Am Donnerstagabend, 11. März, geht es in Riedenberg um die Frage, was mit dem Abwasser der Gemeinde mit rund 1000 Einwohner passieren soll. "Das ist eine so schwerwiegende Entscheidung, deshalb diskutieren wir zuerst alle Möglichkeiten durch", teilt Bürgermeister Roland Römmelt (CSU) im Vorfeld vor der Gemeinderatssitzung auf Nachfrage mit.

Abwägung dreier Optionen

Ein Beschluss soll noch nicht getroffen werden. Vielmehr gehe es um die Abwägung dreier Optionen, sagt Römmelt. Erstens kann sich die Gemeinde an die neue, geplante Wildfleckener Kläranlage in Oberbach anschließen. Zweitens ist es möglich, eine eigene Kläranlage im Gemeindegebiet zu bauen oder drittens ist ein Leitungsanschluss an Römershag und damit an das Bad Brückenauer Netz mit der Abwasserreinigung in Trübenbrunn möglich. Einleitungsfrei ist die Sinn nach dem Entschluss von Wildflecken auch weiterhin nicht, egal für welche Möglichkeit sich die Gemeinde Riedenberg entscheidet.

Im vergangenen Monat erst entschloss sich die Nachbargemeinde Wildflecken für eine eigene Kläranlage. Damit steht ein Zweckverband mit dem Ziel, gemeinsam in Römershag an das Bad Brückenauer Netz anzuschließen, nicht mehr zur Debatte.

Kritik durch BN

"Wenn Wildflecken sich für den Anschluss an Bad Brückenau entschieden hätte, dann hätten wir uns sicher angeschlossen", kommentiert der Bürgermeister. Für die weitaus größere Nachbargemeinde mit mehr als dreimal so vielen Einwohnern kommt das aber nicht in Frage. Die Unwägbarkeiten der Kosten seien zu groß, so der Tenor aus dem Wildfleckener Gemeinderat.

Beim Bau einer eigenen Kläranlage oder dem Anschluss an das nur wenige Kilometer flussaufwärts liegende Wildflecken fließt das gereinigte Abwasser in den Wildbach Sinn. Unter anderem diesen Punkt beanstandete der Bund Naturschutz kürzlich. Für den Riedenberger Bürgermeister war dieser ökologische Aspekt immer wichtig. Nach der Entscheidung Wildfleckens rückt dieser Punkt hingegen in den Hintergrund.

Anschluss berechenbar

Römmelt begründet: "Als kleine Gemeinde ohne Industrie wird die Wasserqualität der Sinn beim Bau einer eigenen Kläranlage oder dem Anschluss an Wildflecken nicht beeinflusst." Trotzdem sieht er den Anschluss an das Bad Brückenauer Netz weiterhin als plausible Möglichkeit. Zur Diskussion in den Gemeinderat eingeladen ist Stadtwerke-Chef Michael Garhamer, der über Jahre für einen Zweckverband zwischen Wildflecken und Riedenberg und den gemeinsamen Anschluss an Bad Brückenau warb.

Nach der vorliegenden Faktenlage seien die Kosten für den Kanalbau nach Römershag gut einzuschätzen, sagt Garhamer vor dem Gespräch. "Wir können darlegen, was auf die Riedenberger Bürger in den nächsten 20 Jahren zukommt." Für den Bau einer eigenen Kläranlage in Riedenberg oder den Anschluss nach Oberbach seien die Kosten nur sehr grob zu beurteilen.

Bürger muss zahlen

Was die Gewässerqualität der Sinn angeht, so blickt der Geschäftsführer in die Zukunft. Wenn es um eine mögliche Aufrüstung mit einer vierten Reinigungsstufe komme, dann seien größere Kläranlagen im Verbund mit mehreren Gemeinden - wie das in Trübenbrunn der Fall ist - sicher kostengünstiger umzubauen.

Dem Riedenberger Bürgermeister ist eines besonders wichtig. "Wir möchten einen transparenten Prozess, bei dem die Bürger mit ins Boot geholt werden". Vor allem deshalb werde öffentlich im Gremium diskutiert. Zahlen zur Berechnung der Stadtwerke fließen ganz konkret mit ein.