Shakespeare geht auch ganz modern

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Statt auf dem Balkon steht Julia auf einem Stuhl, als Romeo ihr seine Liebe gesteht. Foto: Leonie Schneider
Statt auf dem Balkon steht Julia auf einem Stuhl, als Romeo ihr seine Liebe gesteht. Foto: Leonie Schneider
Romeos Vater und Julias Mutter machen sich Sorgen. Foto: Leonie Schneider
Romeos Vater und Julias Mutter machen sich Sorgen. Foto: Leonie Schneider
 
Romeo und Julia hat die Theatergruppe des Franz-Miltenberger-Gymnasiums ganz modern interpretiert. Foto: Leonie Schneider
Romeo und Julia hat die Theatergruppe des Franz-Miltenberger-Gymnasiums ganz modern interpretiert. Foto: Leonie Schneider
 
Ein Handkuss für Julia. Foto: Leonie Schneider
Ein Handkuss für Julia. Foto: Leonie Schneider
 

Die Liebesgeschichte haben Schülerinnen und Schüler unter dem Titel "Romeo und Julia @ School" geschickt in die Gegenwart geholt.

Romeo (Mirko Stankovic) und Julia (Christina Sanko) sitzen im Kino. Es ist ihr erstes Date, im Hintergrund läuft die bekannte Melodie aus "Titanic". In einem besonders romantischen Moment schauen sie sich lange an, dann sagt Romeo: "Ich mag dich." Julia antwortet: "Ich mag dich auch." Romeo reagiert anders, als man es erwartet: "Scheiße!".
Denn eine Liebesgeschichte zwischen den Beiden kann nur Ärger bedeuten. Das Problem: Romeo Belmonte ist Realschüler, Julia Kapulet Gymnasiastin. Eigentlich sollten sie sich, wie ihre Mitschüler, überhaupt nicht leiden können und nicht einmal miteinander sprechen.


Schlägertyp und Schnösel

Die Schauspieler des Unter- und Mittelstufentheaters MUT vom Franz-Miltenberger-Gymnasium nahmen die Zuschauer bei ihrer Aufführung des Stücks "Romeo und Julia @ School" mit in ihren eigenen Alltag. Sie verkörperten überzeugend Figuren mit individuellen Persönlichkeiten, die ihre Mitschüler oder Lehrer sein könnten. Die reduzierte Kulisse auf der Bühne im Lola-Montez-Saal bestand aus typischem Schulinventar und die Schauspieler trugen Kleidung, wie heute eben üblich. Shakespeares Tragödie wurde von Verona in ein Schulzentrum verlegt und blieb dabei genauso dramatisch.
Denn vor dem Kino lauert Patrick (Manuel Meißner), ein überheblicher Schnösel im Poloshirt, der die Ehre seines Gymnasiums zu verteidigen versucht. Er hetzt seinen Anhänger Tybor (Timon Jehn), einen Schlägertypen, gegen Romeo auf. Aber Romeos Freunde sind zur Stelle, der kleine Haudegen Marc (Max Schüßler) geht auf den viel größeren Tybor los wie ein wütender Terrier - und liegt auch schon verletzt auf dem Boden. Romeo liefert sich eine Verfolgungsjagd mit Tybor. Am Ende landet Tybor, der nicht schwimmen kann, in einem See und wird von Romeo gerettet. Am nächsten Tag erzählt die hinterhältige Gymnasiastin Linda (Celine Schmidt) ihrer Direktorin eine ganz andere Version, in der Romeo Tybor absichtlich in den See gestoßen hat.


Kläffi mit dem strengen Blick

Die gefürchtete Direktorin Gwendolin Rottweiler (Klaudia Wichary), von Schülern Kläffi genannt, teilt die Abneigung gegen die Realschüler, besonders Romeo. Ihr strenger Blick konnte sogar dem Publikum Respekt einflößen und auch die sonst gutmütige Schulleiterin der Realschule (Lilly Kares) von einem Schulverweis überzeugen.
Nach seinem Verweis verschwindet Romeo spurlos. Sein Vater Giovanni (Leander Nickola) sitzt in seiner Eisdiele Verona und macht sich mit perfektem italienischem Akzent große Sorgen um Romeo. Dann kommt Julias Mutter (Sonja Zähler) ganz aufgelöst zu ihm: ihre Tochter ist ebenfalls verschwunden, nachdem sie Julia den Umgang mit diesem "überhaupt nicht standesgemäßen italienischen Lümmel" verboten hat.
In der Sorge um ihre Kinder vergessen die Eltern ihre Vorbehalte gegeneinander. Währenddessen wird das junge Paar vom cleveren Religionslehrer des Schulzentrums, Pater Lorenz (Philipp Kreß), versteckt gehalten. Auch Musiklehrerin Rosella Schubert (Vanessa Schmitt) ist eingeweiht. Schließlich kommt es zum Showdown in der Aula des Gymnasiums: Lindas Lügengeschichte fliegt auf und auch Patrick und Frau Rottweiler kriegen ihr Fett weg. Romeo darf wieder in die Schule und endlich mit Julia zusammen sein. Ein echtes Happy End.
Die Nachwuchsschauspieler des Gymnasiums zeigten ein unterhaltsames und romantisches Stück, das zu mehr Toleranz im Alltag auffordern soll. "Charmant ist die Art und Weise, wie die Originalhandlung von Shakespeares Tragödie hier abgewandelt, variiert und zitiert wird", sagt Lehrer Christoph Althaus, der Regie führte. Es ist doch auch egal, ob Julia auf einem Balkon in Verona oder auf einem Klassenzimmerstuhl steht, wenn Romeo ihr seine Liebe gesteht.


Das Team:

Schauspieler Mirko Stankovic, Christina Sanko, Max Schüßler, Kiliann Jecko, Manuel Meißner, Timon Jehn, Emmeli Appel, Celine Schmidt, Sofia Omelschenko, Marie Julius, Melissa Witzke, Antonia Lieb, Klaudia Wichary, Lilly Kares, Vanessa Schmitt, Philipp Kreß, Sonja Zähler, Leander Nicola

Rapper und Tänzer
Jonas Helmert, Tabea Kolb, Leah Stahl, Celine Witzke, Nils Möller, Alexander Nikolai, Ida Heinle, Hannah Kraus, Lara Fischer, Julia Schmitt, Elena Müller

Gesamtleitung
Barbara Libner, Christoph Althaus bls