"Wir treten nicht einfach die Türen ein und stürmen dann blindlings in eine Wohnung. Da unterscheidet sich unsere Vorgehensweise doch erheblich von den Dingen, die gern in Fernsehkrimis oder anderen Filmen gezeigt werden", sagt Michael Krug. Der Kommandant der Freiwilligen Feuerwehr Bad Brückenau stellt immer wieder fest, "dass die fiktive Handlung, die über den Bildschirm flimmert, und die reale Arbeit der Rettungskräfte doch ein ganzes Stück auseinanderliegen". Spannend seien die Einsätze aber allemal, "denn vor unliebsamen Überraschungen sind wir nie ganz gefeit".

Neben der Vielzahl anderer technischer Hilfeleistungen, in erster Linie bei Verkehrsunfällen, taucht in den Berichten der Brandschützer immer wieder einmal die Aufgabenstellung "Anforderung zur Türöffnung" auf. "Das passiert im Schnitt rund zehn Mal pro Jahr", erläutert Krug mit Blick in die akribisch geführte Statistik.

Die Polizei ist immer dabei

Die Alarmierung der Feuerwehr läuft auch in diesen Fällen stets nach einem exakt festgelegten Schema ab, und zwar über ausgelösten Hausnotruf oder normalem Notruf an die Leitstelle in Schweinfurt. Darüber hinaus kann es vorkommen, dass die Polizei beispielsweise auf Grund einer Vermisstenmeldung sofort den direkten Kontakt mit den Brandschützern aufnimmt. "Die Polizei ist übrigens immer dabei, da die Feuerwehr rechtlich gesehen nicht einfach in eine Wohnung eindringen darf", macht Kommandant Krug im Gespräch mit dieser Zeitung deutlich.

Falls möglich, soll der Zugang zu den Räumlichkeiten mit Spezialwerkzeugen zerstörungsfrei erfolgen. Die Einsatzkräfte sind bemüht, die Schäden beim notwendigen Eindringen in Grenzen zu halten. Daher werden vor Ort schnell Alternativen geprüft, beispielsweise ob ein Fenster gekippt ist, oder eine Balkontür offen steht. Die Drehleiter fährt laut Krug immer mit, um auch unverzüglich von außen in obere Stockwerke zu gelangen. "Und bevor wir eine Tür gewaltsam und zerstörerisch öffnen, schlagen wir lieber erst einmal nur eine Scheibe ein."

Training an der Übungsanlage

Die Wehrmänner haben zwar das nötige Geschick und besitzen detaillierte Kenntnisse für den Umgang mit ihrem Spezialwerkzeug, trotzdem stellen sich einige Türöffnungen als sehr problematisch dar. Die höherwertige Sicherheitsausstattung der Häuser hat allgemein zugenommen, da sind die verschlossenen Zugänge nicht so einfach zu knacken. Um optimal gewappnet zu sein, trainieren die Brückenauer regelmäßig an einer speziell konstruierten Übungsanlage mit echten Türen und Fenstern.

"Die Situation in den Wohnungen ist uns vor dem Betreten ja völlig unbekannt", macht Krug deutlich. Daher müssten schnell etliche Umstände geprüft werden, beispielsweise ob man auf einen aggressiven Bewohner trifft, oder ob an irgendeiner Stelle Gas austritt. In den seltensten Fällen sei die mutmaßlich vermisste Person nämlich nicht in der Wohnung, manchmal stoße man leider nur noch auf einen Toten.

Mit der Einkaufstüte wieder aufgetaucht

Aber es gibt auch andere Begebenheiten. Es sei mehr als einmal vorgekommen, dass die oder der vermeintlich "Vermisste" oder "Hilflose" noch während des Einsatzes gut gelaunt mit der Einkaufstüte in der Hand plötzlich wieder auftauchte. Man habe doch nur einige Besorgungen gemacht, heißt es dann. Da kann sich auch der Kommandant trotz allen Ernstes der Sache ein kleines Schmunzeln nicht verkneifen. Eine Tatsache ist Krug abschließend noch wichtig: "Die geöffneten Türen oder Fenster werden von uns im Anschluss zumindest wieder provisorisch verschlossen und gesichert".