Im städtischen Bauhof liegen sie, zugedeckt auf einem Wagen, und warten darauf, dass sie wieder aufgehängt werden. Die Rede ist von den Wappen der Bad Brückenauer Vereine und den nachgebildeten Zunftfiguren. Nur für ein Foto werden kurz aufgestellt, dann verschwinden sie wieder - vorerst auf unbestimmte Zeit. Doch was ist passiert?

Die Nachricht an einem stürmischen Donnerstagmorgen im vergangenen Oktober ließ aufhorchen: Der Zunftbaum am Marktplatz wurde umgeweht, der Holzstamm brach nahe der Verankerung ab. So ging es aus der Polizeimeldung hervor. Nur der Uhrzeit des Vorfalls in den frühen Morgenstunden ist zu verdanken gewesen, dass niemand verletzt wurde.

Feier zur Segnung

Auch wenn der Zunftbaum nicht unbedingt traditionell am 1. Mai aufgestellt wird, so wurde er doch meistens Ende April oder Anfang Mai von den kirchlichen Vertretern während einer Feier gesegnet. Die hiesigen Vereine nutzten die Gelegenheit für ein geselliges Beisammenkommen. Da solch ein großer Fichtenstamm auch "arbeitet", musste er regelmäßig geprüft und alle paar Jahre ausgetauscht werden. Und das kostet Geld.

In der Haushaltsdebatte Anfang April trat der Posten des Zunftbaumes dann wieder in Erscheinung. Der Zunftbaum sei "abhandengekommen und die Baumfrage dauert an", hieß es dort. Für arglose Zuschauer hörte sich das geheimnisvoll an, das Gremium hingegen schmunzelte. 12.000 Euro seien dafür im Haushalt reserviert. Weitere Details wegen des großen Betrages für einen Baum kamen dabei nicht auf den Tisch.

Stahlanfertigung

Erst die Nachfrage bei Dieter Seban (CSU), Dritter Bürgermeister, klärt die Situation auf. Er ist in Amt und Würden in Vertretung des Ersten sowie des Zweiten Bürgermeisters. "Wir werden es im Mai nicht schaffen", bestätigt er die Vermutung. Anstatt eines Holzstammes aus dem Brückenauer Stadtwald entschied sich die Verwaltung für einen Stahlbaum, damit so etwas wie im vergangenen Herbst nicht noch einmal passiere. "Es war eine Warnung, zum Glück ist nix passiert", betont Seban.

Ein Zunftbaum aus Stahl kann hingegen viele Jahre überdauern. Dafür soll eine Sonderanfertigung in Auftrag gegeben werden. Das könne aber erst passieren, wenn der Haushalt durch den Stadtrat abgesegnet wird. "Dafür müssen Angebote eingeholt werden und das dauert bekanntlich", erklärt Seban.

Tätsch´r beteiligt

Die vormalige Bürgermeisterin Brigitte Meyerdierks (CSU) führte in ihrer ersten Amtszeit im Jahr 2012 gemeinsam mit den hiesigen Vereinen den Zunftbaum wieder ein. Sie fand, die holzgeschnitzten Handwerksfiguren seien zu schade für das Museum. "In Südbayern gehört so ein Zunftbaum zum Brauchtum", erzählt sie. So erhielt der Baum mit den Orden eine neue Bedeutung auf dem Marktplatz.

"Der Tanz in den Mai war bisher immer ein schöner Anlass für das gesellige Zusammenkommen der Stadt", bestätigt der damalige Vorsitzende der Tätsch´r Axel Zeier. Der Verein war am Aufbau des ersten Fichtenbaumes vor zehn Jahren beteiligt.

An einem sonnigen Tag im Herbst, so hofft Seban nun, dürfen die Figuren dann wieder über die Stadt wachen. An sicherem Material befestigt sind sie dann für weitere stürmische Zeiten gerüstet.