"Schön warm" ist relativ. Den Kothener Kindergartenkindern und ihren Erzieherinnen ist die Sonneneinstrahlung, die in den Vormittagsstunden über die breite Fensterfront einstrahlt, aber zu warm. Bis zu 38 Grad seien schon gemessen worden, berichtet die neue Kindergartenleiterin Karin Muhr und wandte sich daher an Bürgermeisterin Katja Habersack (parteilos) mit der Bitte um Sonnenschutz. Diese "würde den Vorschlag gerne unterstützen, bauliche Vorsorge umzusetzen".

Architekt Rudolf Röbig erläuterte verschiedene Varianten: manuell betriebene Klappläden, die optisch zu denen im Dachgeschoss passen würden, Schiebeläden, Raffstore, Sonnenschutzfolie oder ein temporäres Vordach, beispielsweise ein Sonnensegel.

Die grundsätzliche Bereitschaft, für Schatten in den Kindergartenräumen zu sorgen, befürwortete der Gemeinderat einstimmig. Dennoch müssen die verschiedenen Varianten in Bezug auf Praktikabilität, Wirtschaftlichkeit und auch Veränderung der Außenfassade geprüft werden. Röbig sprach auch eine innerräumliche Umluftkühlung an, die in die Decke integrierbar sei. Im Zwischenraum, der als "Cafeteria" genutzt wird, wäre noch eine Schallschutzdecke, wie sie in den beiden Gruppenräumen schon vorhanden ist, nötig. Auch dieses Vorhaben unterstützen die Räte, ebenso wie eine neue Brandschutztür in Richtung Treppenhaus. Diese sei laut Habersack "alternativlos", ungeachtet der "emotionalen Verbindung" vieler Kindergartenkinder zu dieser alten Holztür, die nicht mehr den aktuellen Bestimmungen entspricht. Der Sonnenschutz ist bereits im Haushaltsentwurf mit 5000 Euro vorgesehen, für die Brandschutztür müssen Angebote eingeholt werden.

Mehr Ausgaben

Der Haushaltsentwurf 2020 erfuhr einige einleitende und erläuternde Vorworte. Coronabedingt beeinflussen sowohl Mehrausgaben, als auch Mindereinnahmen die finanzielle Leistungsfähigkeit der Gemeinde. Trotzdem sei der von Kämmerer Steffen Schneider vorgestellte Haushaltsplan laut Bürgermeisterin Katja Habersack ausgeglichen. Er trage "die Handschrift der vergangenen Legislaturperiode. Die vergangenen Jahre waren gute Jahre". Rücklagen wurden gebildet, die nun die Grundlage seien für "große Investitionen, die wir so in der Gemeinde noch nicht hatten". Diese führten unweigerlich zu neuen Schulden, dennoch "haben wir eine solide Finanzbasis bei uns in der Gemeinde".

Kämmerer Steffen Schneider erläuterte einzelne Punkte. Im eigenen Ressort, der Kämmerei und Kasse, haben sich die EDV-Kosten fast verdoppelt. Für die einkalkulierten 8500 Euro sind der Aufbau des digitalen Archivsystems, e-Rechnungsverarbeitung und das elektronische Anwendungswesen ausschlaggebend.

Geld für die Feuerwehren

Die Renovierungsarbeiten am Feuerwehrhaus in Motten wurden bereits im vergangenen Jahr abgeschlossen. In diesem Jahr investierte die Gemeinde noch in einen Kettenzug für den Schlauchturm. Die Ausgaben reduzierten sich daher von 15 000 Euro (2019) auf 2500 Euro. Allerdings musste man für das Feuerwehrhaus in Kothen tiefer in die Tasche greifen. Reparaturarbeiten am Löschgruppenfahrzeug schlugen mit 18 000 Euro zu Buche.

Die Digitalisierung der Grundschule macht sich zahlenmäßig schon bemerkbar. Für den allgemeinen Gebäudeunterhalt, aber auch den Aufbau von Wlan und der Netzwerke sind 20 000 Euro eingeplant. Motten fördert seine Kindertageseinrichtungen mit 403 000 Euro. Der staatliche Förderbetrag in Höhe von 256 000 Euro hilft hier.

