücher kennt er alle. Mit einem Auszug aus "Die Insel der Abenteuer" von Enid Blyton ist er beim Regionalausscheid des Lesewettbewerbs angetreten. Theoretisch hätte er unendlich viele Versuche gehabt. Aber er reichte den ersten Videoclip ein und hat prompt damit gewonnen.

David Hillenbrand wohnt in Haard und besucht die Klasse 6a am Münnerstädter Johann-Philipp-von-Schönborn-Gymnasium. Der Vorlesewettbewerb ist immer für die 6. Klassen vorgesehen. Der Schulwettbewerb, den David für sich entscheiden konnte, fand im Dezember noch am Gymnasium statt, aber dann kam der zweite Lockdown. So hat er sich daheim auf den Regionalwettbewerb vorbereitet. Dazu musste ein kleiner Videofilm gedreht werden, der aus zwei Teilen besteht. "Ich musste mit Gedanken machen, wie ich das Buch vorstelle", sagt er. Schließlich wollte er nicht ins Stottern kommen und möglichst auch keine "ähh" benutzen. Die ersten anderthalb Minuten muss ein Wettbewerbsteilnehmer das Buch und den Autor vorstellen. Dann muss er drei Minuten aus dem Buch vorlesen.

Lesen mit System

David hat ein System. Wenn er ein Buch liest, aus dem er bei einem Wettbewerb vortragen möchte, merkt er sich besondere Abschnitte. "Am Anfang sind es mehrere Stellen, die ich cool finde", sagt er. Dann wird aussortiert, am Ende bleibt nur eine übrig.

Sein Vater hat den Videoclip aufgenommen. Während normalerweise die Teilnehmer bei einem Wettbewerb vor Ort nur einen Versuch haben, sah das diesmal ein wenig anders aus. David hätte Hunderte Clips aufnehmen und den besten daraus auswählen können. Den ersten fand er schon richtig gut, aber seinem Vater hat das Licht nicht so recht gefallen, sagt er. Darum haben sie einen zweiten Clip gedreht, um sich letztlich doch für den ersten zu entscheiden. Dann hat er das Video an die Jury geschickt.

Weil der Vorlesewettbewerb trotz Homeschoolings über die Schulen läuft, hat Alexander Gensler, Fachlehrer Deutsch am Schönborn-Gymnasium, als erster von Davids Sieg im Regionalwettbewerb erfahren.Das bedeutet, das er den Landkreis beim Bezirksentscheid am 7. April vertreten darf. Dann wird er aus dem Buch "Die Chroniken von Mistle End" von Benedict Mirow lesen.

"Ich bin ein begeisterte Leser", sagt David Hillenbrand. In der Schule habe ihm Lesen immer Spaß gemacht. Das gilt nicht für alles. "Aufsätze schreiben sind nicht so meins." Da hält er sich lieber an Bücher, die er sich beispielsweise in der Nüdlinger Bücherei ausleiht. Offensichtlich ist ihm die Freude am Lesen in die Wiege gelegt worden. "Meine Mutter liest gerne und viel", sagt er.

Fehlerfrei lesen genügt nicht

Über Davids Erfolg beim Wettbewerb freut sich natürlich auch das Schulteam. "Ich bin selbst Deutschlehrer, und so begeistert mich ganz besonders, wenn sich jemand für das alte Medium Buch entscheidet", sagt Schulleiter Peter Rottmann. "Jemand, der in einem Regionalwettbewerb gewinnt muss ein Ausdrucks- und Darstellungsvermögen haben." Es reiche nicht aus, fehlerfrei zu lesen. Da müsse man den Text manchmal inszenieren. "Ich freue mich für David, dass er gewonnen hat", sagt Peter Rottmann. "Es ist ein persönlicher Erfolg für ihn und das Vermitteln von Lesen in der Schule."

Nach drei Monaten war David nun erstmals wieder im Unterricht am Schönborn-Gymnasium. Er fällt ein eindeutiges Urteil: "Schule ist schon besser als Homeschooling."