Da ist er wieder, der Reformationstag. Alle Jahre wieder erinnern evangelische Christen an ihren Gründer, den Revoluzzer Martin Luther. Korrekter wäre wohl, vom Reformator zu sprechen. Schließlich wollte Luther seine, die katholische Kirche, reformieren. Es gelang ihm nicht - und plötzlich gab es da zwei Kirchen in Mitteleuropa.

Es sollte noch Jahrhunderte dauern, bis diese sich die Hand reichten. Doch mittlerweile ist das Miteinander von Katholiken und evangelischen Christen ganz normal. "Katholische und evangelische Christen arbeiten ganz selbstverständlich zusammen, zum Beispiel bei der Tafel oder im Weltladen", erzählt Pfarrer Gerd Kirchner von der evangelischen Friedenskirche.

Neue Gottesdienstformen

Aber auch sonst sei die Ökumene in der kirchlichen Arbeit fest verankert. Das beginne bei der Georgi-Prozession, gehe über die Klinik- und Kurseelsorge und reiche bis hin zum Martinszug oder den Sternsingern, die in diesem Jahr erstmals ökumenisch unterwegs waren. "Das hat einen riesigen Anklang gefunden in der Stadt", freut sich Pfarrer Kirchner.

Auch auf der katholischen Seite ist Ökumene ein Thema. Seit ungefähr einem Jahr zählt die Pfarreiengemeinschaft St. Georg im Bistum Würzburg zu den "Modellgemeinden Liturgie" (siehe Info-Kasten). Neue, ökumenische Gottesdienstformen sollen ausprobiert werden. So will die Kirche näher zu den Menschen rücken.

Kern-Team und Helfer

"Wir wollen weg vom ,holden Knaben mit lockerem Haar' hin zur Realität: Wo wird Gott Mensch?", sagt Bernhard Hopf, der beim Referat für Liturgie und liturgische Bildung der Diözese Würzburg arbeitet und die Modellgemeinden betreut. Ein Kern-Team von fünf Leuten sei in Bad Brückenau aktiv. Dazu kommen noch weitere Helfer, die sich projektbezogen einbringen, berichtet Hopf.

Die "Modellgemeinden Liturgie" wurden im Dialogprozess angestoßen, der die katholische Kirche seit dem Bekanntwerden von Vorfällen sexuellen Missbrauchs beschäftigt. "Die Leute haben die Vielfalt der Liturgie angemahnt", erklärt Hopf das Anliegen. "Die Menschen unserer Zeit brauchen andersartige Feiern als wir sie als Kirche anbieten", sagt Hopf.

Verhältnis unter den Kollegen ist herzlich

Die neuen Angebote fanden gute Resonanz bei den Gläubigen. Deshalb hat sich das Team entschlossen, auch in dieser Adventszeit wieder Aktionen anzubieten. "Auch Menschen, die eher nichts mit Kirche am Hut haben, sollen angesprochen werden", sagt Hopf. Und eben auch die Christen, in deren Taufschein nicht "katholisch" steht, sondern "evangelisch".

Aber Ökumene ist noch mehr. "Das Verständnis unter den Kollegen ist sehr tief", berichtet Pfarrer Kirchner von gutem Austausch und kollegialem Miteinander. "Wir wissen voneinander, wann wir auf dem Zahnfleisch kriechen." Denn auch das ist eine Seite der Ökumene: In Zeiten des Pfarrermangels hilft der katholische Kollege auch mal dem evangelischen aus. Und andersherum.