Die Hilfe aus dem Altlandkreis Bad Brückenau für die Betroffenen der Flutkatastrophe im Westen Deutschlands reißt nicht ab: Während die Bad Brückenauerin Claudia Wawerzinek am vergangenen Samstag Plätzchen, Christstollen und Geschenkpäckchen nach Ahrweiler brachte, hatte sich eine Woche zuvor auch Alexander Morber aus Schönderling mit Harald und Christian Schüßler, seinem Onkel und seinem Cousin, in Richtung Ahrtal aufgemacht. Sie brachten Futter und Baumaterial in die Region - genauer ins Futterspendenlager Gut Lindenhof und zum Baustoffzelt Kaiser in Walporzheim.

Er habe ursprünglich nur etwas spenden und über seinen Cousin und dessen Vater einen Fahrdienst an einen Helfer aus dem Sinntal vermitteln wollen, erinnert sich Morber. Dieser hatte jedoch bereits einen Fahrer gefunden. Daraufhin hätten sie sich ein bisschen umgehört und kurzerhand entschieden: "Wir probieren es selber." Im Bekanntenkreis fragte er bei Landwirten nach Futterspenden. Auch nach Baumaterial erkundigte er sich im Altlandkreis, was sich etwas schwerer gestaltete, da dieses aktuell ja ohnehin schon knapp ist.

Mit zwei vollen Lkw ins Ahrtal

Doch auch hier kam wie beim Futter einiges an Material zusammen. "Das war richtig, richtig super", freut sich Morber im Nachhinein. Zwei Tage hatte er sich Urlaub genommen, um beim Verladen der Spenden zu helfen. "Da hab ich erst gedacht: Oh, der zweite Lkw wird gar nicht voll, und war schon fast ein bisschen geknickt", erzählt er. Durch die Statusmeldungen (etwa bei WhatsApp) der Leute, die schon gespendet hatten, fühlten sich dann aber doch noch so viele zum Helfen berufen, dass am Ende beide Fahrzeuge "gestopft voll" waren.

"Es ging gar nichts mehr rein. Das war perfekt. Es hätte nicht besser laufen können", sagt Morber. Aus folgenden Orten trafen Spenden ein: Schönderling, Schondra, Einraffshof, Geroda, Platz, Modlos, Breitenbach und Züntersbach. Auch die Firma Hanse Haus spendete Baumaterial. Schüßler Transporte übernahm die Fahrt und den Transport ins Ahrtal.

Gigantische Spendenbereitschaft, immenser Bedarf

Die Eindrücke von dort haben sich bei Morber eingeprägt. "Viele haben gar kein Haus mehr oder haben sich irgendwie ein Zimmerchen zurecht gemacht mit einem kleinen Ofen", erzählt er. Die Leute seien nach einem halben Jahr "total verbraucht". "Es fehlen komplette Straßen, Bahnschienen hängen in der Luft. Wir haben ein Fachwerkhaus gesehen, da standen nur noch die Balken", schildert Morber weiter. Das Ganze habe ihn schon ein bisschen mitgenommen.

Aber die Spendenbereitschaft sei gigantisch. Wenngleich der Bedarf noch immer immens ist. "Ich dachte am Anfang: Boah, das ist ja eine Riesenspende. Als wir unten waren, wurde mir klar: Das reicht bei Weitem nicht", sagt Morber. Im Baustoffzelt habe er eine Frau getroffen, die als Masseurin angereist ist, um den Helfern vor Ort zu helfen, die von den schweren Aufräumarbeiten abgekämpft sind. Da sei ihm klar geworden: "Es ist echt egal, was man kann, aber jeder kann helfen."

In zweieinhalb Stunden war alles weg

Bis obenhin bepackt war auch die Helfergruppe um Claudia Wawerzinek, als sie sich ins Ahrtal aufmachte. "Der Hänger war bis oben voll. Uns sind die Christstollen beim Aufmachen schon entgegengekommen", erzählt sie und lacht. 20 Umzugskisten mit Plätzchen, zahlreiche Geschenkpäckchen und -tüten sowie 225 Christstollen "oder mehr" verstauten die Helfer in besagtem Hänger und mehreren Fahrzeugen. Innerhalb von zweieinhalb Stunden war alles weg. "Die Leute kamen aus dem ganzen Ahrtal - von oben bis ganz unten", sagt Wawerzinek. "Es war ein totaler Erfolg. Besser ging's nicht."

Ein großes Dankeschön richtet die Organisatorin an die Bäckerei Schmitt aus Bad Neustadt, die Bäckerei Happ aus Neuhof und die Bäckerei Müller aus Mottgers. Ihr Dank geht auch an die Nonnen aus dem Mutterhaus der Barmherzigen Schwestern in Fulda. "Und an die vielen, vielen Leute, die selbst gebacken oder etwas gekauft haben. Auch für die vielen Geschenke", sagt Wawerzinek.

Sie habe am Ende so viel in ihrer Wohnung gehabt, dass ihr Mann gesagt habe, sie solle nichts mehr annehmen. Ein Kindergarten habe da aber zum Beispiel noch 48 Päckchen gebracht. "Ich kann doch die Leute dann nicht wieder wegschicken und sagen, ich nehm nichts mehr." Am Ende habe alles geklappt, und die Geschenke und das Gebäck kamen in vollem Umfang bei den Menschen im Ahrtal an.