Wegen Misshandlung einer Schutzbefohlenen musste sich jetzt ein Vater vor dem Bad Kissinger Schöffengericht verantworten. In drei juristisch nachweisbaren Fällen hatte er seine Tochter so hart geschlagen, dass die Staatsanwaltschaft ihm "erhebliche Schädigung des Körpers der Minderjährigen mit Störung ihres Entwicklungsprozesses" vorwarf. Nach Würdigung aller Sachverhalte und Anhörung der Zeugen wurde der Tatbestand allerdings in gefährliche Körperverletzung gemildert und der 40-Jährige zu neun Monaten auf Bewährung sowie zu einer Geldauflage von 1500 Euro zugunsten der Tochter verurteilt zuzüglich aller Gerichts- und Anwaltskosten.

In der über viereinhalbstündigen Verhandlung, während der sowohl die geschädigte Tochter als auch die inzwischen geschiedene Ehefrau und ein Schulsozialarbeiter als Zeugen aussagten, wurde deutlich, dass der Angeklagte, der alle drei Taten aus dem Jahr 2018 in der Verhandlung eingestand, mit der Erziehung seiner drei Kinder, vor allem aber mit der pubertierenden Ältesten, überfordert war. Hinzu kam die zunehmende Zerrüttung der Ehe, die schließlich 2019 ein Jahr nach der Trennung mit Scheidung endete.

Vater schlägt Tochter - aus Überforderung

In einem Fall hatte der Angeklagte im Sommer 2018 seiner Tochter aus nächster Nähe seinen schweren Geldbeutel ins Gesicht geworfen, da sie ihm zu langsam die Treppe herunterkam. Die Tochter erlitt eine Prellung im Gesicht. Ein anderes Mal hatte er sie am Arm gewaltsam vom Balkon ins Zimmer gezerrt, dann den Griff plötzlich gelöst, so dass die Tochter mit dem Kopf auf die Lehne einer Couch aufschlug und sich verletzte. Im dritten Fall hatte er seine Älteste derart geschlagen, dass diese unter den Schreibtisch stürzte und sich Beulen schlug. Im Verfahren wurde deutlich, dass alle Gewaltausbrüche des Vaters, der berufsbedingt nur am Wochenende zuhause war, auf Nichtigkeiten beruhten, er sich aber nach Widerworten der Tochter und bedingt durch Familienstress dazu hinreißen ließ.

Nach Abschluss der Beweisaufnahme stellte der Vorsitzende Richter fest, dass es zum Angeklagten keinen Eintrag im Bundeszentralregister gibt, er also nicht vorbestraft ist, und nach bisheriger Rechtsprechung, so sein Hinweis an den Staatsanwalt, in diesen drei Fällen keine rohe Misshandlung einer Schutzbefohlenen vorliegt, sondern "allenfalls gefährliche oder vorsätzliche einfache Körperverletzung".

Obwohl der Angeklagte die Taten zwar im Ergebnis bestätigt, aber jegliche Absicht verneint und seine Taten als Affekthandlungen entschuldigt hatte, sah der Staatsanwalt doch mindestens den Wurf mit dem Geldbeutel "an der Grenze zur rohen Misshandlung". Angesichts der psychischen Folgeschäden bei der Tochter forderte er für die gefährliche Körperverletzung in Tateinheit mit Misshandlung im ersten Fall sowie einfacher Körperverletzung in den beiden anderen eine Gesamtfreiheitsstrafe von einem Jahr und drei Monaten auf zweijährige Bewährung sowie eine Geldauflage von 1500 Euro zugunsten der Geschädigten. Der Nebenkläger schloss sich als Vertreter der Minderjährigen dieser Forderung an, kritisierte aber die Versuche des Angeklagten zur Verharmlosung seiner tätlichen Übergriffe. "Es fehlt ihm an jeder Wahrnehmung für das, was er tut."

"Verantwortung missbraucht": Gewalttätiger Vater erhält Bewährungsstrafe

Die Verteidigerin bestätigte zwar das Fehlverhalten ihres Mandanten, war aber nicht mit der Schärfe des Vorwurfs der Staatsanwaltschaft einverstanden. Sie vertraue der Schilderung des Angeklagten. Deshalb beantragte sie die Verurteilung zu einer Geldstrafe von 80 Tagessätzen wegen einfacher Körperverletzung. "Ein Geldbeutel ist keine schwere Waffe." Wenn auch mit milderer Strafe von nur neun Monaten, folgte das Schöffengericht in seinem Urteil dem Antrag und den Begründungen des Staatsanwalts.

Ein schwerer Geldbeutel sei sehr wohl eine gefährliche Waffe und die Gefahr von Verletzungen habe der Angeklagte billigend in Kauf genommen. "Doch eine Misshandlung im Sinne des Gesetzes sehen wir in allen drei Fällen nicht", betonte der Vorsitzende in seiner Urteilsbegründung. Auch das Gericht lastete dem Angeklagten "eine Neigung zur Verharmlosung" an. "Sie haben die Verantwortung als Erziehungsberechtigter missbraucht", warf der Richter dem Angeklagten vor und zitierte den amerikanischen Schriftsteller Isaac Asimov: "Gewalt ist die letzte Zuflucht des Unfähigen." Die Aussetzung der Strafe zur Bewährung wurde mit einer günstigen Sozialprognose begründet: Der Angeklagte war nicht vorbestraft und lebt inzwischen getrennt von der Familie. "Die Strafe scheint uns der Schuld und Tat angemessen zu sein."