Ebenhausen

Bald mehr Platz für die Kinder in Ebenhausen?

Volle Warteliste: Ginge es nach den Anfragen, könnten im Kindergarten Ebenhausen doppelt so viele Krippen-Kinder betreuen. Aber: Die Räume fehlen.
Bekommt der Kindergarten Ebenhausen bald einen Anbau, um mehr Kinder betreuen zu können? Maßgeblich soll die Diözese diese Entscheidung treffen. Die will von dem Antrag gar nichts wissen. Foto: Carmen Schmitt
Bekommt der Kindergarten Ebenhausen bald einen Anbau, um mehr Kinder betreuen zu können? Maßgeblich soll die Diözese diese Entscheidung treffen. Die will von dem Antrag gar nichts wissen. Foto: Carmen Schmitt

Die Gemeinde Oerlenbach möchte ihren Bürgern mehr Krippenplätze bieten. Vor drei Monaten hatten sich die Räte darauf geeinigt: Im Action-Kindergarten in Ebenhausen sollen Eltern bald noch mehr ihrer Jüngsten betreuen lassen können. Dieser Kindergarten in der Gemeinde eigne sich am ehesten, wenn die angespannte Lage in der Betreuung der Kleinkinder schnell gelöst werden soll, meinen die Räte. In ihrer ersten Sitzung im neuen Jahr wurde deutlich, dass die Gemeinde an ihrem Plan festhält. Auch wenn der Markt den größten Teil der Rechnung übernehmen würde, ob und wann daraus etwas werden könnte, hat jemand anders zu entscheiden.

Vier Kindergärten gibt es in der Gemeinde Oerlenbach: der "St.-Burkard Kindergarten" in

Oerlenbach, der "Kindergarten St.-Dionys" in Rottershausender Kindergarten "St.-Martin" in Eltingshausen, und der "Action-Kindergarten" in Ebenhausen. Drei der vier Tagesstätten haben einen kirchlichen Träger. Zuschüsse laufen über die Diözese Würzburg. Den Oerlenbacher Kindergarten verwaltet die Gemeinde selbst.

Kindergarten Ebenhausen: Das Gebäude, die Liegenschaft, gehört der Kirchenstiftung. Kontrolle über die Kirchenstiftung hat die Kirchenverwaltung Ebenhausen. Die Kirche unterstützte Anfang der 70er-Jahre den Kindergarten-Verein als sie das Grundstück kaufte und den Bau finanzierte. Vor 45 Jahren wurde der Kindergarten eröffnet. Kirchenverwaltung und Kindergarten-Verein haben im vergangenen November den Antrag nach Würzburg geschickt, berichtet Benedikt Keßler, Gemeinderat und Vorsitzender des Kindergarten-Vereins. Seither: nichts. "Auf mehrfache Rückfrage kam nichts zurück", sagt Benedikt Keßler. Aus Würzburg meldet ein Sprecher auf Anfrage dieser Zeitung, dass bisher gar kein Antrag eingegangen sei. Daniela Koch, Leiterin des Kindergartens, bleibt nichts anderes übrig, als die zwei Dutzend Mamas und Papas zu vertrösten, die derweil auf der Warteliste ausharren.

Eltern unter Druck

Daniela Koch würde den Eltern gerne mehr sagen können, erzählt sie. "Wir wollen lieber heute Bescheid wissen als in einem halben Jahr." Sie versteht die Eltern, die immer wieder bei ihr anklopfen und nach Betreuungsplätzen fragen, sagt die 47-Jährige. "Die Arbeitgeber drängen." 13 Kinder hat sie bisher auf die Warteliste für die Krippenplätze gesetzt. Sie hat so viele Nachfragen, dass sie und ihr Team im nächsten Kindergartenjahr, ab dem Herbst, zwei statt bisher eine Krippen-Gruppe anbieten könnte. Die reguläre Gruppe mit zwölf Plätzen ist längst ausgebucht. "Die Eltern, die wieder arbeiten wollen oder müssen, stehen unter Druck."

