An einer Mauer in der Zeitlofser Mühlgartenstraße stehen am Donnerstagmittag zwei Kerzen und ein Strauß mit weißen Rosen. Zwei junge Frauen in schwarzer Kleidung sitzen auf dem Boden daneben. Eine von ihnen ist Silke S. (alle Namen geändert). Sie trauert um einen guten Freund, der hier am vergangenen Wochenende auf tragische Art und Weise ums Leben gekommen ist: Tim W. aus Eckarts, einem Ortsteil von Zeitlofs.

Seit in der Nacht zum Sonntag in Zeitlofs ein Rettungshubschrauber auf dem Sportplatz gelandet war, kursieren in der Gemeinde Gerüchte. Der Kern blieb traurig und wahr: Ein junger Mann war zu Tode gekommen. Da Kripo und Staatsanwaltschaft noch ermitteln, gab es - Stand Donnerstagabend - noch keine offizielle Stellungnahme.

Tragödie in Zeitlofs: Es begann mit einem gemütlichen Familienabend

Im Gespräch mit dieser Zeitung schildert Silke S., die an diesem schicksalhaften Abend dabei gewesen ist, was sich zugetragen hat. Es sei ein gemütlicher Samstagabend mit Freunden und ihrer Familie gewesen, erzählt sie. Die jungen Leute waren öfter zu Besuch in ihrem Elternhaus. An diesem Abend bereiteten sie eine Familienfeier vor. "Eine gemütliche Runde", sagt Silke.

Zu späterer Stunde machten sich vier auf den Weg nach Bad Brückenau, um dort eine Shisha-Bar zu besuchen: Silke, ihr bester Freund Philip, Tim und Sven M., ein guter Bekannter aus der Schweinfurter Ecke. In dem Lokal kam es zu keinen Hinweisen, die darauf hätten schließen lassen, dass der Abend noch eine völlig unerwartete und tragische Wendung nehmen wird.

Zu vorgerückter Stunde fuhr die Gruppe zurück nach Zeitlofs. Tim W. saß am Steuer. Er fuhr in die Straße von Silkes Elternhaus, hielt an. Silke, Philip und Tim stiegen aus. Offenbar hatte Sven wieder hinter dem Steuer Platz genommen. Dann kam plötzlich von Sven M. ein Satz: "Er sagte, er fahre jetzt auf die Autobahn und werde sich umbringen."

Junger Mann aus Eckarts wird lebensgefährlich verletzt

Der erste, der reagierte, war Tim W.. Er stellte sich dem Auto von Sven M. in den Weg, offenbar in der Absicht, diesen am Wegfahren zu hindern. Jedoch: Der Wagen erfasste den jungen Mann. Er schlug in der Folge so unglücklich mit dem Kopf auf dem Bordstein auf, dass er sich dabei lebensgefährlich verletzte.

Silke S. rief Philip zu: "Ruf den Krankenwagen." Doch dieser war offenkundig in einem Schockzustand, er habe es nicht geschafft, weiter zu sprechen, erinnert sich Silke. So habe sie den Notruf übernommen und danach ihre Eltern geweckt. Die leisteten Erste Hilfe, bis die Rettungskräfte eintrafen. Per Hubschrauber wurde der Bewusstlose in eine Klinik geflogen.

Die Zeuginnen des Unglücks haben sich deswegen dazu entschlossen, mit der Redaktion zu sprechen, um mit den Gerüchten aufzuräumen, die im Ort kursieren. Es stimme nicht, dass es eine große Party gegeben habe. "Und es stimmt auch nicht, dass der Fahrer mehrmals über ihn gefahren sein soll."

Psychische Probleme machten schon länger zu schaffen

Sven M. hatte schon länger mit psychischen Problemen zu kämpfen, wie aus den Erzählungen der Frauen hervorgeht. Schon wenige Tage nach dem Unglück zeigt sich, dass der junge Mann sozial sehr gut integriert zu sein scheint. Denn Silkes Mutter sagte am Donnerstag: "Er muss geschützt werden", trotz oder auch gerade wegen des tragischen Unglücks.

Tim sei für die Familie wie ein Sohn und Bruder gewesen, erzählen die beiden. "Ich habe noch nicht begriffen, dass er jetzt nie wieder um die Ecke kommt", sagt Silkes Mutter unter Tränen. "Er war jemand, mit dem konntest du Pferde stehlen. Er hat sich immer hinten angestellt und zuerst an Freunde und Familie gedacht."

Notruf In der Nacht von Samstag, 14. August, auf Sonntag, 15. August, ging um 1 Uhr der Notruf aus Zeitlofs ein, wie Klaus Wörner von der Integrierten Leitstelle Schweinfurt (ILS) berichtet. Gemeldet wurde ein Verkehrsunfall "mit vitaler Bedrohung", also in diesem Fall einer schwer verletzten Person. Da der Notruf über einen Handymast abgesetzt wurde, ging dieser bei den Kollegen des Main-Kinzig-Kreises ein, wie Wörner erklärt. Rettungswagen und Notarzt machten sich auf den Weg nach Zeitlofs. Dass auch ein Hubschrauber zum Einsatz kam, war Zufall. "Normalerweise fliegen nachts keine Rettungshubschrauber. Diese fliegen eigentlich nur von 7 Uhr bis Sonnenuntergang", erklärt Wörner. "Aber der Intensivhubschrauber aus Nürnberg war zufällig in Schweinfurt und frei."

Einsatz Die erste Rettungskraft an der Unglücksstelle war ein First Responder aus Zeitlofs, wie Bürgermeister und Feuerwehrkommandant Matthias Hauke berichtet. Auch die Feuerwehr Zeitlofs war in der Nacht mit fünf Kräften vor Ort. Er sei bis etwa fünf Uhr morgens am Ort des Geschehens gewesen, berichtet Hauke. Da sich das Ganze mitten im Ort ereignete, seien auch einige der Anwohner auf die Straße gekommen. Mit Blick auf das Unglück und den tragischen Tod des jungen Mannes aus der Marktgemeinde Zeitlofs sagt Hauke: "Ich bin sehr bestürzt und traurig, dass so etwas bei uns im Ort passiert ist."