Da hat er sich kurzerhand für die Gästedienstleistung entschieden. Am Freitag hat er seinen letzten Arbeitstag, danach beginnt die "Sofaphase" des Vorruhestands.
Am Anfang war er vor allem draußen eingesetzt, zum Beispiel bei den Absperrungen während des Kurkonzerts: "Da ist mir ein Licht aufgegangen, welch guten Ruf Bad Kissingen bei den Gästen hat." Das hat er später noch verstärkt erlebt, als er mit den Führungen durch die Kuranlagen und durch die Stadt begonnen hatte und als er Bad Kissingen auf den großen Messen repräsentiert hat.

Im Winter standen dann immer Polsterarbeiten im Vordergrund. Es gibt so gut wie keinen Stuhl im Regentenbau - einschließlich des Großen Saals - den Albin Markert nicht in der Kur gehabt hätte.
Später saß er dann mehr am Schreibtisch, als er Chef der Kurwarte geworden war und jetzt für die Veranstaltungskoordination und Personaleinteilung zuständig war: "Aber das habe ich auch sehr gerne gemacht - vor allem, wenn man so ein Team hat, das hochmotiviert und zuverlässig ist."

Beständigkeit im Wechsel

Man weiß, was er meint, wenn man beispielsweise einmal erlebt hat, was es bedeutet, den Großen Saal im Kissinger Sommer nach dem Eröffnungskonzert bis zum frühen Morgen so für den Rosenball umzustellen, dass dann die Gärtner mit dem Dekorieren beginnen können. Und wenn gleichzeitig der Rossini-Saal, in dem ein anderes Orchester geprobt hat, wieder für den Konzertbetrieb hergerichtet werden muss. "Das bedeutet 100-prozentige Nachtschichten. Aber da bleibt auch jeder, bis alles fertig ist." Die Überstunden können allerdings erst im Winter abgefeiert werden.

Vier Kurdirektoren und zwei Kurdirektorinnen hat Albin Markert in den fast 33 Jahren erlebt: Walter Rundler, Detlev Janetzek, Sigismund von Dobschütz, Annette Kratz, Gunter Sauer und zuletzt kommissarisch Andrea Schallenkammer. Ob er zu allen einen Satz sagen könnte? "Nein, lieber nicht." Da schweigt des Kurwarts Höflichkeit. Aber dann lässt er doch durchblicken, dass ihm die raschen Wechsel nicht sonderlich gut gefallen haben, dass er sich mehr Kontinuität gewünscht hätte. Ein bisschen tut es Albin Markert schon leid, dass er Frank Oette, den neuen Mann an der Spitze der Staatsbad, nicht mehr erlebt. "Aber ich habe ihn vor ein paar Wochen durch die Kuranlagen geführt. Er war ziemlich beeindruckt."

Die größten Einschnitte bedeuteten allerdings Anfang der 90er Jahre die Auswirkungen des Gesundheitsreformgesetzes: "Das hat für unseren Kurort enorme Einbußen gebracht." Damals ist innerhalb von kurzer Zeit die Zahl der Übernachtungen von 1,9 auf 1,5 Millionen abgerutscht. "Damals hat sich sehr deutlich gezeigt, dass ein Ort mit einer lange gewachsenen Tradition die Situation besser verkraftet hat." Was Bad Kissingen damals richtig gemacht habe, sei gewesen, die Standards zu halten - bei den Veranstaltungen und bei den Kuranlagen: "Es war für die Privatgäste wichtig, dass sie die Folgen nicht spüren."

Lautloser Übergang

Relativ lautlos war dagegen der Übergang von der Kurverwaltung zur Staatsbad - zumindest für den einzelnen. Zwar wurde damals niemandem gekündigt, aber viele aus Altersgründen frei werdende Stellen wurden nicht mehr besetzt: "Das hat zu einer starken Arbeitsverdichtung geführt." Da musste man schon aufpassen, dass es für den einzelnen nicht zu viel wurde. Aber man habe auch Synergien schaffen wollen, meint Albin Markert. Und er findet es auch richtig und gut, dass Stadt und Staatsbad im Moment enger zusammen rücken.

Wenn Albin Markert heute abend heimgeht, dann zieht er die Tür nicht endgültig zu: "Zumindest die Gästeführungen werde ich noch so lange machen, wie es geht."