Ein Schild machte den Anfang. Mit schwarzen Buchstaben auf gelbem Untergrund weist es auf die Grenze des Truppenübungsplatzes hin. Das damalige Hinweisschild der Wehrmacht ist das erste Stück, mit dem Adolf Kreuzpaintner seine Sammlung begann. Heute hängt es an einer Wand in einem Gebäude des Truppenübungsplatzes in Wildflecken. Das Schild ist umgeben von einer Vielzahl von anderen Gegenständen, nebst Fotografien, Infotexten und Uniformen. Militärhistorische Sammlung lautet der Titel der Ausstellung.

Doch dahinter verbirgt sich vielmehr. Wer das Gebäude betritt, geht auf Zeitreise, durch verschiedene Jahrzehnte, vom Nationalsozialismus über die deutsche Teilung bis in die Gegenwart. Aber nicht nur das, Besucher begeben sich in der Ausstellung auch auf eine internationale Reise, nicht zuletzt, weil die US-Armee lange Zeit das Gelände in Wildflecken nutzte. Das Herzstück der Ausstellung ist aber nicht etwa ein Gegenstand, sondern Adolf Kreuzpaintner selbst. Der gebürtige Münchner, Jahrgang 1936, kennt seine Sammlung in- und auswendig. Mit viel Liebe zum Detail hat er alles zusammengestellt.

Militärhistorische Sammlung fast 30 Jahre gewachsen

1993 begann er mit dem Aufbau der Sammlung. Seit 1994 ist diese auf dem Truppenübungsplatz in Wildflecken beheimatet. Kreuzpaintner kümmert sich ehrenamtlich um die Ausstellung und nimmt auf Anfrage Besucher kostenlos mit auf Zeitreise. Mit den Jahren sind immer weitere Ausstellungsstücke hinzugekommen. Auch von Freunden und Besuchern wurden ihm Erinnerungsstücke überlassen, erzählt er.

Kreuzpaintner weiß zu jedem Ausstellungsstück eine interessante Geschichte, scheint es auch noch so unscheinbar. So hängt zum Beispiel in der "Ami-Abteilung", wie er sagt, an einem Regal ein kaum wahrnehmbares Militär-Besteck-Set. "Solche Messer waren richtig schwer zu bekommen", sagt er und erklärt, dass unter anderem Schreiner die Messer damals zum Arbeiten quasi zweckentfremdeten.

US-Army-Angehöriger schenkte Hemd und Uniform

In einer Ecke des Raumes steht eine Art Schaufensterpuppe mit der Uniform eines verstorbenen Angehörigen der US-Armee. Ein Vater und sein Sohn, beide ebenfalls Angehörige des US-Militärs, seien einmal zu Besuch gewesen, erinnert sich Kreuzpaintner. Der Sohn habe ihn darauf hingewiesen, dass zu der Uniform eigentlich ein grünes Hemd gehöre.

Als Kreuzpaintner erklärte, dass er das zwar wisse, aber kein solches habe, versprach der Soldat ihm eines zu schicken. "Er hat Wort gehalten." Nicht nur das grüne Hemd, sondern auch eine Uniform des Mannes haben heute einen Platz in der Ausstellung.

Kreuzpaintner war selbst lange in Diensten der Bundeswehr, als Soldat und dann als Angestellter. In der Ausstellung sind auch Freunde und Kollegen von ihm zu sehen, deren Andenken er hochhält. Sein Antrieb für die Sammlung? "Eigentlich geht es mir um die Geschichte", sagt er. Das, was war, aber auch Gegenwart und Zukunft eines Ortes. Ein Glücksfall für Wildflecken, dass er und seine Sammlung dort ihre Heimat gefunden haben.