Einen ganzen Ordner voll mit Unterlagen zum angedachten Gewerbegebiet der Brückenauer Rhönallianz hat Jürgen Metz in seinem Büro im Landratsamt. Als Kreisentwickler des Landkreises Bad Kissingen kümmert er sich um die Ansiedlung von Industrie und Gewerbe. Mit der Region verbindet ihn, dass er in Singenrain wohnt und 3. Bürgermeister des Marktes Schondra ist.

Herr Metz, seit Jahren gibt es in der Rhönallianz Überlegungen, ein interkommunales Gewerbegebiet auszuweisen. Nun soll ein Zweckverband gegründet werden, obwohl die Umsetzung bisher nicht aus dem Tritt kam. Warum?

Jürgen Metz: Es ist wichtig, einer solchen Zusammenarbeit einen rechtlichen Rahmen zu geben. Befürworten die Gemeinden einen Zweckverband, so wird dieses Gremium über Fläche, Erschließung, Vermarktung und finanzielle Beteiligung der Gemeinden entscheiden.

Welche Fläche ist im Gespräch?

Ich kann natürlich nur Vorschläge machen, aber die Möglichkeit ist, nach Schildeck zu gehen. Da gibt es zwei Gemeinden, die Flächen einbringen können. Insgesamt geht es um eine Größe von knapp 40 Hektar. Es werden aber auch noch andere Flächen diskutiert.

Warum sollten Oberleichtersbach und Schondra das tun? Die Gemeinden könnten doch einfach selbst ein weiteres Gewerbegebiet ausweisen.

Der Gedanke, interkommunale Gewerbegebiete auszuweisen, kam auf, weil wir zu wenig Gewerbeflächen im Landkreis haben. Die Wirtschaftsförderung hat das Thema angestoßen und die Rhönallianz hat den Ball aufgenommen. Die beiden hauptsächlich betroffenen Gemeinden haben schon vor einiger Zeit entschieden, dass sie mitmachen würden. Auch Geroda hat Unterstützung signalisiert.

doch nicht etwa aus Mitmenschlichkeit und Idealismus?

Nein. Bei uns in Schondra jedenfalls gab es keine große Diskussion darüber, das Allianz-Projekt zu unterstützen. Der Vorteil ist ja, dass auch die Kosten für die Erschließung geteilt werden können.

Warum dauert die Umsetzung so lange?

Vor zwei Jahren waren wir in München, um Fördermöglichkeiten auszuloten. Es ist auch eine Potenzial-Analyse gemacht worden. Dann passierte nicht mehr sehr viel. Ende Mai hat die Wirtschaftsförderung die Initiative wieder aufgenommen und die Bürgermeister zu einem Treffen eingeladen. Der Tenor war positiv. Deshalb entscheiden die Gemeinderäte gerade darüber, ob sie einer Zielvereinbarung für die Gründung eines Zweckverbands zustimmen.

Der Online-Riese Amazon lässt ein Verteilerzentrum bei Oerlenbach bauen. 120 Arbeitsplätze sollen entstehen. Wäre diese Ansiedlung in Schildeck denkbar gewesen, wenn man mit der Umsetzung schon weiter gewesen wäre?

Ob Amazon in die Rhön gegangen wäre, kann man nicht sagen. Aber die Fläche hätten wir dann natürlich auch anbieten können. Das ist aber natürlich jetzt eine spekulative Aussage.

Der Spagat zwischen der Ansiedlung von Gewerbe im Biosphärenreservat und Naturschutz ist besonders groß. Wo stehen Sie in diesem Konflikt?

Natürlich ist die Autobahnabfahrt bei Schildeck der Ort, wo Touristen als erstes etwas von der Region zu sehen bekommen. Ich glaube aber trotzdem, dass Gewerbeansiedlung nötig ist, um Arbeitsplätze zu schaffen. Ich denke auch, dass Touristen das ein Stück weit verstehen. Aber das Spannungsfeld ist da, ja.

Wäre aus Sicht der Wirtschaftsförderung ein Nationalpark Rhön sinnvoll gewesen?

Aus Sicht der Wirtschaftsförderung wäre es sicher interessant gewesen, wenn ein Nationalpark ausgewiesen worden wäre. Das hätte die touristische Infrastruktur enorm gestärkt. Damals haben wir gerade die Rhön GmbH gegründet. Das hätte ganz gut dazu gepasst.

Nach drei Jahren als Geschäftsführer der Rhön GmbH hat Thorn Plöger im Frühjahr überraschend aufgehört. Warum?

Man hat sich einvernehmlich getrennt. Mehr möchte ich dazu nicht sagen. Die Gesellschaft besteht ja aus fünf Landkreisen. Aktuell liegt die Führung beim Wartburgkreis.

Hat sich dieses Konstrukt der Zusammenarbeit über drei Bundesländer hinweg bewährt?

Absolut. Man muss sich darüber im Klaren sein, wie schwierig eine Zusammenarbeit über drei Bundesländer und fünf Landkreise ist. Wir werden von anderen Destinationen darum beneidet, dass es in der Rhön eine Struktur für eine gemeinsame Vermarktung gibt.

Manchmal funktionieren die Strukturen allerdings noch nicht so gut. Wie kann es sein, dass in der Rhön Mountainbike-Strecken über Privatgrund ausgewiesen werden und die Eigentümer davon nichts wissen?

Rechtlich ist es legitim, dass neue Routen auch über Privatgrundstücke ausgeschildert werden. Wir haben darüber in einer Allgemeinen Bekanntmachung informiert. Die nimmt natürlich nicht jeder gleich wahr. Hier werden wir noch nachbessern.

Noch einmal zurück zur Allianz: Wie ist Ihr Eindruck von der Brückenauer Rhönallianz im Vergleich zu anderen Allianzen im Landkreis?

Die Allianz Kissinger Bogen nehme ich als sehr aktive Allianz wahr. Die Allianz Fränkisches Saaletal im Hammelburger Raum läuft ebenfalls sehr gut. Auch die Rhönallianz hat mittlerweile tolle Gemeinschaftsprojekte umgesetzt.

Das Gespräch führte Ulrike Müller.

Brückenauer Rhönallianz: Acht Kommunen arbeiten zusammen

Allianz In der Brückenauer Rhönallianz haben sich die acht Kommunen des Altlandkreises Bad Brückenau zusammengeschlossen. Diese sind: Geroda, Motten, Oberleichtersbach, Riedenberg, Schondra, Wildflecken und Zeitlofs. Leitkommune ist die Stadt Bad Brückenau.

Themen Das Spektrum der Aufgaben ist breit. Die Allianz kümmert sich um den neuen Radweg genauso wie um die Belebung der Ortskerne. Bei der Klärschlamm-Entsorgung arbeiten die Kommunen zusammen. Als größtes Projekt wird über ein gemeinsames Abwasserkonzept beraten.