Wie es dazu kommen kann, dass Betreuungsplätze für die Jüngsten andernorts frei bleiben - wie im Ortsteil Rottershausen - kann Daniela Koch nachvollziehen. "Eltern wollen, dass ihre Kinder später auch mit den Kindern aus dem Ort in die gleiche Schule gehen."

Die Gemeindeverwaltung kalkuliert mit einer knappen halben Million, die eine zusätzliche Krippengruppe kosten würde. Zwei Drittel der Rechnung zahlt die Gemeinde. Die Zeit läuft: Noch bis zum Sommer könnte sie zusätzliche Förder-Programme anzapfen.

Bei ihrem eigenen Kindergarten wollen sich die Oerlenbacher zunächst zurückhalten. Im Herbst wollen die Gemeinderäte neu darüber entscheiden, ob und in welchem Umfang ein Kindergarten andernorts aufgestockt werden könnte. Solange will die Gemeinde den Bedarf beobachten. Der sei schwerlich vorauszusehen, meint Bürgermeister Franz Kuhn (CSU). Neue Baugebiete gleich mehr Familien mit Kindern? Diese Frage wird in der Runde diskutiert. Schließlich wird in Ebenhausen fleißig gebaut. Nicht unbedingt, meint Bürgermeister Kuhn. Erfahrungsgemäß wohnen die Häuslebauer mit ihren Kindern schon jetzt in der Gemeinde.

Walter Vierheilig (Bürgerblock Oerlenbach) hat Bedenken, dass das Projekt "Kindergarten-Anbau" zügig vorangeht: "Wenn wir schnell reagieren wollen, dann nur auf eigenem Grund."

Obwohl sich das Bistum Würzburg laut eigenen Meldungen derzeit in einer "schwierigen finanziellen Situation" befindet, hofft Benedikt Keßler auf Unterstützung. "Unsere Kirchenverwaltung sagt, ohne Würzburg können wir nichts machen." In einer Meldung Ende November kündigte das Bistum "harte Einschnitte bei Baumaßnahmen" an. Benedikt Keßler hofft auf eine Ausnahme: "Die Erweiterung ist eine Notfallmaßnahme." Von dieser Maßnahme will in Würzburg aber niemand etwas wissen: "Nach Auskunft der bischöflichen Finanzkammer liegt derzeit kein Antrag auf Erweiterung des Kindergartens um zwölf weitere Krippenplätze vor", heißt es von der Pressestelle des Bistum Würzburg auf Anfrage. Benedikt Keßler ist bisher weder per Telefon noch persönlich in Würzburg zu den Entscheidern durchgedrungen, erzählt er. "Die Frustration im Vorstand ist außerordentlich groß. Man fühlt sich alleingelassen."

Es bleibt vorerst kuschelig im Kindergarten Ebenhausen: Die Kinder schlafen, essen und spielen im Gruppenraum, erzählt Daniela Koch. "Wir möchten dass der Anbau kommt, auch damit die Kinder mehr Ruhe haben." Gemeinde und Vorstand seien dahinter, sagt sie. "Es hängt jetzt an anderer Stelle."

Bauen Die Gemeinderäte winken Anträge und Voranfragen ohne Bedenken durch: In Ebenhausen soll der Keller eines Einfamilienhauses erweitert werden. Wo schon früher eine Garage stand, soll auf einem Anwesen in Oerlenbach eine neue entstehen. In Ebenhausen durfte ein Pferdeunterstand gebaut werden. Der Faschingsclub überlegt, in unmittelbarer Nähe zum bestehenden ein neues Tanz- und Musikheim zu bauen.

Feuerwehr Die Freiwillige Feuerwehr Oerlenbach hat sich für eine günstigere Lösung entschieden: Anstelle eines Anhängers, der bei Autobahn-Einsätzen der Feuerwehrleute zum Schutz hinter dem letzten Fahrzeug aufgestellt werden kann, sollen es zunächst Pfeile zum Aufkleben tun. Inklusive neuen Pumpen und weiterem Zubehör hat die Gemeinde 7000 Euro in Equipment der Feuerwehr investiert. bcs