"Blumenkübel als Provisorium - Wie Raser und Abkürzer in der Bad Brückenauer Altstadt zur Vernunft gebracht werden sollen." Der Zeitungsartikel mit dieser Überschrift samt Untertitel zur Ludwigstraße erschien nicht etwa vor kurzem - sondern vor mehr als zehn Jahren, im Mai 2011. Es war nicht der erste Beitrag über die Fußgängerzone, die Autos zeitweise mitbenutzen dürfen - und dadurch in Konflikt mit anderen Nutzern geraten. Es wird auch nicht der letzte sein.

In der Stadtratssitzung Ende Juni griff Robert Eder (PWG) das Thema wieder einmal auf. "Die Autos fahren zu schnell an den Stühlen am 'Da Rocco' vorbei", sagte er. Insbesondere spielende Kinder seien dort gefährdet.

Es entspann sich eine Diskussion, die langjährige Stadtrats-Besucher schon kennen: über parkende Lieferwagen, die Durchgang und Durchfahrt behindern. Über Pflanzenkübel und Querschwellen, die Raser ausbremsen sollen. Und die Nachteile solcher Lösungen. Genau diese Punkte wurden auch schon in dem Bericht vor zehn Jahren angesprochen.

Wie Stadträtin Adelheid Zimmermann (FDP) richtig bemerkte, ist "das Thema Fußgängerzone sehr emotional besetzt". Und ein anderes Mitglied des Gremiums meinte sogar: "Wir werden dieses Thema nie in den Griff bekommen." Immerhin einigten sich die Räte: Die Stadtverwaltung solle nach dem Verbleib von Blumenkübeln forschen, die den Liefer- und Durchgangsverkehr einbremsen sollten.

Nach Angaben des langjährigen Stadtrats Hartmut Bös (Grüne) waren sie einst am oberen Ende der Fußgängerzone, in der Altstadt nahe der Sternwirtsgasse, aufgestellt worden. Was allerdings Anlieger behinderte, aus ihren Einfahrten zu kommen beziehungsweise zu wenden.

2019 wurden die Kübel weiter in die Ludwigstraße hineinversetzt - etwa zwischen die Metzgerei Schuricht und das Restaurant "Da Rocco". Dort verschwanden sie aber laut Bös bald wieder, "wegen des Räumens und des Winterdienstes".

In der Sitzung des Stadtrats am Donnerstag will Hartmut Bös die Blumenkübel als Mittel zur Verkehrsberuhigung erneut ansprechen. Am liebsten hätte er welche sowohl in der Altstadt als auch auf dem Marktplatz zwischen "Schuricht" und "Da Rocco". Auch wenn der Grünen-Sprecher weiß, dass nicht jedem Anlieger das gefällt. PWG-Stadtrat Eder hatte sich schon in der Juni-Sitzung gefragt, wo an letzterer Stelle die Kübel noch hinsollen, da ja dort auch der Lieferverkehr durchmüsse.

Wo sind sie nun abgeblieben, die Blumenkübel? Kämmerin Julia Spahn hat bei Bauhofleiter Michael Krug nachgefragt. "Sie sind im Bauhof", informiert sie auf Nachfrage. Die Verwaltung prüfe, welche Maßnahme für die Verkehrsberuhigung geeignet sei. Oder ob nicht dadurch neue Gefahren entstehen. Die Blumenkübel konnten eventuell so hoch sein, dass man Fußgänger dahinter nicht rechtzeitig sehe.

In diesem Zusammenhang weist Julia Spahn darauf hin, dass die Fußgängerzone nur noch bis 13 Uhr für jeden befahrbar ist. In der Zeit, als die Bayerische Staatsregierung wegen Corona den Katastrophenfall ausgerufen hatte, sei diese zeitliche Einschränkung gefallen. Dass sie nun weder in Kraft sei, trage hoffentlich dazu bei, dass sich das Verkehrsproblem abmildere.

Indes hält Bös weiter andere Mittel für geeignet, zum Beispiel Raser auszubremsen. So die Schwellen, die auch in der Juni-Sitzung des Stadtrats diskutiert wurden. Sein Favorit wären aber sogenannte "Kölner Teller" . Das sind kreisrunde Geschwindigkeitshemmer aus Metall, die aber wegen eines tödlichen Fahrradunfalls 2017 in Heidelberg in Verruf geraten sind. Auch die Bad Brückenauer Polizei und die Feuerwehr würden sie ablehnen, so Bös.

Robert Eder würde die Schwellen gut finden. Er wünscht sich, dass im Sinne der Sicherheit schnell gehandelt wird. Das Thema Verkehrsberuhigung in der Bad Brückenauer Fußgängerzone: Es ist und wird schwierig bleiben.