Die Hitze ist groß. Bürgermeister Matthias Hauke (GMZ) steht am ehemaligen Bahnhof in Zeitlofs. Seit über 100 Tagen ist er im Amt. "Wie immer bei einem neuen Arbeitsplatz, ist sehr viel Neues und Unbekanntes auf einen zugekommen", beschreibt Hauke die Situation. Vor allem der neue Bereich Verwaltung habe dem gelernten Handwerker einiges abverlangt. Doch aufgrund der ausgefallenen Veranstaltungen "stand mir mehr Zeit für die Einarbeitung zur Verfügung".

Im Minutentakt fahren Radfahrer - alleine oder in kleinen Gruppen - auf dem beliebten Radweg vorbei. Nur wenige halten an, denn außer einer großen Kiesfläche mit geparkten Lastkraftwagen und einer verdorrten Wiese, die hauptsächlich als Hundeklo genutzt wird, gibt es hier nicht viel. Doch das soll sich bald ändern, wenn es nach dem Rathauschef geht.

Parkplätze und Einzelhandelsgeschäft mit Café

"Unsere Idee ist es, Parkflächen für Autos oder Wohnwagen zu bauen und beispielsweise ein Einzelhandelsgeschäft mit Café anzusiedeln", sagt Hauke und zeigt auf die Brache. Das ist ein Ergebnis aus dem Integrierten Städtebaulichen Entwicklungskonzept, kurz ISEK, das Zeitlofs in den vergangenen zwei Jahren erarbeitet und im Frühjahr auf den Weg gebracht hat. Diese Umgestaltung soll in den kommenden Monaten ein neuer Arbeitsschwerpunkt werden - neben der Sanierung der Grundschule sowie der Wasserversorgung.

Für das Bahnhofs-Projekt kann die Marktgemeinde ab sofort eine Förderung über das Städtebauförderprogramm "Kleine Städte und Gemeinden" erhalten, das der Freistaat Bayern gemeinsam mit dem Bund anbietet. Die Voraussetzung dafür war die aufwendige Voruntersuchung mit Standortanalyse, das ISEK. "Bei dem Programm geht es um Millionenbeträge, die als Förderung abgerufen werden können", erklärt Tobias Fritzmann, Geschäftsleiter der Marktgemeinde.

Von diesem Förderprogramm der Regierung von Unterfranken profitiert aber nicht nur die Gemeinde selbst, sondern auch Eigentümer, die im Sanierungsgebiet ein Haus erwerben und umbauen möchten. "Das ist die attraktivste Form der Förderung im Ortskern von Zeitlofs, denn die Sanierung kann steuerlich geltend gemacht werden", sagt Fritzmann.

Ziel sei es, den Ortskern auf lange Sicht aufzuwerten. Zusätzlich zur steuerlichen Abschreibung gebe es zukünftig noch eine kommunale Fördermöglichkeit für die Gestaltung des Eigenheims, fügt der Bürgermeister hinzu.

Nur Bad Brückenau noch dabei

Von allen Rhönallianzgemeinden profitiert außer Zeitlofs nur noch Bad Brückenau von dem Förderprogramm der Regierung. Dort wurde bereits vor zehn Jahren das ISEK ausgearbeitet. "Diese Vorarbeit als Voraussetzung für die Aufnahme in das Förderprogramm ist ein finanzieller Aufwand für die Gemeinden ", beschreibt Rhönallianzmanager Uwe Schmidt das Problem, warum bisher nur zwei Rhönallianzgemeinden im Förderprogramm dabei sind. Bis zu zwei Jahren könne es dauern und zwischen 50.000 und 100.000 Euro kosten.

Hürde ist aktuell zu groß

Auch Wildfleckens Bürgermeister Gerd Kleinhenz (PWW) hat ein solches ISEK angedacht, doch "haushalts- und coronabedingt ist das aktuell nicht machbar", sagt er. Genau wie er sehen auch andere Rhönallianz-Bürgermeister in dem Programm eine ausgesprochen gute Möglichkeit, der drohenden Verödung der Ortskerne entgegenzuwirken. Doch die Hürde ist aktuell zu groß. "Für uns wäre die Städtebauförderung ein wesentlicher Baustein zur Erhaltung der Ortskerne", pflichtet auch Riedenbergs Bürgermeister Roland Römmelt (CSU) bei.

Die Investition der Gemeinde in das ISEK habe sich gelohnt, ist sich Zeitlofs' Bürgermeister sicher. "Es ist wichtig, den Hauptort zu stärken, und die Gestaltung des Bahnhofsgeländes ist dabei nur der Anfang".

Hintergrund

Wo steht die Marktgemeinde Zeitlofs?

Großprojekte: Die Sanierung der Grundschule und der Wasserversorgung nehmen aktuell einen Großteil der Arbeitskraft in Anspruch. Die Umgestaltung der Brachflächen der ehemaligen Bahnhofsgelände in Zeitlofs und Rupboden kommen in den folgenden Monaten als Arbeitsschwerpunkte hinzu.

Umstrukturierung: Auch personelle Veränderungen in Bauhof und Verwaltung stehen an, "wo es viele Gespräche und Zeit braucht, um neue Strukturen und Abläufe zu erarbeiten", sagt Bürgermeister Matthias Hauke. Eine kleine, aber sehr wichtige Aufgabe sei es, die Gemeinde moderner und digitaler zu gestalten. Die öffentlichen Auftritte mittels Homepage und sozialen Netzwerken möchte Hauke verbessern, beziehungsweise einführen. Seit ein paar Wochen ist die Gemeinde bei BayernFunk angemeldet, einer App, in der man auf gemeindlicher Ebene wichtige Informationen und Meldungen schnell und einfach untereinander tauschen kann. Das soll die Kommunikation erleichtern.