Plötzlich und unerwartet verstarb Hermann Knüttel am 10. Mai im Alter von 75 Jahren. Der Seniorchef der gleichnamigen Elektrotechnik-Firma machte sich in der Stadt nicht nur mit dem traditionellen Geschäft einen Namen, auch in der Kommunalpolitik und in den Vereinen war er aktiv.

Hermann Knüttel wurde am 13. Juli 1946 als Jüngster von drei Geschwistern in Bad Brückenau geboren. Zwei Jahre nach Hermanns Geburt richtete sein Vater Theodor Knüttel eine Reparaturwerkstatt für Radiogeräte in der Heimgartenstraße ein. Dort wuchs Hermann genau wie sein Bruder Peter mit rein. Jahr für Jahr vergrößerte sich das Angebot des Vaters Theo: Er eröffnete in der Ludwigstraße 19 einen Laden mit Musikinstrumenten, Schallplatten und ersten Fernsehern.

Vertrauen im Verkauf

Im Jahr 1974 übernahm Hermann Knüttel gemeinsam mit Bruder Peter schließlich das Geschäft des Vaters. In diesen Jahren waren die erste Geschirrspülmaschinen Kassenschlager. Und genau wie der Vater erkannten die beiden Söhne die Zeichen der Zeit. Während Bruder Peter sich mehr der Technik und der Reparatur widmete, konnte sich Hermann im Verkauf austoben. Das Vertrauen in den Kunden-Beziehungen war ihm immer besonders wichtig.

1970 heiratete Hermann Knüttel seine Gisela, mit der er genau fünf Jahre später Sohn Ralph bekam. "Ihm war wichtig, dass das Lebenswerk weitergeführt wird", sagt sein Sohn heute. Auch er war von Anfang an im Geschäft des Vaters tätig und trat schließlich gemeinsam mit seinem Cousin Mathias Knüttel in die Fußstapfen der Väter.

Gefragter Gesprächspartner

2012 zog sich Hermann Knüttel schließlich aus dem Geschäftsleben zurück. Dann war er nur noch aus "Lust und Laune" da, wie sein Sohn Ralph beschreibt. "Pünktlich um 8 Uhr kam er und las Zeitung, surfte im Internet oder sprach gerne mit alten Bekannten", sagt der Sohn. "Bis zum Schluss kamen Kunden zu uns, die sich nur von ihm bedienen lassen wollten", erinnert er sich an das oftmals enge Verhältnis zu den Kunden.

Auch im Einzelhandelsverband war er aktiv. Dort trat er in die Fußstapfen seines Schwiegervaters Paul Aßmann und engagierte sich für die Belange der Händler. Auch nach seinem Rückzug aus dem aktiven Geschäftsleben setzte er sich in der Werbegemeinschaft für die Öffnung der Fußgängerzone ein. "Einfach nur rumsitzen war nichts für ihn", sagt sein Sohn.

Blühender Chronist

Von 1984 bis 1990 vertrat er für die PWG im Bad Brückenauer Stadtrat. "Ich habe ihn als liebenswerten, zurückhaltenden und humorvollen Kollegen geschätzt", sagt 3. Bürgermeister Jürgen Pfister (PWG). Zeitgleich begann für die beiden Einzelhändler die politische Laufbahn, allerdings zog sich Knüttel 1990 daraus zurück, um sich mehr seinem Geschäft zu widmen.

Axel Zeier, ehemaliger Vorsitzender der Tätsch´r, bedauert die große Lücke, die Hermann Knüttel im Verein hinterlässt. "Hermann hat über Jahrzehnte die Stadt mitgestaltet", sagt er über die Aktivitäten. Bei technischen Fragen sei er immer der erste Ansprechpartner gewesen. "Er war einfach ein Vereinsmensch, immer offen, eine Seele von Mensch", sagt Zeier.

Knüttel war Gründungsmitglied des Beleibten-Sportvereins im Jahr 1975. Als Chronist liebte er es, die Aktivitäten des Vereins "heißblütig nachzuerzählen", wie sein Vereinskollege Georg Heinz bestätigt. "Er war ein weltoffener und interessierter Mensch, ein treibender Motor im Verein wie im Zusammenschluss der Gewerbetreibenden", fügt er hinzu.