Seit Ausbruch der Corona-Pandemie standen sie bundesweit quasi Gewehr bei Fuß: Soldatinnen und Soldaten der Bundeswehr. Im Dezember 2020 traten sie auch in Bad Kissingen ihren Dienst an. Anfangs aus Volkach und derzeit Mittenwald erfüllten sie in diversen Teams des Gesundheitsamtes, auf der Teststrecke in Oerlenbach und seit Juni im Impfzentrum in Bad Kissingen ihre Pflicht.

Egal ob Schnee, Eis, Regen oder Sonnenschein, die Truppe stand pünktlich bereit.

Morgens um 8 Uhr, ausgestattet mit einer Brotzeittüte und Obst, trat die Truppe der 18- bis 35-Jährigen täglich ihren Dienst an. Unter den strengen Augen von Oberfeldwebel Marcel Krucker, der in den letzten drei Wochen die Soldaten des Gebirgsjägerbataillon 233 aus Mittenwald leitete, liefen die rund 20 Helfer in den Endspurt ihrer Zeit in der Kurstadt.

Eines ist sicher: Ohne blank geputzte Stiefel und eine aufgebügelte Tarnuniform samt Mütze geht bei der Bundeswehr gar nichts. Im Kampf gegen das Virus zählten zudem noch Einweghandschuhe, Maske und Desinfektionsmittel zur kompletten Ausstattung dazu. Wochenweise oder im Schichtdienst an unterschiedlichen Tagen rückte die Unterstützung an, sodass auch am Wochenende helfende Hände parat waren.

Flexible Anpassung

"Das waren fantastische Menschen, die in Höchstgeschwindigkeit die aktuelle Situation erfasst haben und sich flexibel an die ständig ändernden Quarantänebedingungen anpassen konnten", sagt Dörte Jentsch, Leiterin des CTT im Gesundheitsamt in Bad Kissingen, über die Arbeit der Bundeswehr in ihrer Abteilung. CTT steht für Contact Tracing Team und beinhaltet alle Arbeiten rund um die Ermittlung und Nachverfolgung von Corona-positiv getesteten Personen und deren Kontaktpersonen.

Zudem übernahm die Truppe, die seit Anfang Dezember das Gesundheitsamt verstärkt, auch Telefondienst des werktäglichen Quarantänetagebuchs. "Personen mit positiven Befunden werden telefonisch kontaktiert, ihre Daten und mögliche weitere Kontaktpersonen ermittelt", beschreibt Jentsch das Vorgehen. So fragten die Helfer und Helferinnen a in Uniform auch den aktuellen Gesundheitsstatus der in Quarantäne Befindlichen ab, wie deren Symptomentwicklung.

Mit Fingerspitzengefühl

Die Arbeit erfordere viel Fingerspitzengefühl und Einfühlungsvermögen, führt Jentsch aus. Sie beschreibt die Erfassung wie einen zunächst dunklen Raum, den man betritt. Es braucht in dem einen Fall vielleicht nur eine Taschenlampe um diesen Raum zu erhellen, manchmal sind verschiedene Lampen notwendig, um alle Nischen und Winkel auszuleuchten - so individuell stellen sich die Situationen dar, die am Telefon besprochen werden.

Auch beim werktäglichen Kontakt durch das Quarantänetelefon ist es selten mit einer Frage nach dem Befinden getan. "Hier braucht es ein offenes Ohr und Herz für die Sorgen und Nöte der Menschen. Das haben die Jungs richtig gut hingekriegt", lobt Jentsch.

Die schönste Aufgabe von allen war es aber, die Betroffenen aus der Quarantäne zu entlassen - natürlich in enger Zusammenarbeit mit den Ärzten und Ärztinnen des Gesundheitsamtes.

Stets mit einem Lächeln

Ein Lächeln für die Menschen hatten die Soldatinnen und Soldaten auch in stressigen Zeiten immer parat - für die Besucher des Impf- und Testzentrums genauso, wie für das Team des Landratsamtes. Darunter auch Katharina Edelmann, stellvertretende Verwaltungsleiterin des Impfzentrums in Bad Kissingen. "Wir haben sehr gut zusammengearbeitet", fasst sie die Zeit zusammen, "ein Hand in Hand-Vorgehen ist für einen reibungslosen Ablauf gerade hier im Impfzentrum von enormer Bedeutung." Dies bestätigt auch Krucker und fügt hinzu, dass seine Jungs sich "sehr gut aufgenommen" gefühlt hätten.

Am 30. Juli endet die im Grundgesetz geregelte Amtshilfe der verbliebenen Soldaten in der Kurstadt. "Einen guten Heimweg und hoffentlich dann Sommerurlaub", wünschte Landrat Thomas Bold beim Abschied. "Jetzt haben Sie auch eine andere Vorstellung, was Bundeswehrdienst sein kann. Der eine mag es als angenehme Abwechslung gesehen haben, der andere als normale Pflicht, für uns war es auf jeden Fall wichtig, dass Sie uns unterstützt haben", dankte Bold den Soldaten.

Unterkunft fanden die Soldaten und Soldatinnen zunächst im Campus der ehemaligen Kaserne und jetzt für die letzten Tage in einem kleinen Bad Kissinger Hotel. "Manche fuhren am Wochenende oder an den freien Tagen heim, andere blieben und erkundeten die Gegend", berichtet Krucker. "Schön hier! Ich fahre bestimmt wieder her", zieht er Bilanz und lobt die gute Zusammenarbeit mit dem Landratsamt.