Wie das Polizeipräsidium Unterfranken in Würzburg mitteilt, wurde der Motorradfahrer am Sonntag, kurz vor 18.30 Uhr von dem Wagen einer 51-Jährigen erfasst. Die Frau aus dem Landkreis Fulda wollte, von Bad Brückenau und Volkers kommend, nach links auf die A7 in Richtung Kassel abbiegen. Dabei stieß sie mit dem entgegenkommenden Motorrad zusammen, das auf der Bundesstraße in Richtung Bad Brückenau fuhr.

Dessen 25-jähriger Fahrer wurde so schwer verletzt, dass er an der Unfallstelle starb. Der Rettungsdienst und ein Notarzt konnten nichts mehr für ihn tun. Auch ein Rettungshubschrauber war an der Unfallstelle gelandet. Der Getötete stammte auch aus dem Landkreis Fulda.

Die Pkw-Fahrerin stand nach Polizeiangaben unter Schock und wurde vorsorglich in ein

Krankenhaus gebracht. Neben ihr versorgte der alarmierte Rettungsdienst auch die Lebensgefährtin des Verstorbenen. "Sie war zwar nicht unmittelbar in den Verkehrsunfall

verwickelt, jedoch mit ihrem eigenen Motorrad gemeinsam mit dem 25-Jährigen auf Tour."

Laut Klaus Wörner, dem stellvertretenden Leiter der Integrierten Leitstelle Schweinfurt, erfolgte die Erstmeldung über den Unfall um 18.23 Uhr. Notarzt und Rettungsdienst wurden zusammen mit dem Hubschrauber sofort losgeschickt. Der Helikopter deswegen, weil keine unmittelbare Nähe zu einer sogenannten Schwerpunktklinik wie Würzburg, Schweinfurt oder Fulda gegeben war.

Der Rettungsdienst veranlasste laut Wörner dann, dass die Feuerwehren aus Volkers und Bad Brückenau nach zwölf Minuten nachalarmiert wurden, um den Verkehr um die Unfallstelle umzulenken. Wenig später folgte - weil es nötig war - ein Mitglied der psychosozialen Notfallvorsorge, in dem Fall gestellt vom Bayerischen Roten Kreuz in Bad Kissingen.

Kommandant Christian Kötzner von der Volkerser Feuerwehr war an der Unfallstelle. Bei seinem Eintreffen wurde ihm zufolge die Freundin des Verunglückten bereits in einem Rettungswagen betreut.

Die mutmaßliche Unfallverursacherin saß noch völlig benommen neben der Straße. Ein Kamerad und eine Kameradin der Volkerser Wehr kümmerten sich zunächst um sie, sprachen mit ihr, ehe der Rettungsdienst übernahm. Auch der Ehemann der 51-Jährigen war laut Kötzner vor Ort. Weitergehende Auskünfte zur Versorgung der Unfallbeteiligten - auch über eine eventuelle Betreuung durch Notfallseelsorger - erteilt der BRK-Rettungsdienst in Bad Kissingen keine.

Die Unfallaufnahme und die Ermittlungen zum genauen Unfallhergang hat die Polizeiinspektion Bad Brückenau übernommen, heißt es in der Pressemitteilung des Präsidiums in Würzburg. Auch eine Sachverständige sei eingeschaltet worden. Sowohl Motorrad als auch Unfallauto wurden von Abschleppunternehmen weggebracht. Die B286 blieb für Unfallaufnahme und Bergungsarbeiten bis in den späten Abend voll gesperrt.

Thomas Vöth, stellvertretender Leiter der Polizeiinspektion Bad Brückenau rätselt derweil über die Unfallursache. Denn eigentlich sei die Stelle, wo der Unfall passierte, gut und weit einsehbar. Zudem hätten zwei Zeugen bestätigt, dass der 25-Jährige und seine Freundin nicht mit überhöhter Geschwindigkeit auf die Kreuzung zusteuerten. Ein Tempolimit existiert dort nicht.

Vöth vermutet ein "Augenblicksversagen" der Autofahrerin; auch sei die Silhouette eines Motorradfahrers recht klein. Hinweise auf irgendwelche Ablenkung bestünden nicht.

Was der stellvertretende Polizeichef aber sicher sagen kann: Die Anschlussstelle Volkers stellt einen Unfallschwerpunkt dar. Bereits im Main 2012 hatte es dort einen tödlichen Unfall gegeben. Eine 84-jährige Autofahrerin hatte beim Ausfahren von der Rhönautobahn auf die damalige B27 die Vorfahrt eines 46-Jährigen missachtet. Wenige Stunden nach dem Zusammenprall starb sie im Klinikum Fulda. Ihre zwei Jahre ältere Beifahrerin wurde bei dem Crash schwer verletzt.

Thomas Vöth noch etwas entdeckt: drei Unfälle in den vergangenen fünf Jahren, die dem von diesem Sonntagabend fast glichen. Am 25. August 2016, am 24. Oktober 2018 und am 15. August 2019 nahmen jeweils Autofahrer, die links auf die A7 Richtung Kassel einbiegen wollten, dem Gegenverkehr die Vorfahrt. Die Unfälle verliefen jeweils ohne Verletzte - vielleicht auch, weil ausschließlich Pkw beteiligt waren.

Spektakulär, aber glimpflich ging es auch am 20. November 2018 zu, als ein Lkw-Fahrer beim Abbiegen einen Schulbus übersah. Beim Zusammenstoß wurde eines der Kinder im Bus leicht verletzt.

Wie lassen sich mehr oder minder schwere Unfälle an der Anschlussstelle Volkers künftig vermeiden? "Spätestens der schwere Unfall vom Sonntag stößt Gedanken an eine Geschwindigkeitsbeschränkung oder bauliche Veränderung an", gibt Thomas Vöth zu. Doch er sieht Probleme, das gegenüber der Straßenbauverwaltung zu begründen. Wie gesagt: Die Strecke ist gut einsehbar; niemand ist zu schnell gefahren. Und auch das Tagfahrlicht, das bei Neufahrzeugen seit 2011 Pflicht ist, hätte wohl nicht viel gebracht.