Die Senkung der Kanalbenutzungsgebühren 2018 macht sich bemerkbar. Nur noch 138 000 Euro sind auf der Haben-Seite verbucht. Trotz erhöhter Wasserverbrauchsgebühren hat die Gemeinde knapp 20 000 Euro weniger als im Vorjahr eingenommen. Dies sei auf einen verminderten Wasserverbrauch zurückzuführen.

Eine deutliche Wertsteigerung erfährt der neue Jugendraum im Kothener Feuerwehrhaus. Statt der bisherigen 100 Euro für den allgemeinen Unterhalt lies die Gemeinde für Bodenbelagsarbeiten mehr als 10 000 Euro springen.

Richtig teuer wird es beim Neubau des Kinderhauses in Motten. Hier stehen für 2020 vorerst 1 700 000 Euro bereit. Hinzu kommen weitere 180 000 Euro für Architektenleistungen. Die Gemeinde rechnet aber auch mit einem Förderbetrag von 500 000 Euro durch das Land Bayern. 663 000 Euro fließen in die barrierefreie Sanierung des Josefsheims, die Förderung für 2020 liegt bei 200 000 Euro. Große Zuwendungen (gut 436 000 Euro) gibt es für das "Höfeprogramm".

Das Gros war 2019 bereits getätigt, für 2020 sind für Restkosten 20 000 Euro vorgesehen. Auch für den Kernwegeausbau fallen noch Restkosten in Höhe von 262 000 Euro an, ein Antrag auf Nachförderung ist bereits bewilligt. Letzte Zahlungen für die Sanierung des Hochbehälters sind mit 215 000 Euro angegeben.

Trotz der Rücklagen seien für die folgenden Jahre laut Kämmerer Steffen Schneider "deutliche Kreditaufnahmen eingeplant". Vor Corona war man von einer "anderen Einnahmesituation ausgegangen".

Zahlenwerk

Die Hebesätze bleiben unverändert bei 300 v.H. (Grundsteuer A und B) und 320 v.H. (Gewerbesteuer). Kämmerer Steffen Schneider zeigte auf, dass dies "deutlich unter dem Mittelwert" im Landkreis liege, weshalb es im kommenden Jahr notwendig werde, die Hebesätze anzupassen.

Der Haushalt 2020 beläuft sich auf 6 791 550 Euro. Davon sind für den Verwaltungshaushalt 3 031 050 Euro eingeplant, für den Vermögenshaushalt 3 760 500 Euro (alle Werte gerundet).

Da sich die Kreisumlage auf Grund des Istaufkommens des Haushaltsjahres 2018 errechnet, steigt sie für 2020 auf 782 000 Euro (2019: 713 545 Euro). Diese Berechnung habe auch die Schlüsselzuweisungen als Grundlage. Sie verringern sich auf 461 800 Euro (2019: 475 500 Euro).

Die Gewerbesteuer wurde mit 500 000 Euro geringer angesetzt als 2019 (775 000 Euro). Auch der Ansatz des Einkommensteueranteils liegt mit 780 000 Eurounter dem Ansatz aus 2019 (890 000).

Die Schätzung der Umsatzsteuer wurde wegen Corona bedingt möglichen Einbußen von 85 000 Euro auf 62 000 Euro angepasst.

Die Rücklagen verringern sich enorm. Der Anfangsbestand 2020 lag noch bei knapp 1 637 000 Euro, der Endbestand liegt bei 302 300 Euro.

Würde ein Kredit in Höhe von 250 000 Euro aufgenommen, erhöhen sich die Schulden auf 387 177 Euro, das entspräche einer Pro-Kopf-Verschuldung von 231 Euro. Allerdings geht Schneider "nicht davon aus, dass diese Kredite tatsächlich benötigt werden". Ohne Kreditaufnahme liegen die Schulden etwa bei 137 177 Euro, pro Kopf also knapp 82 Euro, 20 Euro weniger als 2019.