Sein Besuch ist schon Monate her, doch noch immer denkt Roy Williams gern an den kleinen Abstecher nach Bad Brückenau zurück, den er und sein Freund Eric Pask im Sommer gemacht haben. Die beiden Freunde waren von 1986 bis 1991 als Soldaten der amerikanischen Streitkräfte in Wildflecken stationiert. Doch ihre Reise war mehr als eine bloße Erinnerungstour.

Blick auf den Sportplatz

Die beiden Männer widmeten ihre Europa-Reise ihren Frauen, die beide schon gestorben sind. Eric Pask verlor seine Frau vor zweieinhalb Jahren. Für Roy Williams war der Verlust noch frisch. Gerade einmal ein halbes Jahr war der Tod seiner Rhonda her, als er seinen Fuß wieder in die Rhön setzte. "Nach Bad Brückenau zu kommen war wie ein Nach-Hause-Kommen für mich", erzählt Williams über das soziale Netzwerk Facebook. Sogar das Haus, in dem das damals junge Paar gewohnt hatte, fand Williams wieder.

"Das Haus liegt in der Heimgartenstraße oberhalb vom Sportplatz. Von dort hat man eine überwältigende Aussicht auf die Berge", schreibt Williams. Seine Frau habe den Blick geliebt. "Viele Jahre habe ich ihr zugehört, wie sie unseren Freunden erzählt hat, wie schön es in Bad Brückenau ist und wie freundlich die Leute zu uns waren." "Die Rhön ist schön", habe Rhonda immer gesagt - obgleich sie kaum Deutsch habe sprechen können, erinnert sich der Amerikaner.

Wiedersehen nach 23 Jahren

Und dann kommt Roy Williams ins Erzählen. Er erzählt vom Stadtfest, das Eric und er nur aus Zufall mitbekamen. Am Morgen wachten sie noch in Paris auf, am Abend feierten sie auf dem Sinnauplatz mit den Brückenauern. Und auf jeder Station ihrer Reise machten sie Fotos und stellten sie ins Internet. So konnten Freunde und Familie zuhause in Texas jeden einzelnen Tag mitverfolgen.

Auf ihrer Tour durch die Stadt stießen sie dann auf das Haus, in dem Williams früher gewohnt hatte. "Das ist 23 Jahre her", erzählt er. Beim besten Willen habe er sich nicht mehr an den Straßennamen erinnern können. "Aber ich habe mich an den Weg nach Hause erinnert." Und dann sah er das Haus und ganz in Erinnerung versunken, legte er seine Hand an die Hauswand. "Da kam ein Mann raus, er hat sich wohl gewundert, was ich an seinem Haus zu schaffen habe", erzählt Williams.

Zu seiner eigenen Überaschung brachte der ehemalige Soldat ein paar Brocken Deutsch heraus. "Es tut mir leid", sagte er zu dem etwas verwirrten Mann. "Das ist mein Haus vor 23 Jahren. Ich bin ein amerikanischer Soldat aus Wildflecken." Dann sei eine Frau aus dem Haus gekommen: Anna Mohr. Sie erkannte Williams und lud die beiden Reisenden in ihr Haus ein. "Das war sehr emotional für mich", schreibt Williams.

Asche in der Rhön verstreut

Auch die Mohrs erinnern sich an den Besuch im Sommer. "Ich habe ihn nicht gleich erkannt. Damals war er sehr muskulös und hatte kurze Haare", erzählt Anna Mohr. Doch dann kommt die Erinnerung wieder und die beiden nehmen sich erst einmal in den Arm. "An seine Frau kann ich mich auch noch gut erinnern, ich habe ihr mal Kleider gekürzt", erzählt sie weiter.

"Sie hat uns Babysachen für unsere Tochter geschenkt", schreibt Roy Williams auf Facebook über seine ehemalige Vermieterin. Und dann schickt er ein Bild übers Internet, das den Blick vom Haus aus zeigt. "Er hat mit den Tränen gekämpft", erzählt Anna Mohr von dem kurzen Besuch, der für sie völlig unverhofft kam, ihr aber in Erinnerung geblieben ist. Die Familie Williams seien gute Mieter gewesen. Es habe ihr leid getan, als sie nach vier Jahren in die USA zurückgekehrt sind.

Für Roy Williams war der Besuch in Bad Brückenau ein Stück Trauerverarbeitung. Die Familie habe sich für eine Urnen-Bestattung entschieden, erzählt er. Einen kleinen Teil der Asche seiner Frau habe er in der Rhön verstreut, "damit sie für immer diese Schönheit genießen kann, die sie so geliebt hat", erzählt Williams. Überhaupt sei Rhonda ihm in Bad Brückenau sehr nah gewesen. "In meinem Herzen konnte ich fühlen, wie sie gelächelt hat. Das hat mich getröstet."