Hinter den Bewohnern und den Mitarbeitern des Bad Brückenauer Willy-Brandt-Hauses liegen angespannte Wochen: Mitte Mai wurden in der Seniorenwohnanlage des AWO Bezirksverbands Unterfranken mehrere Corona-Fälle registriert - auch obwohl dort schon zu Jahresbeginn ein Großteil der Bewohner und Mitarbeiter geimpft worden war.

"Wir waren richtig überrascht", sagt Marie-Luise Malzer, die seit mehr als fünf Jahren im Willy-Brandt-Haus wohnt, mit Blick auf die Corona-Fälle. Dietmar Wehpke, ebenfalls Bewohner des AWO-Heims, zählt auf: "Erst war gar nichts, dann plötzlich acht, neun Fälle."

Kontakte unter den Bewohnern und Mitarbeitern reduziert

Um zu verhindern, dass sich das Virus im Haus weiter ausbreitet, wurden die Kontakte der Bewohner auf deren jeweiligen Wohnbereich reduziert, wie Einrichtungsleiterin Margot Trenz erklärt. Die Corona-Infizierten wiederum wurden in einem eigenen separaten Wohnbereich untergebracht. Auch die Mitarbeiter waren fest einzelnen Wohnbereichen zugeteilt. Die soziale Betreuung der Bewohner sei insgesamt nur in eingeschränktem Rahmen möglich gewesen, berichtet Trenz. Außerdem blieben der Speisesaal und auch die Gemeinschaftsräume vorübergehend geschlossen.

Für die Pflegekräfte indes war der Mehraufwand, den die Ausnahmesituation mit sich brachte, deutlich zu spüren, wie Heike Ziegler berichtet, die als Pflegerin im Willy-Brandt-Haus arbeitet. Die Schutzkleidung musste nach jedem Patienten gewechselt werden. Zudem waren die Pflegekräfte mit FFP3-Masken und Schutzvisieren ausgestattet.

"Wir mussten auch sehr oft testen, damit wir keinen übersehen", erklärt Ziegler. Sie sei durchaus mit einem unsicheren Gefühl auf die Arbeit gefahren, vor allem, weil man nie gewusst habe, was einen erwartet. "Aus anderen Häusern hatte man ja gehört, dass es Patienten früh noch gut ging und dann rapide schlechter."

Größeren Corona-Ausbruch verhindert

Im Willy-Brandt-Haus ging alles gut aus: Insgesamt elf Corona-Infektionen verzeichnete die Seniorenwohnanlage unter Bewohnern und Mitarbeitern im Mai. Zuvor war die Einrichtung - anders als viele andere Seniorenheime - von großflächigen Corona-Ausbrüchen verschont geblieben. "Die Bewohner haben sich sehr kooperativ gezeigt", berichtet Einrichtungsleiterin Trenz von der Ausnahmesituation im Mai.

"Dass es zu keinem größeren Corona-Ausbruch kam, haben wir auch unseren Mitarbeitern zu verdanken, die diszipliniert und schnell gehandelt haben." Ein bisschen Glück gehöre natürlich auch dazu, fügt Trenz an.

Insgesamt liegt die Impfquote bei den Bewohnern der Seniorenwohnanlage bei rund 90 Prozent, von den Mitarbeitern sind etwa 93 Prozent geimpft, wie die Einrichtungsleiterin berichtet. Unter den Infizierten seien sowohl Geimpfte als auch Nicht-Geimpfte gewesen. Alle Infizierten hätten zum Glück einen leichten Verlauf gehabt.

Besuch wieder erlaubt

Inzwischen ist das Willy-Brandt-Haus wieder coronafrei. Auch Besucher - genesen, geimpft oder negativ getestet - dürfen unter Beachtung der geltenden Hygieneregeln wieder in die Einrichtung. Mit Blick auf die kommenden Monate sagt Trenz: "Im Prinzip weiß jeder, dass die Pandemie nicht überstanden ist. So etwas wird immer wieder passieren können."

"Im Hinterkopf schwebt immer die Angst, dass noch etwas kommt", sagt auch Malzer, die selbst ebenso wie Wehpke nicht mit dem Coronavirus infiziert war. Beide hoffen, dass der Herbst nicht wieder eine neue Corona-Welle mit sich bringt.

Derweil freuen die Bewohner sich, dass ganz alltägliche Dinge wieder möglich sind. "Ich war gestern seit dem Vorjahr zum ersten Mal wieder in der Stadt einkaufen", erzählt Malzer. Es sei schön, dass mit anderen zusammen wieder mehr möglich ist. Es müsse auch nichts Großes sein, einfach mal Eis essen gehen zum Beispiel.