Es brauchte erst einen Anstubser von außen, bis sich Erwin und Johannes Gottwald (Namen von der Redaktion geändert) einen Ruck gaben. Das war im Jahr 2011, Vater und Sohn standen kurz vor der Hofübergabe und natürlich ist das schwierig, wenn der Vater 25 Jahre lang das Regiment geführt hat. "Ich habe die Verantwortung über viele Jahre getragen. Und ich habe sie gerne getragen", sagt der Vater. "Aber irgendwann wurde es mir zu viel."

Sohn Johannes stand da schon in den Startlöchern. Er hatte klare Vorstellungen, was er mit dem Hof machen wollte. Aber ein gutes Stück Unsicherheit war auch dabei. "Es war totel gut, mal offen darüber zu sprechen: Was will der Vater noch machen, was kann er noch und auf wie viel Verantwortung muss ich mich einstellen, wenn ich den Hof jetzt übernehme", erzählt der heute 28-Jährige.

Wenn es in der Familie knirscht

Diese Probleme sind typisch. "Wir haben eine Statistik geführt. Generationenkonflikte, Hofübergaben und allgemeine familiäre Probleme sind die drei häufigsten Gründe, warum Landwirte in die Beratung kommen", erzählt Ines Böhm-Friese. Sie ist ehrenamtliche Beraterin bei der Landwirtschaftlichen Familienberatung (LFB) der Katholischen Landjugend- und Landvolkbewegung der Diözese Würzburg.

Hauptberuflich arbeitet Böhm-Friese als Dozentin an der Bayerischen Landesanstalt für Weinbau und Gartenbau in Veitshöchheim. "Das Gute ist, dass die Leute, die die Beratung machen, einen landwirtschaftlichen Hintergrund haben", sagt Johannes Gottwald. "Die kennen die Grundproblematik in der Landwirtschaft einfach."

Eines dieser Grundprobleme ist die wenige Zeit. Deshalb gibt es seit diesem Herbst regionale Sprechstunden der LFB auf dem Volkersberg. "Da braucht's keine Voranmeldung. Da kann man spontan und unverbindlich hinkommen", erklärt Böhm-Friese, die zusammen mit Anna Kram die Sprechstunde hält.

Nicht nur Arbeitskollegen

Auch nach der Hofübergabe bleibt Johannes Gottwald noch ein paar Monate in der Beratung. Seine Frau Eva Gottwald (Name geändert) macht auch mit. "Für uns war eine ganz große Frage, wie wir es als Paar schaffen, dass wir nicht nur Arbeitskollegen sind", erzählt die 28-Jährige, die nicht aus der Landwirtschaft kommt, sondern Erzieherin gelernt hat. Mittlerweile hat Eva-Gottwald die Qualifizierung zur Erlebnis-Bäuerin gemacht und arbeitet Vollzeit auf dem Hof.

Vater Erwin Gottwald hat noch einmal völlig neu angefangen. "Diese Perspektive hat sich erst entwickelt", erzählt er. Dabei ist ihm bewusst, dass ein beruflicher Neustart in seinem Alter keine Selbstverständlichkeit ist. "Am Anfang war es schon ein komisches Gefühl, wieder Arbeitnehmer zu sein", erzählt der 52-Jährige ehrlich.

Auch der Sohn brauchte etwas Zeit, um sich freizuschwimmen. Bereut haben beide nicht, dass sie sich Zeit für die Beratung genommen haben. "Auf lange Sicht schadet es der Betriebsentwicklung viel mehr, wenn man nicht redet", sagt der Vater.


Infos zur Landwirtschaftlichen Familienberatung:

Angebot Die Landwirtschaftliche Familienberatung (LFB) der Katholischen Landjungend- und Landvolkbewegung der Diözese Würzburg bietet seit diesem Herbst Sprechstunden auf dem Volkersberg an.

Termine Die Sprechstunden finden noch bis März immer am letzten Freitag des Monats statt. Die Termine sind: 28. November, 30. Januar, 27. Februar und 27. März, jeweils von 15 bis 18 Uhr. Mehr Infos gibt's unter Tel.: 0931/ 38663725. Diese Nummer ist auch während der Sprechstunden quasi als Beratungs-Hotline besetzt.