Bad Brückenau
Konflikt

Petition für Notaufnahme an Franz-von-Prümmer-Klinik: von Hoffnung bis Realitätsverlust

Über 3.000 Unterschriften hat die Petition gegen die Schließung der Notfallversorgung im hiesigen Krankenhaus erreicht. Was Klinikleitung, Stadt, Stadträte und Landrat dazu sagen.
Die Notaufnahme an der Franz-von-Prümmer-Klinik in Bad Brückenau wird geschlossen. Das sorgt für ablehnende Reaktionen Foto: Steffen Standke
Die Notaufnahme an der Franz-von-Prümmer-Klinik in Bad Brückenau wird geschlossen. Das sorgt für ablehnende Reaktionen Foto: Steffen Standke

Gut eine Woche ist es her, da rief das des "Bündnis Klinikrettung" eine Petition ins Leben, um gegen die Einstellung der Notfallversorgung in der Bad Brückenauer Franz-von-Prümmer Klinik ein Zeichen zu setzen. Mittlerweile haben (Stand 14. September) 3.035 Menschen ihre Unterschrift für den Erhalt gegeben.

Das sieht das Bündnis laut einer Pressemitteilung als ermutigendes Zwischenergebnis. "Gut 2.000 Unterschriften signalisieren: Hände weg von der Notfallversorgung", heißt es in dem Schreiben. Das Bündnis fordert den Träger, die Deutsche Regional Klinik GmbH, auf, "Ihrer Verantwortung für die EinwohnerInnen der Region gerecht zu werden und auch zukünftig eine wohnortnahe klinische Grund- und Regelversorgung einschließlich Notfallversorgung für die Region Bad Brückenau sicher zu stellen." Fachkliniken und Kliniken ohne Notfallversorgung würden der Daseinsvorsorge für klinische Patienten nicht gerecht.

Stadt und Landkreis sollen Gespräch suchen

Ebenfalls sieht das Bündnis die Stadt Bad Brückenau und den Landkreis Bad Kissingen in der Verantwortung, Verhandlungen mit der Deutsche Regional Klinik "zwecks Erhalt der Grund- und Regelversorgung einzutreten". Es könne nicht sein, dass 8.100 EinwohnerInnen eine wohnortnahe klinische Versorgung binnen 30 Fahrzeitminuten verweht wird. "Dies kann lebensentscheidend sein", betonen die Initiatoren.

Dem Bündnis sei bewusst, dass die Petition für den Landkreis Bad Kissingen und Landrat Thomas Bold nicht bindend ist. Sollte die örtliche Bevölkerung allerdings eine bindende Entscheidung anstreben, heißt es weiter, "steht ihr die Möglichkeit eines Bürgerbegehrens und Bürgerentscheids offen". Dieser würde den Landkreis verpflichten, das eindrucksvolle Votum der Petition umzusetzen.

Ralph Pleier: "Forderungen gehen an Versorgungsrealität vorbei"

Mit der Petition konfrontiert, äußert sich Krankenhausdirektor Ralph Pleier. Generell begrüße die Klinik die Idee des Aktionsbündnisses, "über systempolitische Entwicklungen öffentlich zu informieren und die Diskussion über die Gesundheitsversorgung in der ländlichen Region anzuregen."

Er sagt aber auch: Neben Vergütungsthemen des Personals sowie medizinischer Leistungen stehen hohe Vorhaltekosten wenigen Patientenzahlen in der Notaufnahme gegenüber.Genaue Zahlen möchte Pleier wegen der Komplexität nicht nennen, nur so viel: "Die Forderungen aus der Petition gehen an der Versorgungsrealität vorbei." Es entstehe ein falsches Bild, das der Region nicht gerecht werde. Realität sei, dass es einen hohen Bedarf an einer geriatrischen Versorgung gebe. "Der Landkreis ist überaltert."

