Die Therme Sinnflut - Torsten Zwingmann kannte sie bisher nur als Badegast. Mehrfach war er mit seiner Familie dort. Nun wird das Schwimmbad zu seiner größten und wohl teuersten Herausforderung - als Sanierer und Betreiber. Es wird nicht die einzige bleiben.

Für den gebürtigen Nordthüringer - Zwingmann stammt aus Leinefelde im Eichsfeld - bedeutet die neue Stelle einen Aufstieg. Bis Juli arbeitete er für die OsthessenNetz GmbH, die nach seinen Angaben im Altlandkreis Brückenau die Gemeinden Zeitlofs und Motten mit Strom versorgt. Als Abteilungsleiter "Asset Management" war er für 25 Mitarbeiter zuständig; bei den Stadtwerken sind es - inklusive Sinnflut - rund 80.

Für seine neue Stelle muss der verheiratete Vater dreier Kinder nicht einmal umziehen. Er wohnt mit seiner Familie in Petersberg, einer Stadtrandgemeinde von Fulda. Für ihn "ein Glückstreffer", weil in einer Region ja immer nur ein Unternehmen die Konzession für das Versorgungsnetz, also die in der Erde liegenden Strom- und Gasleitungen, erhält. Und ausgerechnet bei einem Betreiber in Wohnortnähe war die Stelle des Geschäftsführers frei.

Offiziell hat Torsten Zwingmanns Engagement in Bad Brückenau am 2. August begonnen. Er war aber schon im Juli - in seinem Urlaub - als Besucher im Haus für eine geordnete Übergabe. Denn der Vertrag von Vorgänger Michael Garhamer läuft zwar noch bis Ende August; er genießt aber noch ein paar Tage Urlaub. "14 Tage im August wären zu knapp gewesen", sagt Zwingmann.

Garhamer habe ihm ein mehr als bestelltes Feld hinterlassen. "Die meisten Sachen sind in die Wege geleitet." Da meint er vor allem die "großen Finanzierungsthemen bei der Sinnflut". Dahingehend seien mit der Regierung von Unterfranken Absprachen getroffen worden. Zwingmann will nun die Umsetzung der Sanierung beziehungsweise den teilweisen Neubau der Therme angehen. Das Hallenbad soll ja abgerissen werden; nur Sauna und Freibadbereich bleiben.

"Das ist schon eine sehr große Aufgabe und für die Stadt von hohem Stellenwert. Es ist das einzige, derzeit geöffnete Hallenbad in der Umgebung; der Andrang ist groß." Die Sinnflut sei für das Schulschwimmen elementar, auch für die Einheimischen den städtischen Tourismus.

Drei Jahre soll das Haus wegen der Erneuerung zu bleiben. Klar entstünden dadurch hohe Kosten. Aber es gehe auch darum, künftig Energie, und damit Kosten, im laufenden Betrieb zu sparen. Für die Sanierung selbst bestehe ein "finanzieller Deckel". Ein Projektsteuerer soll darauf achten, dass er eingehalten wird.

Ansatzweise versteht der 46-jährige auch etwas von dem, was hinter dem Betrieb der Sinnflut steckt. Jahrelang hat er in mehreren Ingenieurbüros gebäudetechnische Anlagen geplant, unter anderem im Büro Helfrich Ingenieure Main-Rhön in Bad Kissingen. Erst dann ging er in die Energiebranche.

Seinen Führungsstil beschreibt Torsten Zwingmann übrigens mit dem Motto "Fair verantwortlich führen". "Ich bin eher für das Miteinander, will mit den Mitarbeitern sprechen, es hinterfragen, wenn Fehler passieren."

Für seine Mitarbeiter steht die Tür immer offen, sagt der 46-Jährige. Sie könnten immer kommen, wenn sie Fragen hätten. "Damit bin ich jahrelang erfolgreich gefahren." Innerhalb der Stadtwerke hat der Chef großen Zusammenhalt festgestellt. Die meisten würden sich seit Jahren kennen.

Eine tarifliche Auseinandersetzung und Demonstrationen der Mitarbeiter, wie sie im Herbst 2018 stattfanden, erwartet Zwingmann nicht. "Das Thema ist nicht akut." Es gebe ein vereinheitlichtes Tarifwerk, mit dem man arbeiten könne.

Als weitere große Aufgabe nennt der neue Geschäftsführer den Anschluss von Riedenberg an das Bad Brückenauer Abwasser-Kanalnetz - so das die Riedenberger Gemeinderäte wollen. Wie sein Vorgänger Garhamer will Zwingmann dafür werben; mit Bürgermeister Roland Römmelt hat er bereits gesprochen.

Aber auch im eigenen Wassernetz der Stadtwerke stehen Sanierungen an. Garhamer hat sie angestoßen; Zwingmann führt sie fort. In Sachen ökologische Stromerzeugung besitzen die Stadtwerke Beteiligungen an Windkraft- und Fotovoltaikanlagen, aber auch eigene Blockheizkraftwerken. "Ich will schauen, wenn es sinnvoll ist, dort weiter zu investieren."

Die Stadtwerke verfügen über eine relativ stabile Zahl an Kunden. Zwingmann will sie halten und noch mehr dazugewinnen. Dazu soll auch die im vergangenen Jahr erfolgreiche Christbaumaktion wiederholt werden. In Kürze geht die aufgefrischte Internetseite der Stadtwerke online.

Werdegang:

Nach Abitur am Staatlichen Gymnasium in Heiligenstadt und Elektrotechnik-Studium an der Uni Kassel stieg Torsten Zwingmann 2004 beim Ingenieurbüro Grüning + Groß im nordhessischen Vellmar als Planungsingenieur unter anderem für Stark- und Schwachstromanlagen in den Beruf ein.

Nach zwei Jahren wechselte er zu Helfrich Ingenieure Main-Rhön nach Bad Kissingen, wo er ähnliche Aufgaben (auch Projektleitung, Ausschreibung und Bauleitung) erledigte. Zum Jahreswechsel 2007/08 zog es ihn zur NRM Netzdienste Rhein-Main GmbH nach Frankfurt/Main, wo er zunächst als Vertriebsspezialist für Netzanschlüsse von Stromkunden und später als Teamleiter Sonderanschlüsse/Sondermaßnahmen im Stromnetz arbeitete.

Nach fünfeinhalb Jahren wechselte Zwingmann im Juli 2013 zum Stromversorger ÜWAG Netz GmbH in Fulda, der sich seit Oktober 2013 OsthessenNetz GmbH nennt. Torsten Zwingmann engagiert sich ehrenamtlich beim Deutschen Roten Kreuz seiner Wohngemeinde. Er wandert gern und fährt Mountainbike.