Die Pläne für neue Übernachtungsmöglichkeiten auf dem Kreuzberg wurden auf Eis gelegt. Die wirtschaftlichen Auswirkungen der Corona-Pandemie, Preissteigerungen aufgrund des Ukraine-Kriegs, die steigende Inflation und damit einhergehende unabsehbare Kostensteigerungen für Bauvorhaben führte der Provinzial der Franziskaner Cornelius Bohl OFM (Ordenskürzel: OFM; lateinisch ordo fratrum minorum, deutsch Orden der Minderen Brüder) als Gründe an. Ausdrücklich betonte er: "Es ist eine Entscheidung der Provinz und nicht der Geschäftsführung" und der fügte an: "Es ist nicht gestrichen und adacta gelegt."

Größere Wallfahrten wie aus Würzburg und Karlstadt können auf dem Kreuzberg seit zwei Jahren nicht mehr beherbergt werden, unabhängig davon, dass aufgrund der Pandemie ohnehin keine Wallfahrten möglich waren. Ausschließlich die offiziellen 130 Betten stehen zur Verfügung. Matratzenlager und Massenquartiere gibt es nicht mehr. Die Entscheidung musste von Provinzialminister Bohl und Geschäftsführer Christian Weghofer, der im September 2019 auf den Kreuzberg kam, aus Brandschutzgründen getroffen werden. "Das kann niemand verantworten. Es gab keine Fluchtwege. Es grenzt schon an ein Wunder, dass nicht etwas passiert ist", so Weghofer.

Auch Pater Korbinian Klinger, der Gudardian des Klosters, der seit Herbst 2020 auf dem Kreuzberg ist, unterstützt die Entscheidung, schon alleine aufgrund seiner Erfahrungen als Feuerwehrmann. Das bedeutet für größere Wallfahrten, wie die Würzburger mit gut 500 Teilnehmerinnen und Teilnehmern, dass ein Großteil von ihnen auf andere Unterkünfte in der Region ausweichen. Bohl: "Das ist nicht schön, das wissen wir." Lösungen gebe es aber. Beispielsweise können Wallfahrer auf dem Volkersberg unterkommen.

Wallfahrt vor Bierausschank

Hauptaufgabe der Franziskaner auf dem Kreuzberg sei die Wallfahrt. "Wir sind nicht hier um Bier zu verkaufen", betonte Bohl mehrfach. Der Kreuzberg sei in einer Linie ein Wallfahrtsort und die Seelsorger seien für die Wallfahrer da. "Wir Franziskaner haben es immer als Aufgabe gesehen für das leibliche und seelische Wohl der Wallfahrer zu sorgen, Pilger zu beherbergen und zu verköstigen." So entstanden die Brauerei, die Schänke und der Übernachtungsbetrieb.

Vor diesem Hintergrund seien in den vergangenen zwei Jahren Überlegungen angestellt worden, künftig wieder alle Wallfahrer auf dem Kreuzberg beherbergen zu können. Jedoch wurde die bauliche Ertüchtigung der Massenunterkünfte als unwirtschaftlich und nicht zeitgemäß verworfen.

Kojen für 160 Personen

Pläne für ein neues Gebäude wurden erstellt und diskutiert. Den Wallfahrtsführern wurde im Herbst vorigen Jahres in Aussicht gestellt, dass investiert werde und einfache aber zeitgemäße und zum Kreuzberg passende Übernachtungsmöglichkeiten geschaffen werden. Ende des Jahres waren die Pläne fertig. Bohl sprach von "einfachen Schlafkojen" für 160 Personen, die im Bereich des heutigen Hotelgäste-Parkplatzes in den Hang gebaut und begrünt worden wären. Diese einfachen Übernachtungsmöglichkeiten hätten außerhalb von Wallfahrtszeiten Wanderern, Radfahrern oder Jugendgruppen, die einfach und günstig übernachten möchten, als Unterkunft dienen können.

Mit Kriegsbeginn und der steigenden Inflation wurde das Projekt noch einmal überprüft. Hinzu komme die Frage, wie es mit Wallfahrten überhaupt weiter gehen werde. All diese Unwägbarkeiten und Unsicherheiten führten zum Stopp der Pläne. "Es ist nicht zu verantworten mit einem Projekt das mehrere Millionen umfassen wird, jetzt zu beginnen, ohne zu wissen, wie sich die Situation weiter entwickeln wird", sagte Bohl. Nicht nur für die Wallfahrer sondern auch für die 100 Angestellten sei in diesen unsicheren Zeiten Verantwortung zu tragen.

Übers Jahr gesehen kommen 18 Wallfahrten, die auf dem Kreuzberg übernachten, von diesen sind fünf Wallfahrten mit mehr als 130 Personen angemeldet, von denen nicht alle beherbergt werden können. Die 30 bis 35 Tageswallfahrten benötigen ohnehin keine Übernachtung, berichtet Klinger.

Es gibt noch einiges zu tun

Dennoch gibt es einiges zu tun: Bohl und Weghofer sprachen von notwendigen Reparaturen am Dach und dem noch viel größeren Thema der Energieversorgung und energetischen Sanierung des Klosters. Die über Jahrhunderte gewachsene Struktur des Kreuzbergs stellt die Verantwortlichen vor nahezu unüberschaubare Probleme. Für Brauerei, Küche, Kirche, Gasträume, Kloster, den Berggasthof Elisäus und den Klosterladen sowie die vielen weiteren kleinen und großen Wirtschaftsgebäude gilt es ein Konzept zu erstellen.

Derzeit sei manches miteinander verknüpft, manches auch nicht. Hinzu komme eine viel zu schwache Stromversorgung des Kreuzbergs. Neben einer stärkeren Stromleitung wäre eine zentrale Holzpelletsheizung ein Wunsch. Nur ob das realistisch und sinnvoll umzusetzen sei, könne noch niemand sagen. Ein Anschluss des Klosters an die Gasleitung in Oberwildflecken, wäre viel zu kostenintensiv.

Bauarbeiten an und in den alten Gebäuden bergen zudem die unabsehbare Gefahr von Schwierigkeiten und Problemen, ganz abgesehen davon, dass alles unter Denkmalschutz stehe. Um einen Überblick über die verworrenen und teilweise von einander abhängigen Energieversorgungen zu bekommen, soll eine Bestandsaufnahme und ein Konzept erfolgen.