Wer Queen Elizabeth, Johann Wolfgang von Goethe oder Kardinal Richelieu sehen will, muss nur in den Garten von Hubert Töpfer gehen. Die berühmten Persönlichkeiten sind dort zwar nicht direkt anzutreffen, wohl aber die nach ihnen benannten Rosen. Rund 95 verschiedene Rosensorten hat der Bad Brückenauer in seinem Garten, und insgesamt mehr als 500 einzelne Rosenstöcke.

Im Sommer verwandelt sich Töpfers Garten jedes Jahr in ein bunt leuchtendes und intensiv duftendes Blütenmeer. Zwischen den Rosen wachsen auch noch andere Blumen und Kräuter wie etwa Lavendel empor. Dazwischen summen Bienen und fliegen von Blüte zu Blüte.

2001 nach Bad Brückenau zurückgekehrt

Die Idylle lässt sich von der Terrasse aus genießen - vor der etwas in die Jahre gekommenen, aber immer noch stattlichen Stadtvilla. Der Blick fällt von den Rosen über den Hang hinab auf die Häuser Bad Brückenaus und darüber hinaus weiter bis zum Dreistelz.

Wie Hubert Töpfer erzählt, hat sein Großvater die Villa 1925 erbaut. Töpfer selbst verbrachte Teile seiner Kindheit hier und zog, als er 2001 nach Bad Brückenau zurückkehrte, wieder in die Villa. "Ich habe überlegt, was machst du mit der Anlage", erzählt Töpfer.

Er zeigt auf die Terrassenmauer, die er angelegt hat. Rote Rosen leuchten dort neben Lila und zartem Orange. Auch auf der Freifläche vor der Villa sind mehrere Rosenbeete entstanden und ebenfalls im hinteren Teil des Geländes reiht sich Rosenstock an Rosenstock. "Die Rosen sind wie eine kleine Sucht geworden", sagt Töpfer und lacht.

Mit Kakteen angefangen

Der Mensch sei ursprünglich Jäger und Sammler gewesen, und während andere nun Briefmarken sammeln würden, habe er zunächst Kakteen gesammelt, erzählt Töpfer. Das sei aber zu aufwendig geworden. Und so verlegte der Bad Brückenauer sich auf eine andere Art: die Rosen. Drei Sorten standen damals schon auf dem Gelände an der Villa.

Mit den Jahren sind immer mehr Rosen dazugekommen. Töpfer ist zum Experten auf dem Gebiet geworden. "Durch Kataloge und Bücher lernt man sehr viel. Man weiß, welche Schwächen die einzelnen Rosen haben", erklärt er.

Die Blattgesundheit sei zum Beispiel ein wesentliches Kriterium. Auch die Frostfestigkeit werde von den Züchtern inzwischen angegeben, berichtet Töpfer. Klassifiziert wird in Zahlen: Sechs sei dabei ein guter Durchschnitt. Sieben schon nicht mehr für das Klima in und um Bad Brückenau geeignet.

Rosensorte getauft

Töpfer zieht auch selbst aus Stecklingen neue Rosenstöcke für seinen Garten heran. Und er hat sogar schon eine Rose getauft, wie er schmunzelnd erzählt. "Ich war in der Nähe von Werneck unterwegs und habe dort einen tollen Rosenbusch gesehen mit einer leuchtenden Farbe", berichtet er. Er habe gefragt, ob er sich drei Ästchen abschneiden dürfe, und auch wissen wollen, wie die Rose heißt.

Da sich die Eigentümerin nur erinnern konnte, dass der Rosenbusch schon zu Mutters und Großmutters Zeiten dort wuchs, war der Name sozusagen noch frei. Töpfers Wahl fiel auf "Frau Frosch", benannt nach dem Familiennamen der ursprünglichen Rosenbesitzer.

So wächst "Frau Frosch" nun auch in Töpfers Garten in Bad Brückenau - und ist in der Reihe der eingangs beschriebenen prominenten Züchtungen mit großen Namen gewissermaßen ein echtes fränkisches Original.