Niedergang eines Krankenhauses

Stadtrat Prof. Dr. Emanuel Fritschka (PWG) arbeitet als niedergelassener Mediziner in Bad Brückenau, fährt auch als Notarzt oft zu Einsätzen raus. Seinen Beobachtungen zufolge war die Notaufnahme der Prümmer-Klinik gut ausgelastet; Zahlen kann auch er nicht nennen. Die Behandlung sei aber immer zeitnah und gut gewesen. Dementsprechend bedauert er die Schließung.

Seit Jahren verfolgt Fritschka das Schicksal des Bad Brückenauer Krankenhauses - und sieht einen schleichenden Niedergang. Früher sei es eine hochspezialisierte Rheumaklinik gewesen, dann zum Krankenhaus der Grund- und Regelversorgung herabgestuft worden. Nun der nächste Schritt abwärts zur "Klinik auf Zuruf".

Das bedeute, dass niedergelassene Ärzte beim Krankenhaus anfragen müssten, ob sie ihre Patienten dort unterbringen können. Aus dem Notrufsystem, in dem die Prümmer-Klinik freie Betten melde und die Integrierte Leitstelle Schweinfurt diese belege, sei sie dann raus. Der Vorteil für das kleine Krankenhaus: Es kann seine Belegung besser planen, kann die Strukturen für Eventualfälle zurückfahren.

Rettungsdienst bekommt mehr zu tun

Was geschieht nun mit der Notfallversorgung im Raum Bad Brückenau? Fritschka sagt klar: "Der Rettungsdienst wird mehr zu tun bekommen. Und die Patienten werden im Schnitt länger warten müssen." Der Professor nennt ein Beispiel: Gab es im Altenheim der Arbeiterwohlfahrt in der Buchwaldstraße , brachte der Rettungstransportwagen (RTW) die oder den Verunglückten in die Prümmer-Klinik und war nach zehn Minuten wieder einsatzbereit. Jetzt könnte der Fall jeweils 40 Minuten für Hin- und Rückfahrt dauern, wenn Notfall-Patienten nach Bad Neustadt gefahren werden müssen.

Mit dem Rettungshubschrauber gehe es zwar schneller, sei aber ungleich teurer. Und der für den gesamten Landkreis zuständige Bereitschaftsarzt schaffe nur acht Einsätze in einer Nacht.

Fritschka sieht die Lösung in einem dritten RTW für den Brückenauer Raum. Einer sei in der Rettungswache in der Rotkreuzstraße stationiert, der andere meist auf Abruf unterwegs.Den Bedarf für einen dritten Wagen müsse das Bayerische Rote Kreuz als regionaler Träger des Rettungsdienstes errechnen und entsprechend planen.

Aufmerksamkeit für das Problem

Die Petition des "Bündnis Klinikrettung" findet der Bad Brückenauer Arzt gut. "3000 Unterschriften haben Gewicht. Das erregt Aufmerksamkeit." Dadurch werde der Bedarf für die Notaufnahme in der Bevölkerung sichtbarer. Dadurch fühlten sich Politiker vielleicht genötigter zu handeln. Das Problem könne aber nur durch Bund und Land und eine bessere Klinikfinanzierung gelöst werden. "Bayerns Gesundheitsminister Klaus Holetschek weiß, wie die Situation in Bad Brückenau ist."

Fritschkas PWG-Kollege und Stellvertretender Bürgermeister Jürgen Pfister sieht das ähnlich. "Die Petition kann hilfreich sein, wenn wir weitere Gespräche zu dem Thema führen." Nach wie vor liege ihm die Grundversorgung der Bevölkerung am Herzen.

Einige Stadträte haderten in der jüngsten Sitzung des Gremiums mit der Privatisierung der Prümmer.Klinik, aber auch mit dem deutschen Gesundheitssystem. Dieses sei "von oben bis unten krank und absurd", sagte Adelheid Zimmermann (FDP). Für Ralf Keßler (SPD) war die jetzige Entwicklung vorhersehbar. Sie lasse sich aber wahrscheinlich nicht verhindern.