Gegen das Vergessen und zur steten Erinnerung an die Deportationen jüdischer Mitbürger in Unterfranken gründete sich der Verein "DenkOrt Deportationen e.V." Anfang 2018 in Würzburg.

Hieraus entstand die Idee, zusammen mit Gemeinden, in denen ehemals jüdische Bürger lebten, Erinnerungs-Monumente, die an diese schreckliche Zeit erinnern, aufzustellen. Meist sollen Gepäckstücke dargestellt werden, die die Menschen auf ihrem Deportationsweg bei sich trugen.

Ein zweites, identisches "Gepäckstück" wird schließlich in Würzburg, nahe des Hauptbahnhofes ausgestellt sein.

Auch Riedenberg hat eine jüdische Vergangenheit.

Gegen Ende des 17. Jahrhunderts ließen sich fünf jüdische Familien im zur Fürstabtei Fulda gehörenden Riedenberg nieder. Die jüdischen Mitbürger erbauten sich 1752 eine Synagoge mit einem Raum zur Nutzung als Schule mit Lehrerwohnung und ein Ritualbad. In der Folgezeit wuchs die Anzahl der jüdischen Familien an. 1925 lebten 34 Personen in Unterriedenberg und acht in Oberriedenberg.

1933 bestand die Gemeinde noch aus 32 Personen. Durch Repressalien der NS-Regierung verarmten die jüdischen Familien und waren zum Weggang und Auswandern gezwungen. Zurück blieben sechs Familien, deren Häuser 1938 von SA-Mitgliedern aus Riedenberg und Oberbach im Innenbereich zerstört wurden. 22 jüdische Opfer aus Riedenberg sind heute in der Gedenkstätte Yad Vashem in Jerusalem verzeichnet.

Basalt schwierig zu bearbeiten

Die Riedenberger Gemeindevertreter beschlossen vor einiger Zeit, sich an diesem Denkort-Projekt zu beteiligen. Der ehemalige Lehrer, Gerwin Kellermann aus Oberbach, der sich in den letzten Jahren einen Namen als Bildhauer gemacht hat, wurde schließlich im November 2021 von Bürgermeister Roland Römmelt darauf angesprochen, diese Skulpturen zu gestalten. Schnell war sein Interesse geweckt und seine Idee, zwei Rucksäcke zu gestalten, wurde gerne angenommen.

Das Material sollte aus heimischem Basaltstein sein, so der Wunsch der Gemeindevertreter. Hier hatte der 79-jährige Künstler allerdings große Bedenken. Schließlich zählt Basaltgestein, neben Granit, zu einer der härtesten Gesteinsarten und ist zudem äußerst schwierig zu bearbeiten. "Da musste ich mir erstmal etwas Bedenkzeit erbeten und mit meiner Frau besprechen, ob ich mir diese Schwerstarbeit noch antun soll. Denn wenn ich es mache, dann würde ich mich reinhängen", erzählt Gerwin Kellermann.

Ehrgeiz geweckt

Unmöglich zu erfüllen war außerdem die Maßgabe aus Würzburg, zwei gleiche Gepäckstücke zu erstellen. "Basalt hat keine bildhauerische Qualität, seine Struktur ist nicht homogen", widersprach Kellermann schließlich. So dachte er zunächst daran, die Skulpturen aus Sandstein zu hauen. Letztlich entschied er sich doch für Basalt - der Ehrgeiz war geweckt.

Mittels Widia-Meißel, Diamant-Scheiben, Bohrer, Glättscheiben und Fräsköpfen, die sich in Windeseile verbrauchten oder zu Bruch gingen, machte er sich vier Monate lang ans Werk. Die Wirkung der Skulptur war allerdings äußerst besonders.

Entscheidung über Standort

Besondere Probleme machte allerdings der zweite Basaltrohling. Er hatte so viele Schwachstellen und Haarrisse im Innenbereich, dass der Bildhauer schon aufgeben wollte. Doch auch hier siegte sein Ehrgeiz schließlich wieder, und er entwickelte eine neue Formvorstellung. "Es war schon eine äußerst reizvolle Aufgabe, ein tolles Projekt, trotz aller Widrigkeiten. Die guten Beziehungen nach Riedenberg waren wohl ausschlaggebend, mich dieser Herausforderung zu stellen. Noch heute grüßen und winken mir ehemalige Riedenberger Schüler, auch wenn ich sie schon vor 50 als Lehrer hatte. Die Zugewandtheit der Riedenberger war für mich und meine Frau sozusagen lebensbegleitend",so Kellermann.

Über den geeigneten Standort des Rucksacks soll nun in der kommenden Gemeinderatssitzung befunden werden.