Das Wasser glitzert verführerisch. Schön erfrischend scheint es zu sein. Doch Baden ist verboten. Das gilt für das "Tintenfass" am Farnsberg in der Nähe des Berghaus Rhön ebenso wie für den Basaltsee am Steinernen Haus oberhalb Ginolfs (Landkreis Rhön-Grabfeld) - um nur zwei der Rhöner Basaltseen exemplarisch zu nennen.

Der Bereitschaftsleiter der Bergwacht Oberbach Johannes Voll (Langenleiten) bittet die Bevölkerung dringend nicht in den Basaltsseen zu baden - auch wenn das Wasser noch so verlockend ist und wenn in Corona-Zeiten nicht alle Schwimmbäder geöffnet haben.

Seltene Kröte im Tintenfass

Das "Tintenfass" befindet sich mitten im Naturschutzgebiet "Schwarze Berge". Die seltene Geburtshelferkröte kommt dort vor. Die Art steht auf der roten Liste und benötigt Gebiete wie einen verlassenen Steinbruch mit dem ruhigen See, um in Ruhe brüten zu können. Der Bund Naturschutz kümmert sich um das Areal und schützt die Geburtshelferkröte vor Störungen.

Aber nicht nur aus naturschutzfachlichen Gründen bittet die Bergwacht vom Baden in Basaltseen Abstand zu nehmen. "Die Sicherheit der Schwimmer kann nicht gewährleistet werden. Es gibt keine Badeaufsicht", machte Voll deutlich. Da es sich um einen ehemaligen Steinbruch handle, sei die Verletzungsgefahr viel zu groß, selbst wenn man nicht kopfüber hineinspringe.

Die Bergwacht bittet auch von "Partys" in den geschützten und sensiblen Arealen Abstand zu nehmen.

Durch Corona habe der Druck auf die Region deutlich zu genommen. "Wir haben im Vergleich zu den Vorjahren deutlich mehr Einsätze", sagte Voll. Vor allem E-Bike-Fahrer geraten offenbar schneller in Not. Es komme immer wieder, aufgrund von unangepasster Geschwindigkeit, zu Stürzen. Dann benötigen die E-Biker die Hilfe der Bergwacht. Aber auch mehr Wanderer mit schlechter Ausrüstung, konkreter mit schlechtem Schuhwerk, sind zu betreuen, wenn sie umgeknickt oder gestürzt sind.

Die Gesundheitsämter in Bad Kissingen und Bad Neustadt kontrollieren die Basaltseen nicht auf mirkobiologische Belastungen. Dr. Annerose Denzel (Gesundheitsamt Rhön-Grabfeld) und ihr Kollege Joachim Dietmann verweisen auf die vorhandenen Badeseen, die auch regelmäßig nach der Badegewässerverordnung untersucht werden. "Wir haben in Rhön-Grabfeld schöne Badeseen, die besucht werden können", bitten sie die Basaltseen nicht zum Baden zu nutzen. "Es muss nicht sein, dass Sonnencreme und ähnliches in die sensiblen Biotope eingebracht werden", betont Denzel.

Sicheren Badespaß mit kontrollierter Wasserqualität bieten dagegen der Burgwallbacher See, der Frickenhäuser See sowie die Seen in Irmelshausen und Sulzfeld.

Kontrolle der Badeseen

Im Landkreis Bad Kissingen gibt es zwei Badeseen nach der Badegewässerverordnung, welche vom Gesundheitsamt regelmäßig gemäß EU-Richtlinie überprüft werden. Es handelt sich um den Badesee "Rhönperle" in Kothen und um die "Skinautika" in Thulba, informiert Burkhard Lamer (Landratsamt Bad Kissingen). Die Befunde zu Wasserqualität werden regelmäßig auf der Internetseite des Landkreises veröffentlicht.

"Die Basaltseen werden nicht vom Gesundheitsamt kontrolliert, so dass nicht bekannt ist, ob dort irgendwelche Verschmutzungen des Wassers vorliegen", betont Burkhard Lamer. So ist unklar ob gesundheitliche Gefährdungen wie Zerkarien im Wasser lauern.

Für die Naturschutzrechtlichen Fragen ist die Untere Naturschutzbehörde zuständig. Dieter Weisenburger (Landratsamt Rhön-Grabfeld) erläutert die grundsätzliche Rechtslage. Nach dem Wasserrecht sei Baden grundsätzlich erlaubt, wenn keine anderen Nutzungen oder Gründe dagegen sprechen. Der Eigentümer könne über die Nutzung bestimmen. So könne beispielsweise ein Angelverein der ein Gewässer gepachtet habe, das Baden untersagen. Gleiches gelte für naturschutzfachliche Gründe, wie dies am Tintenfass der Fall sei.

Auch Haftungsrechtliche Gründe seien nicht außer acht zu lassen, sagte Klaus Spitzl Geschäftsführer des Vereins Naturpark und Biosphärenreservat Bayerische Rhön. Da die Geländesituation in einem ehemaligen Basaltsteinbruch eine unüberschaubare Gefahrenquelle sei, habe der Markt Oberelsbach am Basaltsee Steinernes Haus ein Badeverbot erlassen.

Nichts desto trotz sind Weisenburger gerade in diesem Jahr vermehrt Besucher aufgefallen, die sich im Badeanzug oder Bikini am See in die Sonne legen. Da sei auch überhaupt kein Problem. "So wird die Sonne genutzt und das Gefühl vermittelt am Wasser zu sein." - Nur Baden ist eben nicht möglich.